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Naturefund ermöglicht Austausch von Jungbullen
Genetische Vielfalt in der Wisent-Wildnis

Die Wisent-Wildnis bei Wingeshausen ist seit Jahren ein Besuchermagnet. Um die genetische Vielfalt sicherzustellen, sollen Jungbullen entnommen und anderen Wisent-Projekten angeboten werden.
  • Die Wisent-Wildnis bei Wingeshausen ist seit Jahren ein Besuchermagnet. Um die genetische Vielfalt sicherzustellen, sollen Jungbullen entnommen und anderen Wisent-Projekten angeboten werden.
  • Foto: SZ (Archiv)
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

sz/vö Wingeshausen. Mit dieser Nachricht stieg der Wisent-Trägerverein im Januar 2020 in die traditionelle Jahres-Pressekonferenz ein: Die Wiesbadener Naturschutzorganisation Naturefund konnte als Partner für das viel beachtete Artenschutzprojekt gewonnen werden – und schloss somit die Lücke, die durch den Rückzug der ETN-Stiftung entstanden war. Zielsetzung sei eine langfristige Zusammenarbeit in dem Projekt, erklärte Vorstandsfrau Katja Wiese seinerzeit die Idee von Naturefund und unterstrich im SZ-Interview, dass man von dem Erfolg des Projektes in jeder Hinsicht überzeugt sei. Vereinbart habe man, so Katja Wiese, über die jährliche Sponsoring-Summe von 50.000 Euro hinaus eine Unterstützung des Projektes in jeglicher Hinsicht. Und was ist draus geworden?

sz/vö Wingeshausen. Mit dieser Nachricht stieg der Wisent-Trägerverein im Januar 2020 in die traditionelle Jahres-Pressekonferenz ein: Die Wiesbadener Naturschutzorganisation Naturefund konnte als Partner für das viel beachtete Artenschutzprojekt gewonnen werden – und schloss somit die Lücke, die durch den Rückzug der ETN-Stiftung entstanden war. Zielsetzung sei eine langfristige Zusammenarbeit in dem Projekt, erklärte Vorstandsfrau Katja Wiese seinerzeit die Idee von Naturefund und unterstrich im SZ-Interview, dass man von dem Erfolg des Projektes in jeder Hinsicht überzeugt sei. Vereinbart habe man, so Katja Wiese, über die jährliche Sponsoring-Summe von 50.000 Euro hinaus eine Unterstützung des Projektes in jeglicher Hinsicht. Und was ist draus geworden?

Austausch von Jungbullen

Wort gehalten: Ganz aktuell ermöglicht die Naturschutzorganisation eine Pilotanlage für den Austausch von Jungbullen. Dies ist Gegenstand einer Naturefund-Pressemitteilung. „Seit fast sieben Jahren leben Wisente wieder frei im Rothaargebirge. Dass es ihnen gut geht, zeigt unter anderem die Geburtenanzahl der einstmals in ganz Europa in freier Wildbahn ausgestorbenen Tiere“, heißt es einleitend. Der Trägerverein des Projektes schätze, dass im Jahr 2019 im Rothaargebierge acht Kälber zur Welt gekommen seien, so dass die Herde jetzt vermutlich 26 Tiere umfasse. Die Idee hinter der Pilotanlage:Damit die verwandten Tiere sich nicht untereinander paarten, gelte es, Jungbullen zu entnehmen und anderen Wisent-Projekten in Europa anzubieten. „Ein Austausch an Tieren ist wichtig, damit die genetische Vielfalt steigt und das Risiko von Krankheiten oder Gendefekten sinkt“, wird Katja Wiese zitiert.

Wisente werden mit Futter gelockt

Um Jungbullen möglichst schonend einzufangen, hätten die Naturschützer aus Wiesbaden gemeinsam mit Wisent-Rangern und freiwilligen Helfern innerhalb einer Woche eine feststehende Anlage im Besucherareal der Wisent-Wildnis bei Wingeshausen aufgebaut, in die die Tiere zum Beispiel mit Futter gelockt würden. Aufgrund der Corona-Pandemie ist die Wisent-Wildnis ebenso wie die Wisent-Hütte mit ihrem gastronomischen Angebot bis Ende November geschlossen.
„Jetzt haben die Wisente erst einmal Zeit, sich an die Anlage zu gewöhnen“, sagte Katja Wiese, „bevor wir beginnen, Tiere zu fangen.“ Die feststehende, kreisrunde Anlage sei für die Umgebung im Gehege angepasst: Sie ist massiv aus Holz gebaut, blickdicht und mit drei Metern hoch genug, damit keine Wisente darüber springen können. Die Vorrichtung soll die Tiere schonend und stressfrei einfangen und birgt im Gegensatz zu der verbreiteten Methode mit Narkose geringere gesundheitliche Komplikationen für die Tiere.

Höhere Chance für erfolgreiche Auswilderung

Auch die medizinische Behandlung der Wisente werde dadurch erleichtert, erklärt die Naturschutzorganisation. Dank der Anlage würden die Wildtiere möglichst wenig an den Menschen gewöhnt, was die Chance für eine erfolgreiche Auswilderung erhöhe. Zugleich bedeute die Anlage deutlich mehr Sicherheit für die Mitarbeiter. Bewähre sich diese Pilotanlage im Schaugehege der Wisent-Wildnis, solle eine zweite im Wald aufgestellt werden, damit auch die freilaufenden Wisente gefangen werden könnten. Naturefund stuft „die freilebenden Wisente im Rothaargebirge als Erfolgsgeschichte im Artenschutz“ ein. Waren die größten Landsäuger Europas vor rund 100 Jahren hier ausgestorben, wachse ihr Bestand heute langsam wieder an – auch durch Projekte wie das der Wisent-Welt Wittgenstein. Freilebende Herden gebe es außerdem noch in verschiedenen osteuropäischen Ländern wie Polen, Weißrussland, Rumänien, Bulgarien und Russland.

Autor:

Martin Völkel (Redakteur) aus Bad Berleburg

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