Angeklagter Bad Berleburger kein Unbekannter
Gefängnis wegen Ebay-Betrugs

Weil der Angeklagte bereits mehrere ähnliche Delikte begangen hat, ist er dem Gericht nicht unbekannt.
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  • Foto: Pixabay
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

howe Bad Berleburg. Ein Jahr und neun Monate muss ein 37-jähriger Bad Berleburger ins Gefängnis, weil er über ein Internet-Verkaufsportal Autoteile angeboten hat, die er entweder nicht an die Käufer versandte oder das bereits bezahlte Geld nicht zurückerstattete. Am Dienstagmittag verurteilte das Bad Berleburger Amtsgericht den Mann, der zweifach unter laufender Bewährung stand – und zwar wegen gleichgelagerter Delikte. Der 37-Jährige hatte von August bis Dezember vorigen Jahres in fünf Fällen Waren angeboten – Alufelgen für 250 Euro, zwei Motorflex für jeweils rund 140 und 110 Euro, noch mal Alufelgen für 400 Euro und einen Fächerkrümmer für 160 Euro. Erst im Zuge des Ermittlungsverfahrens gegen ihn sendete er in einem Fall das Geld zurück, in einem anderen kam – wie ein Zeuge vor Gericht berichtete – immerhin das Paket acht Tage nach dessen Anzeigenerstattung bei ihm zu Hause an.

Angeklagter kein Unbekannter

Der Bad Berleburger ist dem Gericht beileibe nicht unbekannt. Bereits in 2011 verurteilte ihn das Gericht zu einer Bewährungsstrafe wegen Ebay-Betrugs, ebenso in 2014. Ein letztes Mal und „unter Zurückstellung erheblicher Bedenken“, wie sich Oberamtsanwältin Judith Hippenstiel am Dienstag erinnerte, habe man den 37-Jährigen in 2015 nochmal eine Bewährungsstrafe gewährt. „Da konnte ich auch eine positive Prognose abgeben, weil er Arbeit gefunden hatte und er in seinem Job aufblühte“, berichtete Bewährungshelfer Reinold Vater. Jetzt allerdings müsse er die Prognose genau umkehren.

37-Jähriger verschweigt Spielsucht

„Ich kann nur eine negative abgeben.“ Warum, das erläuterte der Bewährungshelfer auch: Er habe von der Spielsucht des Angeklagten nichts gewusst, die habe er für sich behalten. „Ich gestehe die Sachen“, ließ sich der Angeklagte ein, er sei „Zocker“ und habe das ganze Geld „verzockt“. „Das ist mein Problem.“ Judith Hippenstiel fand es als Vertreterin der Staatsanwaltschaft besonders verwerflich, dass der 37-Jährige bei einigen seiner Taten als Ebay-Name denjenigen seiner eigenen Mutter angegeben habe. „Die ziehen sie mit rein, die eigene Mutter. Das ist unter aller Kante“, so Judith Hippenstiel.

Entwicklung war eigentlich gut

Regelrecht schockiert wirkte auch Reinold Vater, der den Angeklagten nach eigener Aussage inzwischen seit mehreren Jahren kennt. „Ich konnte es nicht nachvollziehen, dass da schon wieder was kam.“ Die Entwicklung des Angeklagten sei nach den letzten Verurteilungen eigentlich gut gewesen – mit Beruf und Geld verdienen. Auch die Geldbußen seien jeweils pünktlich bedient worden. „Über das Thema Spielsucht haben wir nie gesprochen“, verriet Reinold Vater.

Fast zwei Jahre Gefängnis

Judith Hippenstiel beantragte eine Freiheitsstrafe wegen gewerbsmäßigen Betrugs. Schließlich habe der 37-Jährige über einen relativ langen Zeitraum gleichgelagerte Taten begangen. Da er nun „Bewährungsversager“ sei, müsse die Strafe vollstreckt werden – und zwar laut ihrem Antrag zwei Jahre. Verteidiger Norbert Hartmann präsentierte sich nahezu sprachlos: „Es gibt nicht so viel zu verteidigen.“ Sein Mandant habe ihn in den Angelegenheiten nicht kontaktiert. Dennoch legte Norbert Hartmann ein gutes Wort ein, verwies auf die zurückerstattete Ware und das zurückgezahlte Geld in zwei Fällen und bat um eine geringere Strafe. Richter Torsten Hoffmann urteilte: ein Jahr und 9 Monate Gefängnis. Judith Hippenstiel warnte den 37-Jährigen eindringlich davor, mit weiteren Delikten aufzuwarten. „Dann erlasse ich Haftbefehl.“

Autor:

Holger Weber (Redakteur) aus Wittgenstein

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