Erndtebrücker Familienstreit
Gericht stellt Verfahren gegen 44-jährigen Vater ein

Verteidigung und Staatsanwaltschaft einigen sich auf eine Einstellung des Verfahrens.

ako Bad Berleburg. Insgesamt 13 Zeugen hatten an zwei Terminen vor dem Amtsgericht in Bad Berleburg ausgesagt, zusammengenommen dauerte die Verhandlung an beiden Tagen über sechs Stunden – und endete schließlich ohne Urteil. Denn Richter Torsten Hoffmann verkündete am Freitag, dass sich Verteidigung und Staatsanwaltschaft im Fortsetzungsprozess gegen einen 44-jährigen Mann aus Erndtebrück, der wegen Körperverletzung und falscher Verdächtigung angeklagt wurde, auf eine Einstellung des Verfahrens geeinigt hatten. Der Tatvorwurf, dass der gebürtige Hesse am 30. Januar gegen Mitternacht vor dem Tor seiner Erndtebrücker Halle seinem 18-jährigen Sohn ins Gesicht geschlagen haben soll, bestätigte sich somit nicht.

Polizisten widerlegen Aussage des Angeklagten

Dabei sprach am Freitag vieles gegen die Aussagen des Beschuldigten. Dieser hatte am ersten Verhandlungstag seinem Sohn eine Trunkenheitsfahrt vorgeworfen. Bevor es zu der körperlichen Auseinandersetzung vor der Halle gekommen sei, soll der 18-Jährige zuvor in alkoholisiertem Zustand mit seinem Auto und lautstarken Motorgeräuschen an dem Gebäude vorbeigefahren sein, behauptete der Beschuldigte.
Während drei Polizeibeamtinnen bereits bei der ersten Sitzung vor Gericht die Behauptungen des 44-Jährigen entkräften konnten, widerlegten auch zwei weitere Beamte in der Verhandlung am Freitagmittag die Version des Angeklagten. So sagte ein Polizist aus, dass der Pkw des 18-Jährigen beim Eintreffen der Einsatzkräfte auf einem P+R-Parkplatz gestanden hat: „Der Motorblock und die Reifen waren kalt. Wäre der Wagen vorher bewegt worden, wäre der Motor warm gewesen.“ Obwohl es an dem Abend durchgängig geregnet haben soll, sei die Fläche unter dem Fahrzeug zudem „komplett trocken“ gewesen. Dass der Sohn des Beschuldigten kurz zuvor mit dem Auto gefahren ist, sah der 32-jährige Zeuge folglich als „sehr unwahrscheinlich“ an. Sein 28-jähriger Kollege von der Bad Berleburger Wache bestätigte vor Gericht in Bezug auf die trockene Fläche unter dem Pkw, dass es an dem Abend regnerisch und kühl gewesen sei.

Kein Regen erkennbar

Für Verteidiger Thomas Biek waren die Aussagen der Polizeibeamten über das Wetter an dem Abend „sehr verwirrend“. In der Vorbereitung auf den zweiten Prozesstag hatte er sich deshalb die Mühe gemacht, die Daten einer Wetterstation in Erndtebrück herauszusuchen – um diese im Gerichtssaal zu präsentieren. „Dieser Regen ist mir unerklärlich“, sagte der Anwalt. Denn die Wetter-Aufzeichnungen, die sich Richter Torsten Hoffmann in Ruhe anschaute, würden zeigen, dass die Niederschlagsmenge am Abend und in der Nacht weitestgehend bei „0,0“ lag, so der Anwalt. Mit einem selbst gedrehten Video machte er das Gericht zudem darauf aufmerksam, dass die Fahrt vom Parkplatz bis zur Halle und zurück unter einer Minute zu schaffen sei. Ob ein Motor „in der kurzen Zeit“ bei Temperaturen von 3 bis 4 Grad „überhaupt warm wird“, stellte Thomas Biek infrage. Oberamtsanwältin Judith Hippenstiel hatte hingegen keine Zweifel an den Aussagen der „erfahrenen“ Polizeibeamten. Dennoch zogen sich Richter Torsten Hoffmann, der Verteidiger und die Vertreterin der Staatsanwaltschaft zu einer längerer Beratung hinter verschlossenen Türen zurück. Etwa 30 Minuten später verkündete der Vorsitzende Richter des Amtsgerichts, dass sich beide Seiten auf die Einstellung des Verfahrens geeinigt haben.

Autor:

Alexander Kollek

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