Geld eintreiben mit der Motorsäge

Laaspher wurde gestern wegen Nötigung und Beleidigung zu 4800 E Strafe verurteilt

JG Bad Berleburg. »Dann hab ich ihm die 436 Mark quittiert, ganz normal, wie es sich bei Geschäftsleuten gehört«, erinnerte sich gestern ein 40-jähriger Laaspher im Berleburger Amtsgericht. Weil die dazugehörige Vorgeschichte aber so gar nicht den üblichen Gepflogenheiten zwischen Geschäftsleuten in Deutschland entsprach, saß der Mann gestern auf der Anklagebank. Vorgeworfen wurden dem Selbstständigen Nötigung und Beleidigung an einem Samstag im Juli 2001.

Sommer, Sonne, Schalke und Bier

Dabei hatte der Tag doch so schön angefangen. Direkt hinter der Landesgrenze hatten Alten Herren Fußball gespielt, die aus Puderbach gegen die Traditionself des FC Schalke 04. Auch der Laaspher wollte sich das bei strahlendem Sonnenschein nicht entgehen lassen. Das eine oder andere Glas Bier, und dann noch die Hitze. Das hinterließ auch beim jetzt Angeklagten seine Spuren. Und dann ging es vom Sportplatz zum nächsten Einsatzort, nach Bad Laasphe. Hier wurde er an diesem Samstagnachmittag im Lkw seines Onkels gesehen, dieser setzte ihn vor einer Gaststätte an der Königstraße ab.

»Man sollte alle Inder vergasen«

Und genau für diesen Onkel – Gemüselieferant für viele größere Küchen – wollte der Mann Außenstände eintreiben. Es kam zu einer lautstarken Auseinandersetzung zwischen ihm und dem Pächter des Gasthofs, der sich neben den handelsüblichen deutschen Schimpfwörtern auch noch anhören musste: »Man sollte alle Inder vergasen.« Denn der Chef des indischen Spezialitätenlokals stammte natürlich vom weit entfernten Subkontinent. Außerdem drohte der erfolglose Geldeintreiber von Onkels Gnaden bei seinem ersten Abzug aus dem Gasthof: Er komme wieder und zwar mit der Motorsäge, und dann schneide er erst das Mobiliar kurz und klein und zum Schluss dem Pächter den Kopf ab.

Schweres Gerät im Taxi-Kofferraum

Und tatsächlich fuhr der Mann eine Stunde später wieder vor, im Taxi. Aus dem Kofferraum angelte er die Motorsäge und steuerte auf die Kneipe zu. Die eigentliche Besitzerin und Vermieterin des Lokals sah vom Balkon die heranziehende Gefahr und beschwichtigte den gestern Angeklagten erst einmal. An der Außen-Terrasse stellte er daraufhin seine Motorsäge ab, ging aber dennoch wieder in die Gaststube. Hier kam es zu einer neuerlichen Auseinandersetzung, der Pächter – der sich der Motorsäge im Eingangsbereich bewusst war – händigte dem Laaspher dann eben jene 436 DM aus. Und der Spuk war vorbei. Scheinbar jedenfalls.

Neunjähriger Sohn geschockt

Denn der indische Gastronom, der gestern als Zeuge aussagte, machte vor dem Gericht vor allem deutlich, welche Wirkung der Satz mit dem »vergasen« auf ihn gehabt hatte. Noch dramatischer die Wirkung auf den damals neunjährigen Sohn des Geschädigten: »Er hat das bis heute nicht vergessen.« Denn der Kleine stand neben seinem Vater, als der Laaspher damals Amok redete.

Taten größtenteils eingeräumt

Der Angeklagte gab sich gestern sehr viel kleinlauter und räumte die Taten größtenteils ein. Hoffte dabei, dass er vielleicht doch nicht »vergasen«, sondern »verjagen« gesagt hätte, wollte aber letztendlich den unverzeihlichen Fehler auch nicht ausschließen. Eine rechtsradikale Gesinnung wies er jedoch weit von sich, der Alkohol war seine Entschuldigung.

An Volksverhetzung vorbeigeschrammt

Staatsanwalt Wolfgang Nau sah nach Ende der Beweisaufnahme seine Anklageschrift voll und ganz bestätigt, die Tatbestände schrammten nach seiner Einschätzung sogar nur knapp an Volksverhetzung und Erpressung vorbei, er habe gar über eine Freiheitsstrafe nachgedacht. Er entschied sich dagegen, wollte die Beleidigung, die versuchte und die vollendete Nötigung jedoch mit einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen à 40 e gesühnt wissen. Das schien Verteidiger Andreas Behrendt ein wenig hoch gegriffen. Er forderte keine konkrete Strafe, aber dass man die Kirche im Dorf lasse.

Forderungen »rechtlich nicht fällig«

Die Kirche lasse man im Dorfe – genau mit der vom Staatsanwalt beantragten Strafe, so Amtsgerichtsdirektor Hans-Jürgen Niediek, der in seinem Urteil Wolfgang Naus Antrag folgte. Hans-Jürgen Niediek wies in seiner Begründung vor allem darauf hin, dass das Geld, das hier aufs Geratewohl eingetrieben wurde, »rechtlich nicht fällig« gewesen sei. Die Durchsetzung von Rechten und vermeintlichen Rechten mit erschreckenden Mitteln, das nehme zu und sei »äußerst beängstigend«, so der Richter. Und dem Angeklagten, der seine rassistische Entgleisung auf Promille schieben wollte, gab er mit auf den Weg: »Der Alkohol enthemmt, aber er produziert keine Gedanken.«

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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