Amtsgericht verurteilt 34-Jährigen
Freiheitsstrafe nach heftigem Unfall unter Drogen

Der Angeklagte kam mit einer Bewährungsstrafe davon.
  • Der Angeklagte kam mit einer Bewährungsstrafe davon.

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howe Bad Berleburg. Als es im April in Schüllar auf der Straße wie aus heiterem Himmel krachte, hielten alle Beteiligten die Luft an. Denn während die Autos, die gegeneinander gedonnert waren, nur noch Schrottwert besaßen, konnten die Fahrer von Glück reden, lebend aus ihren Fahrzeugen herausgekommen zu sein. Am Dienstag verhandelte das Amtsgericht Bad Berleburg den Fall, weil die Staatsanwaltschaft dem Verursacher, einem 34-jährigen Arbeiter aus Hamm, gleich mehrere Straftaten vorwarf: fahrlässige Straßenverkehrsgefährdung, fahrlässige Körperverletzung und vorsätzliches Fahren ohne Fahrerlaubnis – und das unter Drogen. Denn der Angeklagte hatte immerhin 179 Nanogramm Amphetamin pro Milliliter intus. Der Grenzwert liegt bei 25.

,,Beide Fahrer hätten tot sein können''

Und so verhandelten dem Richter Torsten Hoffmann und der Staatsanwältin der Angeklagte und sein Verteidiger Thomas Bratke (Hamm) auf der einen und die beim Unfall geschädigte Nebenklägerin auf der anderen Seite den Fall. Und obwohl das Interesse von Nebenklage-Rechtsanwalt Olaf Plum lediglich darin lag, das Verfahren im Hinblick auf zivilrechtliche Schmerzensgeldforderungen seiner Mandantin zu verfolgen, setzte er sich energisch in Szene: „Wir haben hier mit einem Angeklagten zu tun, dem die Rechtsordnung völlig egal ist“, schimpfte er. „Er fährt dreimal ohne Führerschein, das interessiert ihn alles gar nicht. Beide Fahrer hätten tot sein können.“ Viermal sei der Angeklagte nun schon ohne Fahrerlaubnis unterwegs gewesen, jetzt sogar unter Drogen. „Ich glaube auch nicht, dass sie eingeschlafen sind. Sie sind ein Angeklagter, der sich seit Jahren über alles hinwegsetzt.“ Umso erstaunter war Olaf Plum, dass von der Staatsanwaltschaft wegen der mehrfachen Delikte der Antrag kam, den 34-Jährigen zu einer Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu je 70 Euro zu verurteilen.

Amphetaminkonsum wegen Familienstress

Noch unverständlicher der Antrag des Verteidigers: Der bat darum, die Strafe bei 70 Tagessätzen anzusetzen. Dass Richter Torsten Hoffmann am Ende eine viermonatige Freiheitsstrafe auf Bewährung verhängte, spielte Olaf Plum aber in die Karten. Dazu muss der Angeklagte ein Jahr lang weiter auf seinen Führerschein verzichten, außerdem muss er 2400 Euro Geldbuße an den CVJM-Kreisverband Wittgenstein zahlen. Die einschlägigen Vorbelastungen seien für das Urteil ausschlaggebend gewesen, so Torsten Hoffmann. „Die Geldstrafen haben ihn nicht beeindrucken können.“ In der Tat: Denn hätte der 34-Jährige aus seinen Taten aus der jüngsten Vergangenheit in 2019 und in diesem Jahr gelernt, hätte er sich nicht mit Drogen ans Steuer gesetzt. Immerhin gab er seine Taten zu. „Ich bin von der Arbeit gekommen und stand unter Stress wegen Familienproblemen.“ Deshalb habe er Amphetamin genommen. „Ich bin aber so müde gewesen, dass ich hinter dem Lenkrad eingeschlafen bin. Es tut mir sehr leid, ich würde mich gerne bei der Familie entschuldigen.“ Zwei Zeugen konnten eine Müdigkeit des Mannes nicht bestätigen. Im Gegenteil: „Der kam aus dem Auto gesprungen wie ein HB-Männchen“, berichtete ein 27-jähriger Unfallbeobachter. „Der beruhigte sich gar nicht und es kam die Vermutung auf, dass da andere Sachen im Spiel sind.“ Gleiches sagte eine 42-jährige Frau, die sich um die Versorgung der Verletzten gekümmert hatte. „Er ist die ganze Zeit ziemlich dicht aufgefahren. Der war mir schon die ganze Zeit unangenehm aufgefallen. Man merkte, dass er es eilig hatte.“

Nicht zufrieden mit 1000 Euro Schmerzensgeld

In der Kurve sei er einfach rübergezogen, da sei der Unfall schon passiert. „Er sprang auf der Straße rum und war furchtbar aufgedreht. Ich habe noch zur Polizei gesagt, wenn der nicht mal irgendwas eingeschmissen hat.“ Übrigens: Die geschädigte Frau leidet heute immer noch unter den Folgen des Unfalls, wie sie erklärte. Ihr Anwalt Olaf Plum verriet, die materiellen Schäden am Auto, über 18.500 Euro, seien beglichen. Die Versicherung der Gegenseite habe allerdings nur 1000 Euro Schmerzensgeld angeboten. Damit könne man sich nicht zufrieden geben.

Autor:

Holger Weber (Redakteur) aus Wittgenstein

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