»Ganze Härte des Gesetzes«

Erndtebrücker gestern zu einer Bewährungsstrafe verurteilt

Bad Berleburg. Das war nicht von Pappe: Zwölf Monate Jugendhaft auf Bewährung und satte 250 Stunden gemeinnützige Arbeit – so lautete gestern das Urteil im Bad Berleburger Amtsgericht. Ein 19-jähriger Erndtebrücker hatte sich gleich wegen zwei Delikten vor dem Schöffengericht unter der Leitung von Amtsgerichtdirektor Hans-Jürgen Niediek zu verantworten.

Staatsanwalt Wolfgang Nau warf dem derzeit Arbeitslosen einen versuchten Raub im Januar dieses Jahres sowie eine Körperverletzung im Juni vor. Im Detail: Zu Beginn des Jahres soll der 19-Jährige gemeinsam mit einem Freund – in Ermittlerkreisen ebenfalls kein unbesachriebenes Blatt – einen Überfall auf eine Tankstelle in Ferndorf geplant haben.

»Ich hatte ziemlich viel Angst«

Die Vorwürfe bestätigte der geständige 19-Jährige in allen Details. Letztlich habe er sich in einer Kneipe von seinem Komplizen zu der Sache überreden lassen. »Ich hatte ziemlich viel Angst. Als durch den Bewegungsmelder das Licht an ging, bin ich abgehauen«, so ein gestern durchaus einsichtiger Angeklagter. Pech für ihn, dass der Mittäter mit seinem Auto derweil das Weite gesucht hatte und der allein gelassene Erndtebrücker der alarmierten Polizei direkt in die Arme lief. Denn die Tankstellenmitarbeiterin hatte kurz nach Geschäftsschluss eine »komplett schwarze Gestalt weglaufen« sehen und die Polizei angerufen. Von einer »ganz üblen Angelegenheit« sprach Staatsanwalt Wolfgang Nau im Zusammenhang mit der Körperverletzung im Juni. Nach einer Zechtour mit einem Freund in einer Erndtebrücker Kneipe soll der 19-jährige Angeklagte einen 24-jährigen Handwerker übel zugerichtet haben. Der befand sich in der Nacht bzw. am frühen Morgen auf dem Weg zur Arbeit, während das stark angetrunkene Duo den Abend ausklingen ließ. Was für den Angeklagten offenbar nicht ohne eine handfeste Auseinandersetzung über die Bühne gehen sollte. Er ging auf den 24-Jährigen los und stellte ihn, als der flüchten wollte. Damit nicht genug: Das Opfer stand anschließend ohne Rucksack, Arbeitsschuhe, Handy und Diabetiker-Utensilien dar.

»Ich wollte ihn ärgern, er sollte Mühe haben, seine Sachen wieder zu finden«, entgegnete der Angeklagte auf die Nachfrage von Richter Hans-Jürgen Niediek. Er schloss allerdings aus, dass er das Opfer vorsätzlich berauben wollte und an den Auslöser, wie es zu dem Übergriff gekommen sei, konnte er sich aufgrund des nicht unerheblichen Alkoholkonsums auch nicht mehr erinnern.

»Jetzt mal die Kurve kriegen«

In seinem Strafantrag ging Staatsanwalt Wolfgang Nau von Körperverletzung und Diebstahl bei der Sache im Juni und versuchtem Raub in Sachen Tankstelle aus. Das umfassende Geständnis und die Tatsache, dass der Angeklagte offenbar dabei sei, sein Leben zu ändern, bewerte er positiv, allerdings erforderten die Taten an sich »die ganze Härte des Gesetzes«. Es gehe schließlich darum, die Bevölkerung zu schützen. Nau forderte zehn Monate Jugendhaft auf Bewährung und 250 Stunden gemeinnützige Arbeit: »Ich hoffe, dass der Angeklagte jetzt mal die Kurve kriegt.«

Dessen Verteidiger Norbert Wickel sah die Köperverletzung zwar als erwiesen an – »so etwas darf nicht passieren« – doch weder der Diebstahl noch der versuchte Raub in Ferndorf seien in der Verhandlung untermauert worden. Der Rechtsanwalt hielt seinem Mandaten zugute, dass er von dem Raub rechtzeitig Abstand genommen habe. Zur Tatzeit habe sich der 19-Jährige wegen gravierender Probleme in seinem Elternhaus und übermäßigen Alkoholkonsums in einer schwierigen Situation befunden. Norbert Wickel hielt am Ende seines Plädoyers eine Strafe »unterhalb der Jugendstrafe« für angemessen.

19-Jähriger entschuldigte sich

Das Schöffengericht ging mit dem Urteil sogar über den Antrag des Staatsanwaltes hinaus. Allerdings erklärte Richter Hans-Jürgen Niediek, dass er mit der Staatsanwaltschaft darüber sprechen werde, ein noch ausstehendes Verfahren gegen den 19-Jährigen wegen Benzindiebstahls einzustellen. Den Erndtebrücker wies Hans-Jürgen Niediek eindringlich darauf hin, dass er an einer »Wegscheide in seinem Leben« stehe. Im Klartext: »Lassen Sie die Finger von Delikten dieser Art.« Worte, die gestern offenbar auf fruchtbaren Boden fielen, schließlich entschuldigte sich der Erndtebrücker bei dem 24-jährigen Opfer und der Ferndorfer Tankstellen-Mitarbeiterin. Er habe sich in psychologische Behandlung begeben, ließ er das Gericht außerdem wissen.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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