Dorfladen in Berghausen feiert Zehnjähriges
Gelebte Inklusion bei "Unser Laden"

Ein starkes Team: Menschen mit und ohne Assistenzbedarf arbeiten seit zehn Jahren im Dorfladen in Berghausen zusammen. Das Geschäft ist in dieser Zeit zu einem echten Treffpunkt für Einheimische und Gäste geworden.
  • Ein starkes Team: Menschen mit und ohne Assistenzbedarf arbeiten seit zehn Jahren im Dorfladen in Berghausen zusammen. Das Geschäft ist in dieser Zeit zu einem echten Treffpunkt für Einheimische und Gäste geworden.
  • Foto: Lars Lenneper
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

ll Berghausen. Es sind nicht nur die eigens für das zehnjährige Bestehen angeschafften feuerroten T-Shirts, die das Team von „Unser Dorfladen“ in Berghausen unverkennbar als Einheit kennzeichnen – es ist vielmehr der Umgang der Mitarbeiter untereinander. „Wir sind wie eine Familie“, berichten Fachbetriebsleiterin Dagmar Dittmar und Ladenleiterin Christa Wied im Rahmen der offiziellen Feierlichkeiten zum zehnjährigen Bestehen. Dass sich das Team dabei zur Hälfte aus Menschen mit Assistenzbedarf (beispielsweise Sucht- oder psychisch Erkrankte) und zur Hälfte aus Menschen ohne einen solchen zusammensetzt, gehört zum Geschäftskonzept. Und es funktioniert: „Der Laden trägt sich. Wir sind zufrieden, wie es läuft“, so Dagmar Dittmar.

Inklusion im Dorfladen

Um 30 Prozent habe sich der Umsatz bereits gesteigert, seit der 2011 von Klaus Heimann gegründete Dorfladen 2014 in die größeren Räumlichkeiten des ehemaligen Schlecker-Gebäudes direkt an der Berghäuserstraße umgezogen ist. „Ein Dorfladen ist schon lange keine Selbstverständlichkeit mehr“, erörtert auch Marc Brüggemann, Geschäftsführung des Sozialwerks St. Georg und der INTZeit-Arbeit gGmbH, die mit dem Projekt Menschen mit Assistenzbedarf in den ersten Arbeitsmarkt bringen möchte. „In Berghausen wird Inklusion gelebt und Nahversorgung großgeschrieben.“
Nahversorgung im wortwörtlichen Sinne, denn der 180 Quadratmeter große Dorfladen ist zum Treffpunkt für den Ort geworden. Hier kommt man sich beim täglichen Einkauf nahe und kann sich an der Ware, die aus dem Vollsortiment von Edeka geliefert wird, bedienen. „Wir haben von allem ein bisschen“, erklärt Christa Wied.

Zusammenhalt im Team

Was sie aber vor allem in Berghausen haben, sind Mitarbeiter mit Leidenschaft, Herzblut und Einfühlungsvermögen. Menschen wie Gerd Hoffmann. Der 44-Jährige arbeitet seit dreieinhalb Jahren im Dorfladen und schwärmt von dem starken Zusammenhalt im Team und dem beeindruckenden Rückhalt im Ort: „Das Gesamtpaket macht einfach Mordsspaß.“
Dass er dabei freudig über das ganze Gesicht strahlt, ist umso bemerkenswerter, wenn man den gebürtigen Erndtebrücker seine eigene Geschichte erzählen lässt. Als Jugendlicher mit 15 Jahren erhielt Gerd Hoffmann die Schockdiagnose: Leukämie. Es folgten fast zweieinhalb Jahre Krankenhausaufenthalt, in denen der Wittgensteiner mehrmals knapp dem Tod entkam. Doch er hatte Glück, überlebte und wurde sogar vollständig gesund. „Da wusste ich: Ich möchte den Menschen etwas zurückgeben, denen es schlechter geht als mir“, so Hoffmann. Deshalb fing er bei einem Taxiunternehmen als Fahrer für Menschen mit Behinderung an und fand dort 13 Jahre lang sein Glück, bevor ihn ein gesundheitlicher Schicksalsschlag erneut aus der Bahn warf.

Lächeln mehr wert als Geld

Doch der 44-Jährige ließ sich nicht unterkriegen und heuerte vor dreieinhalb Jahren im Dorfladen an. Bereut hat er diesen Schritt bis heute nicht. Insbesondere, weil er aufgrund seiner eigenen Geschichte viel Verständnis für seine Kollegen mitbringt, aber auch, weil ihm der enge Kundenkontakt und die daraus resultierende Dankbarkeit einfach Spaß machen. „Ein Lächeln gibt mir mehr als jedes Geld der Welt“, sagt Hoffmann. Und strahlt dabei über das ganze Gesicht.

Autor:

Lars Lenneper

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