Fragen an die Fotografien stellen

»Die Ferne im Blick« heißt die neue Ausstellung im Museum der Stadt Bad Berleburg

awe Bad Berleburg. Für einige Berleburger Realschüler gab es jetzt wieder einen Abendtermin im Museum am Goetheplatz: Dort wurde nämlich eine weitere Ausstellung mit Fotografien eröffnet und die Foto-AG mit dem Lehrer Herbert Jäsch nutzte auch diese Gelegenheit, nachdem sie in den Ausstellungen vorher studiert hatten, wie die Fotofreunde Feudingen Wittgenstein in ein besonderes Licht rücken und wie Pramod Mondhe das heutige Indien bebildert. Und auch bei dieser dritten Gelegenheit ging es nun wieder um etwas Neues, wie der stellvertretende Bürgermeister Waldemar Kiel bei der Ausstellungseröffnung erläuterte: »Hier werden historische Aufnahmen aus der Missionsgeschichte und Kolonialzeit präsentiert, die ein Stück Geschichte erzählen; Geschichten aus dem kolonialen Bestreben Deutschlands, aus der Mission, aber auch aus der Entwicklung und Tradierung von Sammlungen in Westfalen-Lippe.«

Konzipiert wurde diese Wanderausstellung nämlich vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe und einer der Mitarbeiter des Westfälischen Museumsamtes, Dr. Günter Bernhardt, führte die ersten Ausstellungsgäste jetzt in das Thema dieser Schau ein, die mehr als nur Fotografien präsentiert. Zu sehen sind auch frühe Fotoapparate, sperrige Gerätschaften, die ganze Vitrinen füllen. Sie stehen für den einen Aspekt der Ausstellung, der erzählt von dem Medium, das, gerade erst erfunden, in fernen Kolonien und Missionsgegenden eingesetzt wurde. Mit ihr geriet die »Ferne in den Blick« – so lautet der Titel der Ausstellung. Diese frühen Apparate eigneten sich für Standbilder, hielten den Augenblick fest, erläuterte Günter Bernhardt. Vor einem Glasbildprojektor, den es übrigens auch in der Ausstellung zu besichtigen gibt – galt es, Position zu beziehen für eine Aufnahme: Gerade die fotografierten Europäer nehmen die Haltung an, in der sie gern abgebildet werden möchten, als stolze Plantagenbesitzer oder Tigerfänger etwa.

Und das ist ein zweiter Aspekt der Ausstellung: Sie interessiert sich für die Menschen, die auf diesen Bildern aus Deutsch-Ost-Afrika, aus Niederländisch-Indien oder China zu sehen sind. Einer von ihnen ist Wilhelm Dorn und seine Geschichte zieht eine Spur ganz in der Nähe: Im Jahr 1950 berichtet die Siegener Zeitung von dem Abenteurer, der über ein Aussiedlerlager auf dem Siegener Wellersberg nach Deutschland kommt. Geboren wurde Wilhelm Dorn in Russland, von 1915 bis 1950 lebte er an verschiedenen Orten in China.

Der preußische Geografielehrer Martin Müller betrieb ab 1908 für einige Jahre Landeskunde in Shanghai, China, Korea und Japan. Ebenfalls beruflich, aber trotzdem aus ganz anderen Gründen, trieb es Hermann Stilcke auf die Weltmeere: Er war Schiffsmaschinist bei der Reichsmarine. Ernst und Johannes Neubourt wiederum sind Auswanderer, die ihr Leben auf Sumatra mit der Kamera festhielten. Zu all diesen Lebensläufe gibt es Fotoalben, die in der Ausstellung aufgeschlagen werden. Eine Besonderheit dieser privaten Fotoalben sind die exotischen Orte ihrer Entstehung. Die Reisen durch die weitere Weltgeschichte waren damals erstens noch nicht üblich – die Fotografien erzählen vom Außergewöhnlichen. Zweitens wird auf den Bildern die engere Geschichts-Epoche der deutschen Kolonial- und Missionszeit dokumentiert aus dem Blickwinkel der Deutschen auf diese Fremde, die sie erobert wollen. Das ist noch ein weiterer Aspekt unter dem die Fotografien betrachtet werden können. Die Kolonialzeit grenzte Günter Bernhardt genau ein als die Jahrzehnte nach dem Erwerb des »Schutzgebietes« Deutsch-Südwest-Afrika im April 1884 bis zum Ende des Ersten Weltkrieges. Die Missionsgeschichte greife sehr viel weiter. Ihre Bilder dienten oft dazu, zuhause über ihre Arbeit und deren Fortschritte zu informieren und für diese Spenden zu sammeln.

Gemeinsam ist den Sammlungen eben auch, dass sie aus Beständen aus Westfalen-Lippe stammen. Ausführlicher als in der Ausstellung, sind sie ausgewertet in dem Begleitband der zu der Ausstellung erschienen ist. Beim Betrachten von Fotografien komme es darauf an, welche Fragen man an die Bilder stelle, erklärte Günter Bernhardt. Das übten die Foto-AG-Schüler an dieser neuen Ausstellung erneut und eine spannende Übung bleibt es für alle, die jene Ferne näher in den Blick nehmen möchte, die in dieser Ausstellung gezeigt wird. Zu sehen ist die Ausstellung bis Sonntag, 21. Januar. Öffnungzeiten sind dienstags, freitags, samstags, sonntags, feiertags von 15 bis 18 Uhr. Führungen können vereinbart werden unter Tel. (02751) 923232.

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