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Dienst nach strikten Vorschriften
Freiwillige Feuerwehr stellt sich wegen Corona um

Das Tragen von Schutzmasken ist bei den Einsatzkräften der Freiwilligen Feuerwehr Bad Berleburg zur Dienstanweisung erklärt. Die Einsatzkräfte befolgen die Anweisungen mit Akribie. Die Corona-Pandemie hat die ehrenamtliche Arbeit verändert.
  • Das Tragen von Schutzmasken ist bei den Einsatzkräften der Freiwilligen Feuerwehr Bad Berleburg zur Dienstanweisung erklärt. Die Einsatzkräfte befolgen die Anweisungen mit Akribie. Die Corona-Pandemie hat die ehrenamtliche Arbeit verändert.
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  • hochgeladen von Timo Karl (Redakteur)

tika Wittgenstein. Die Frage war so simpel wie folgenreich: „Wenn es brennt und die Feuerwehr kommt nicht – wer dann?“ Die Frage von Dirk Höbener war rhetorischer Art, doch der Leiter der Freiwilligen Feuerwehr und stellvertretende Kreisbrandmeister brachte damit das ganze Dilemma, in dem sich die Floriansjünger befinden, auf den Punkt. Die Corona-Pandemie hat den Dienst der ehrenamtlichen Rettungskräfte zwar nicht zum Erliegen gebracht, Notwendigkeiten aber außer Kraft gesetzt – und Abläufe auf den Kopf gestellt.

„Jede Kommune stellt zwar eine eigene Feuerwehr, aber wir arbeiten natürlich über die Grenzen hinweg gemeinsam – auch einsatzmäßig, wenn es notwendig ist“, erklärte Dirk Höbener.

tika Wittgenstein. Die Frage war so simpel wie folgenreich: „Wenn es brennt und die Feuerwehr kommt nicht – wer dann?“ Die Frage von Dirk Höbener war rhetorischer Art, doch der Leiter der Freiwilligen Feuerwehr und stellvertretende Kreisbrandmeister brachte damit das ganze Dilemma, in dem sich die Floriansjünger befinden, auf den Punkt. Die Corona-Pandemie hat den Dienst der ehrenamtlichen Rettungskräfte zwar nicht zum Erliegen gebracht, Notwendigkeiten aber außer Kraft gesetzt – und Abläufe auf den Kopf gestellt.

„Jede Kommune stellt zwar eine eigene Feuerwehr, aber wir arbeiten natürlich über die Grenzen hinweg gemeinsam – auch einsatzmäßig, wenn es notwendig ist“, erklärte Dirk Höbener. Gerade durch Corona haben Abstimmungsgespräche zwischen den Freiwilligen Feuerwehren innerhalb des gesamten Kreisgebietes weitere Relevanz gewonnen. „Wir mussten und müssen die Einsatzfähigkeit im gesamten Kreisgebiet aufrecht erhalten“, konstatierte der Lahnstädter.

Seit dem „Lockdown“ sind alle Übungsdienste eingestellt. „Ziel war es, dass die Kontakte untereinander verhindert werden und es so nicht zu einer Durchseuchung kommen kann. Wenn nur ein Kamerad dabei wäre, der infiziert ist, dann müssen alle für 14 Tage in Quarantäne“, erläuterte Dirk Höbener. Gerade deshalb war eine Kommunen-übergreifende Abstimmung notwendig. „Einige Einsatzkräfte sind ja auch an ihrem Arbeitsplatz zusammen. All das mussten wir berücksichtigen.“ Dennoch musste zumindest der Einsatzdienst weiterlaufen, Geräte und Fahrzeuge bedürfen einer regelmäßigen Wartung. „Das geschieht jetzt nur noch zu zweit, natürlich wechselseitig“, erklärte Dirk Höbener. Problematisch ist aus seiner Sicht einerseits, dass in den vergangenen Monaten keinerlei Übungs- und Fortbildungsdienst mehr stattfinden durfte, andererseits, dass die Gemeinschaft arg gelitten hat. „Die Freiwillige Feuerwehr ist Teamarbeit. Es ist wichtig, dass man zusammenwächst. Gerade das wird schmerzlich vermisst“, wusste der Bad Laaspher Feuerwehrchef. Eines verdeutlichte er dabei aber mit Vehemenz: „Wir sind nicht außer Übung, es geht um das Miteinander.“ Immerhin, ab diesem Montag beginnt der Übungsdienst wieder in Kleingruppen – mit maximal zehn Personen. „Ich hoffe, dass die Fallzahlen weiter zurückgehen, damit wir wieder üben können. Wir sind schließlich systemrelevant.“

Auch die Freiwillige Feuerwehr Erndtebrück nimmt an diesem Montag den Übungsbetrieb in Kleingruppen von ebenfalls maximal zehn Personen wieder auf – diese Gruppen, die jeweils einen Hygienebeauftragten zählen, hatten sich schon gemeinsam versammelt als sie „Begrüßungstour“ der neuen Drehleiter vor eineinhalb Wochen beobachtet hatten. „Das war letztlich ein Trauerspiel. Wir konnten diesen besonderen Moment nicht feiern, die Gemeinschaft fehlt völlig. Dabei beruht alles auf Vertrauen. Es fehlt das Miteinander, man spürt eine gewisse Entfremdung“, war der Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Erndtebrück, Karl-Friedrich Müller, merklich frustriert. Die Belastung der Einsatzkräfte sei im Zuge der Corona-Pandemie gestiegen – nicht nur im Einsatzgeschehen, sondern auch organisatorisch.

„Wir müssen und wollen den Menschen weiterhin helfen, aber wir leiden unter den Umständen. Durch Corona wird alles erschwert“, konstatierte Karl-Friedrich Müller. Inzwischen sei „eine Linie darin“, dennoch müssten Aufgaben auf weniger Schultern verteilt werden als ohnehin schon, erklärte er mit Blick auf die Wartung und Überprüfung von Geräten. „Die Leute und das Ehrenamt werden auf die Probe gestellt“, konstatierte Karl-Friedrich Müller. Alle zwei Wochen finden derzeit kreisweite Wehrführer-Sitzungen statt. „Wir stimmen uns sehr eng ab, das läuft hervorragend“, betonte der Feuerwehrchef aus der Edergemeinde.

Dennoch, das Geschehen beschränkt sich weiterhin auf das Notwendigste. Alle Übungen sind in diesem Jahr abgesagt, ebenso gemeinschaftliche Ausbildungen. „Da geht eine Menge Zeit verloren, das muss irgendwann alles aufgeholt werden – auch die Lehrgänge. Wir werden da ein, zwei Jahre hinterher hinken“, haderte Karl-Friedrich Müller. Zentral ist auch für die Floriansjünger aus der Edergemeinde, dass es zu keiner Durchmischung der Einsatzkräfte kommt. „Überall sind jetzt zudem Hygieneartikel, in den Fahrzeugen sitzen wir uns mit Masken gegenüber. Anders als vor Corona, steigen bei Einsätzen direkt alle aus dem Fahrzeug aus und warten davor, während einer die Situation erkundet. Nach dem Einsatz – beim Verlassen des Fahrzeugs und des Gerätehauses – desinfizieren wir alles: Türgriffe, die Fahrzeuge. Das ist ein wahnsinniger Aufwand“, berichtete der Erndtebrücker Feuerwehrchef. Direkt nach den Einsätzen waschen und desinfizieren sich die Floriansjünger generell ihre Hände direkt am Fahrzeug. Grundsätzlich ist „große Vorsicht geboten“. Altenheime dürfen die Einsatzkräfte nur noch mit FFP2-Masken oder mit einem kompletten Atemschutz betreten, auch um die Bewohner zu schützen, die zur Risikogruppe zählen. Zudem verfügt die Freiwillige Feuerwehr Erndtebrück inzwischen auch über Schutzanzüge, die sie bei etwaiger Tragehilfe tragen müssen. „Wir hatten zeitweise keine Schutzausrüstung, weil alles Mangelware war. In der ersten Zeit haben wir nur Löcher geflickt“, erklärte Karl-Friedrich Müller, der inzwischen spezielle Einheiten für spezielle Einsätze gebildet hat.

Die Freiwillige Feuerwehr Bad Berleburg bekam die Auswirkungen der Corona-Pandemie fernab des Einsatz- und Übungsgeschehens unmittelbar zu spüren. Ihre Jahresdienstversammlung mussten die Floriansjünger absagen. Danach ergriffen sie auch für das „Kerngeschäft“ schnell Maßnahmen. „Wir besetzen seitdem die Fahrzeuge nur noch in der Stärke, wie wir alarmiert werden und entsenden auch keine zusätzlichen Fahrzeuge. Wir können die Einsatzkräfte nur schützen, wenn sie Abstand halten oder einen Mund-Nasen-Schutz tragen“, erläuterte Klaus Langenberg. Das Tragen einer solchen Maske im Einsatzgeschehen hat der Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Bad Berleburg daher auch zur Dienstanweisung erklärt. Hat ein aktives Wehrmitglied auch nur kleinste Bedenken ob seines gesundheitlichen Zustandes, ist es zudem angewiesen, direkt zuhause zu bleiben.

Kreisweit nehmen die Freiwilligen Feuerwehren an einem Gesundheitsreporting teil, bei sie dem Quarantäne- sowie Verdachtsfälle melden, aber auch, wenn einzelne Mitglieder durch ihren Arbeitgeber für unabkömmlich erklärt sind – etwa im Gesundheitswesen. „Wir wissen permanent um die Tagesverfügbarkeit aller Kräfte. Durch Kurzarbeit und ,Homeoffice’ ist diese Verfügbarkeit schlagartig gestiegen, was für uns als Feuerwehr positiv war“, erläuterte Klaus Langenberg. Auch in der Odebornstadt bringen die Lockerungen nun die Möglichkeit, den Übungs- und Ausbildungsbetrieb in kleinen Gruppen wieder aufzunehmen. „Die Gruppengrößen sind unterschiedlich, abhängig vom Standort und der Größe der vorhandenen Räumlichkeiten.“

Von Normalität kann allerdings noch lange keine Rede sein. „Lehrgangsbetrieb auf Kreisebene wird es wohl erst nach den Sommerferien geben. Da warten wir aber noch ab, wie sich die Dinge entwickeln“, berichtete Klaus Langenberg. Ebenso wie die Freiwilligen Feuerwehren aus den Wittgensteiner Nachbarkommunen, verfolgen die Bad Berleburger eine „kreisweite Linie. Es geht erst nach und nach los – alles mit Sinn und Verstand“. Dass die Floriansjünger dabei auch das Szenario einer zweiten Infektionswelle im Hinterkopf haben, daran ließ Klaus Langenberg keine Zweifel: „Wir sind jederzeit in der Lage, das Rad wieder zurück zu drehen. Die Pläne für die entsprechenden Maßnahmen liegen in der Schublade.“

Autor:

Timo Karl (Redakteur) aus Erndtebrück

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