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Dauerhafte Unterbringung droht
Geldstrafe für wüste Beleidigungen

Prozess vor dem Amtsgericht Bad Berleburg: Ein Mann erhält für Beleidigungen eine Geldstrafe.
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  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

howe Bad Berleburg. Kein leichter Fall, der da am Freitag im Bad Berleburger Amtsgericht verhandelt wurde. Denn der 40-jährige Mann aus Wittgenstein, der sich wegen Verstoßes gegen das Gewaltschutzgesetz sowie Beleidigung verantworten musste, hat manische Krankheitssymptome. Von einer „bipolaren Störung“ und Symptomen wie Wahn und Halluzinationen war die Rede im Gerichtssaal. Da wog die verbotene Annäherung an seine Ex-Frau gar nicht mal so schwer. Dass der 40-Jährige sie im Supermarkt aufsuchte, obwohl ihm das Gericht zuvor per Beschluss auferlegt hatte, sich ihr nicht näher als 50 Meter kommen zu dürfen, fiel am Freitag nicht ins Gewicht.

Oberamtsanwältin Judith Hippenstiel beantragte die Einstellung der Sache – im Hinblick auf eine zu erwartende Strafe wegen Beleidigung.

howe Bad Berleburg. Kein leichter Fall, der da am Freitag im Bad Berleburger Amtsgericht verhandelt wurde. Denn der 40-jährige Mann aus Wittgenstein, der sich wegen Verstoßes gegen das Gewaltschutzgesetz sowie Beleidigung verantworten musste, hat manische Krankheitssymptome. Von einer „bipolaren Störung“ und Symptomen wie Wahn und Halluzinationen war die Rede im Gerichtssaal. Da wog die verbotene Annäherung an seine Ex-Frau gar nicht mal so schwer. Dass der 40-Jährige sie im Supermarkt aufsuchte, obwohl ihm das Gericht zuvor per Beschluss auferlegt hatte, sich ihr nicht näher als 50 Meter kommen zu dürfen, fiel am Freitag nicht ins Gewicht.

Oberamtsanwältin Judith Hippenstiel beantragte die Einstellung der Sache – im Hinblick auf eine zu erwartende Strafe wegen Beleidigung. Und da ärgerte sich die Vertreterin der Staatsanwaltschaft ganz besonders, dass der Angeklagte – so krank er auch immer sei – ausgerechnet seinen gesetzlichen Betreuer beleidigt habe. „Dass sich ein Betreuer so etwas gefallen lassen muss, ist unterste Kante“, so die Oberamtsanwältin. Als „Wichser“ und „Nazi“ hatte der 40-Jährige seinen Betreuer tituliert.

"Manische Krankheitsphase"

Der, so erinnerte sich auch Richter Torsten Hoffmann an den zurückliegenden Fall im Bad Berleburger Amtsgericht, habe sich immer vehement für seinen Schützling eingesetzt. Dass dem Angeklagten per WhatsApp die Sicherungen durchbrannten und er sogar den Betreuer an dessen Wohnanschrift aufsuchte, entschuldigte der Verteidiger mit einer „manischen Krankheitsphase“, in der sich sein Mandant befunden habe. „Er hat sich danach freiwillig ins Kreisklinikum in Behandlung begeben.“

Dennoch hielt das Gericht die Beleidigungen, die laut Richter Torsten Hoffmann „ja nur die Spitze“ waren, für verwerflich. „Wenn sich jemand um sie kümmert und für sie einsetzt und bekommt dann solche Dinge gesagt,“ vollendete der Richter seinen Satz nicht.

Unterbringung erforderlich

Jedenfalls folgte auf die Beleidigungen gegenüber dem Betreuer – inzwischen hat der 40-Jährige eine neue Betreuerin – eine gerichtliche Begutachtung. Der Angeklagte sei durch ein „bedrohliches „Verhalten“ aufgefallen, er befinde sich in einer manischen Episode. Von „abnormer, gereizter Stimmung“ sprach das Gutachten. Auch die Chat-Protokolle belegten, dass er gereizt und aggressiv sei. „Fremdaggressive Handlungen seien zu erwarten“, hieß es. Die Notwendigkeit einer Behandlung erkenne der Angeklagte nicht, eine geschlossene Unterbringung sei erforderlich.

Als „schwierig“ bezeichnete auch Bewährungshelfer Reinold Vater die Situation. „Wenn man mit ihm diskutiert, gibt es ein Ja, aber auch ein ganz langes Aber.“ Die psychosomatische Behandlung müsse bei dem Angeklagten ganz oben stehen. Aber er suche immer seinen eigenen Weg und lasse sich nicht belehren.

Urteil: Geldstrafe

Das Hauptaugenmerk, konstatierte der erfahrene Bewährungshelfer, müsse der Angeklagte unbedingt „auf seine absolut notwendige Behandlung“ lenken. Dass die neue Betreuerin am Freitag auf Nachfrage eingestehen musste, dass der 40-Jährige aktuell keinerlei Medikamente nehme, versetzte das Gericht in Erstaunen. „Ich nehme keine. Ich fühle mich nicht gut nach Einnahme der Medikamente“, so der Angeklagte. Immerhin: Inzwischen sind Kontakte zu einem Facharzt in Siegen geknüpft, der den 40-Jährigen behandeln möchte.

Judith Hippenstiel richtete deutliche Worte an den Angeklagten: „Wenn wir uns hier wiedersehen, droht ihnen eine dauerhafte Unterbringung. Solange, bis sie wieder auf die Menschheit losgelassen werden können.“ Sie beantragte eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 25 Euro wegen der Beleidigungen. Richter Torsten Hoffmann folgte in seinem Urteil dem Antrag.

Autor:

Holger Weber (Redakteur) aus Wittgenstein

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