Freie Gruppe besteht zwei Jahre

Als lockerer Zusammenschluss treffen sich jeden Dienstag Hunde-Halter aus ganz Wittgenstein, Hessen und Sauerland, um mit den Vierbeinern in einem authentischen Praxis-Test die gemeinsame Team-Fähigkeit zu steigern. Foto: jg
  • Als lockerer Zusammenschluss treffen sich jeden Dienstag Hunde-Halter aus ganz Wittgenstein, Hessen und Sauerland, um mit den Vierbeinern in einem authentischen Praxis-Test die gemeinsame Team-Fähigkeit zu steigern. Foto: jg
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jg Bad Berleburg. Wer in Sachen „Hund“ etwas erleben will, was es eigentlich gar nicht geben kann, der sollte dienstagabends mal zum Wanderparkplatz am Trufterhain gehen. Dort trifft sich nämlich seit zwei Jahren regelmäßig bei Wind und Wetter eine Hundegruppe. Wobei das Wort eigentlich schon falsch ist, denn es ist keine feste Gruppe, sondern ein loser Zusammenschluss, ohne Mitgliedschaft und ohne feste Verpflichtungen: Hundebesitzer aus Wittgenstein, Sauerland und Hessen mit Vierbeinern aller Rassen, aller Altersklassen und aller Geschlechter, egal ob Rüde, Hündin oder kastriert, treffen sich in der Sommerzeit um 18 Uhr und in der Winterzeit um 16 uhr, um anderthalb bis zwei Stunden lang mit ihren Tieren - zumeist abgeleint - spazierenzugehen.

„Wir sind die einzig schwimmende Gruppe“, erklärt Sibylle Horchler, und meint das allumfassende Konzept der Gruppe, die sie selbst vor zwei Jahren aus der Taufe gehoben hat. Die meisten Hundeexperten würden sagen, so etwas könne nicht funktionieren, der beste Gegenbeweis sei die Gruppe selbst. Oft seien es 20 oder 25 Tiere, die miteinander unterwegs seien. Die Tiere seien dabei ein bis zehn Jahre alt. Diese altersmäßige Durchmischung sei für die allermeisten Hunde etwas ganz Neues, denn in Hundeschulen träfen in der Regel gleichaltrige Tiere aufeinander. Aber weil es hier große Altersunterschiede gebe, müssten sich die Hunde mit ganz anderen Machtverhältnissen arrangieren. Da müsse ein stolzer jüngerer Hund die Rute sowie den Kopf und den Blick eben auch mal etwas gesenkter halten. Hier lernten die unterschiedlich alten Hunde von einander, Siyblle Horchlers Vergleich aus der Menschenwelt. Wenn 17-Jährige nur mit 17-Jährigen zu tun hätten, dann würden die auch hauptsächlich dummes Zeug von einander lernen.

Jeden Dienstag müsse die Gruppe wieder zusammenfinden. Weil sie eben während der restlichen Woche nicht als Rudel zusammenlebten, müsse jeder Hunde aufs Neue Sympathien und Antipathien erkunden und erschnuppern. So kann jeder Hund in der freien Natur und ohne allzu viel Asphalt jede Menge lernen, aber auch die Herrchen und Frauchen. Vor allem in der Praxis, die jeder der wöchentlichen Hundetreffs heraufbeschwört. Sibylle Horchler sieht sich dabei vor allem als Team-Beraterin: Hund und Mensch müssten ein Team sein - ein Team mit einer klaren Struktur. Ein Herrchen dürfe einem Hund durchaus Freiheiten gewähren, aber der Hund müsse sich diese eben erst einmal verdienen und verstehen, dass diese eine Ausnahme und nicht die Regel seien.

Bei der jüngsten Zusammenkunft, die mit einer kleine Rede und der Ankündigung begann, dass die Veranstaltung von nun an „Wittgensteiner Hundetreff“ heiße, waren es rund 15 Hunde und mehr als noch mal soviele Halter. Zum Beispiel Beate Garwens aus Oberkirchen, die besonders die „tolle Gemeinschaft“ der Gruppe hervorhob. Die Girkhäuserin Ruth Schwarz fand es zudem bemerkenswert, dass eigentlich jeder in diese Gruppe passe. Sie versuche mit ihrer knapp fünfjährigen Mag, jede Woche dabei zu sein. Sehr selbstkritisch war der Ansatz von Ute Treude aus Raumland. Ihr zehnjähriger Sam sei ja eigentlich perfekt, aber sie lerne immer noch dazu, um stets die passende Reaktion zu zeigen. Birgit Feldmanns dreijährige Emmi war diesmal eindeutig der kleinste Hund der Gruppe. Ihr Hund belle sehr gern, dass das nicht alle anderen Hunden mögen, das habe Emmi in diesem Kreis schon gelernt. Die Feudingerin Karola Heinrich war mit ihrer Lucy bis zum Trufterhain eine knappe halbe Stunde unterwegs, aber das sei es ihr wert, so das überzeugte Urteil über den Treff.

Und so war die Gruppe unterwegs, mit Rufen wie „Jogger von hinten“ oder „Fremdhund von vorn“ spazierten alle bei Sonnenschein durch die Natur. Während sich Meilos Herrchen um Ginger kümmerte, rief ein anderes Frauchen mal Meilo zur Ordnung. Und alle zusammen freuten sich an dem nicht mal einen Tag alten Kälbchen, das ganz in der Nähe auf einer Wiese schwankte - ohne dass einer der Hunde auf dumme Gedanken gekommen wäre. Stolz blickte Sibylle Horchler auf die Gruppe in der schönen Landschaft: „Das ist es, was man erreichen will, diesen Frieden.“ Wer ihn erleben möchte, nächsten Dienstag um 18 Uhr am Trufterhain. Man darf übrigens auch ohne Hund kommen.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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