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Zwar weit vom Schuss - aber nie einsam
Gertrud Eckelsbach feiert in Kühhude ihren 100. Geburtstag

Gertrud Eckelsbach feiert ihren 100. Geburtstag morgen mit ihrer Tochter Karin Steinhoff.

vö Kühhude. Wenn Sätze wie diese von einem Menschen mit knapp einem Jahrhundert Lebenserfahrung kommen, dann erhalten sie noch mal ein ganz anderes Gewicht: „Wir haben hier oben einen tollen Zusammenhalt, das gibt es heute nicht mehr überall. Wenn man so lebt wie wir, ist es wichtig, dass man sich gegenseitig hilft. Ich kenne das nicht anders.“Wenn Gertrud Eckelsbach erzählt, kann man stundenlang zuhören. Sie genießt es, wenn Besuch da ist. Zusammen mit ihrer Tochter Karin Steinhoff lebt sie – wie man in Wittgenstein sagt – auf der Kühhude. Und am 10. Januar feiert die rüstige Seniorin in dieser außergewöhnlichen Umgebung ihren 100. Geburtstag.

Kühhude. Wenn Sätze wie diese von einem Menschen mit knapp einem Jahrhundert Lebenserfahrung kommen, dann erhalten sie noch mal ein ganz anderes Gewicht: „Wir haben hier oben einen tollen Zusammenhalt, das gibt es heute nicht mehr überall. Wenn man so lebt wie wir, ist es wichtig, dass man sich gegenseitig hilft. Ich kenne das nicht anders.“Wenn Gertrud Eckelsbach erzählt, kann man stundenlang zuhören. Sie genießt es, wenn Besuch da ist. Zusammen mit ihrer Tochter Karin Steinhoff lebt sie – wie man in Wittgenstein sagt – auf der Kühhude. Und am 10. Januar feiert die rüstige Seniorin in dieser außergewöhnlichen Umgebung ihren 100. Geburtstag. Dass es beim Besuch der Pressevertreter neben ausreichend Abstand Kaffee und selbstgebackenen Bratapfelkuchen gibt, das sei doch selbstverständlich. Sie freue sich immer über Gäste – und dann gebe es natürlich auch etwas zu essen. Schon Pfarrer Schäfer, der vor Jahrzehnten zu Fuß auf die Kühhude gekommen sei, habe sich auf den Streuselkuchen gefreut.

Feier wird nachgeholt

Gertrud Eckelsbach macht kein Geheimnis daraus, was ihr sehnlicher Wunsch für den 100. Geburtstag gewesen ist: eine große Feier mit ihrer großen Familie. Das sind ihre Kinder Jutta, Udo, Karin, Georg-Ludwig, Wilhelm und Uschi, außerdem neun Enkelkinder sowie mehrere Urenkel und Ururenkel. Corona will es leider anders, die beiden Frauen in dem Haus aus dem 18. Jahrhundert respektieren die geltenden Regeln: „Natürlich achten wir auf die Vorgaben. Wir haben die große Hoffnung, dass wir die Feier im Sommer nachholen können.“ Dennoch gebe es keinen Grund dafür, enttäuscht zu sein. Und wer sich heute über die persönlichen Einschränkungen in der Corona-Zeit beschwere, der habe, so Gertrud Eckelsbach, die Zeit nach den Kriegen definitiv nicht kennengelernt. Da seien die Entbehrungen ganz andere gewesen. Sie könne sich an Zeiten erinnern, da sei ihr Vater – ein selbstständiger Handwerksmeister – mit einem Brot entlohnt worden. Weil das Geld wegen der Inflation nichts mehr wert war.

Mit dem Ochsengespann durch das Grubental

1952 kam die gebürtige Berleburgerin Gertrud Eckelsbach aus Gleidorf im Schmallenberger Sauerland auf die Kühhude, um sich mit ihrem Mann eine Existenz aufzubauen. Und daran erinnert sie sich wie am ersten Tag: Die Aussteuer sei mit dem Ochsengespann durch das Grubental gefahren worden. Die Voraussetzungen des jungen Paares kann man sich unter heutigen Maßstäben nur schwer vorstellen: kein Strom, Wasser aus dem Brunnen, die Straße kam erst im Jahr 1960. Das Haus aus dem 18. Jahrhundert war in Teilen böse in die Jahre gekommen. Und wie kamen die Kinder zur Schule? „Ein Taxi fuhr bis zum Kühhuder Berg und holte sie dort ab.“ Wer derart weitab vom Schuss lebt, muss flexibel sein. Und er muss anpacken. Die Eckelsbachs produzierten mit ihrer Landwirtschaft Lebensmittel für den eigenen Bedarf: „Brot haben wir selbst gebacken, Kartoffeln waren Grundnahrungsmittel.“ Schweine standen ebenso im Stall wie ein paar Hühner. „Das war in Ordnung, heute haben die Leute Allergien, das gab es früher nicht.“ Ehemann Georg arbeitete als Waldarbeiter „beim Ferscht“.
Ist das Leben auf der Kühhude nicht sehr einsam? „Auf jeden Fall ist es anders, aber richtig einsam ist man hier nie – weil man immer auch Kontakt hat.“ Gertrud Eckelsbach – gelernte Verwaltungsangestellte mit einem Ausbildungsentgelt „von fünf Mark im Monat“ – erinnert beispielsweise an die Zeit des Schullandheims in unmittelbarer Nachbarschaft. Diese Zeit sei leider zu schnell vorüber gewesen.

Zeitrechnung ist eine andere

Und dann gerät die 99-Jährige beim SZ-Besuch ins Schwärmen: „Für mich ist die Kühhude die schönste Ecke in ganz Wittgenstein. Für mich war und ist die Kühhude alles.“Zumal die Zeit für die rüstige Seniorin keineswegs stehen geblieben ist: Vor wenigen Jahren rüsteten die beiden Frauen in Sachen Brunnen nach. Karin Steinhoff: „Wasserknappheit war hier immer ein Thema, im Sommer reichte es oft nicht.“ Und begeistert sei sie davon, so Gertrud Eckelsbach, wie sich die Landwirtschaft weiterentwickelt habe: „Heute ist die Kühhude in drei Tagen gemäht, früher haben wir dafür drei Wochen gebraucht.“ Auf 700 Meter Höhe ist die Zeitrechnung aber dennoch eine andere.

Autor:

Martin Völkel (Redakteur) aus Bad Berleburg

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