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Wisent-Projekt erleidet Verlust
Gezielter Schuss erlöst Egnar

Die Aufnahme stammt vom 24. März 2010, als Wisentbulle Egnar erstmals Wittgensteiner Boden betrat. Das Tier steht bisher wie kein anderes für das in Westeuropa einmalige Artenschutzprojekt.  Archivfoto: Martin Völkel
  • Die Aufnahme stammt vom 24. März 2010, als Wisentbulle Egnar erstmals Wittgensteiner Boden betrat. Das Tier steht bisher wie kein anderes für das in Westeuropa einmalige Artenschutzprojekt. Archivfoto: Martin Völkel
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vö Bad Berleburg. Diese Nachricht dürfte nicht nur die Anhänger des Wisent-Projektes im Rothaargebirge traurig stimmen: Leitbulle Egnar, der für das Artenschutzprojekt steht wie kein anderes Tier, ist tot. Der stattliche Bulle wurde durch einen gezielten Schuss getötet und von seinen Leiden erlöst. Entsprechende Informationen der Siegener Zeitung bestätigte Dr. Michael Emmrich, Pressesprecher des Wisent-Projektes, auf Anfrage: „Es gab keine Alternative, als das Tier von seiner schweren Krankheit zu erlösen.“ Der Schuss sei am vergangenen Montag in der Nähe des Forsthauses Homrighausen bei Bad Berleburg abgegeben worden.

„Der Verlust von Egnar wiegt schwer und stimmt uns traurig“, sagte Bernd Fuhrmann, Vorsitzender des Wisent-Trägervereins, in einer ersten Reaktion.

Bad Berleburg. Diese Nachricht dürfte nicht nur die Anhänger des Wisent-Projektes im Rothaargebirge traurig stimmen: Leitbulle Egnar, der für das Artenschutzprojekt steht wie kein anderes Tier, ist tot. Der stattliche Bulle wurde durch einen gezielten Schuss getötet und von seinen Leiden erlöst. Entsprechende Informationen der Siegener Zeitung bestätigte Dr. Michael Emmrich, Pressesprecher des Wisent-Projektes, auf Anfrage: „Es gab keine Alternative, als das Tier von seiner schweren Krankheit zu erlösen.“ Der Schuss sei am vergangenen Montag in der Nähe des Forsthauses Homrighausen bei Bad Berleburg abgegeben worden.

„Der Verlust von Egnar wiegt schwer und stimmt uns traurig“, sagte Bernd Fuhrmann, Vorsitzender des Wisent-Trägervereins, in einer ersten Reaktion. Der Bulle sei der Stammvater der frei lebenden Wisentherde im Rothaargebirge und damit des in Westeuropa einzigartigen Artenschutzprojektes.

Michael Emmrich erläuterte, dass sich erste Krankheitssymptome bei Egnar bereits im Sommer gezeigt hätten – offenkundig sei zu diesem Zeitpunkt das linke Augenlicht beeinträchtigt gewesen. Die beiden Wisent-Ranger Henrik Trapp und Henrik Brinkschulte hätten den Leitbullen danach genau und engmaschig beobachtet, „natürlich immer nur so gut, wie das bei Tieren möglich ist, die in Freiheit leben“. Egnars Zustand habe sich zum Herbst hin weiter verschlechtert, der Leitbulle sei von seinem ältesten Sohn zunehmend in Rangkämpfe verwickelt worden. Und: „Der Sohn übertraf ihn mit seiner Stärke und hat Egnar immer wieder von der Witterfütterung vertrieben.“

Es sei noch schlimmer gekommen, so der Pressesprecher. Dem Ranger-Duo sei aufgefallen, dass Egnar zuletzt komplett erblindet und ein Auge angeschwollen gewesen sei: „Er hat sich wohl nur noch mit seinem Gehör orientieren können und war zeitweise allein unterwegs.“ Weil sich sein Allgemeinzustand kontinuierlich verschlechtert habe, habe der Wisent-Trägerverein den Veterinär des Kreises Siegen-Wittgenstein eingeschaltet, um das weitere Vorgehen vor dem Hintergrund der artenschutzrechtlichen Bestimmungen zu besprechen. Eine waffenrechtliche Erlaubnis für die Tötung des Tieres sei nicht erforderlich gewesen, weil eine mögliche Gefahr für die Öffentlichkeit bestanden habe.

Michael Emmrich machte im SZ-Gespräch allerdings deutlich, dass Egnar als Präparat dauerhaft für die Wisent-Ausstellung im Bad Berleburger Bürgerhaus erhalten werden solle. Der Verein stehe bereits in Kontakt mit einem Tierpräparator: „Wir möchten dem Begründer der Wisentherde am Rothaarsteig schon ein Denkmal setzen.“

Der Bulle hatte am 24. März 2010 erstmals Wittgensteiner Boden betreten, als die Wisente zunächst im Eingewöhnungsareal im Homrighäuser Tal ausgewildert wurden. Egnar zeigte seinen eigenwilligen Charakter auf Anhieb, als er im Beisein des damaligen NRW-Ministerpräsidenten Dr. Jürgen Rüttgers ausbüchste und eigene Wege ging – allerdings wieder eingefangen werden konnte. Egnar sollte die derzeit rund 25 Tiere starke Herde ohnehin verlassen, um die genetische Vielfalt weiterhin zu sichern. Diese Pläne hatte der Trägerverein bereits öffentlich gemacht (die Siegener Zeitung berichtete). Dazu habe Kaja Heising, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Wisent-Projektes, bereits viel versprechende Gespräche mit möglichen Interessenten anderer Projekte geführt, erläuterte Michael Emmrich. Dazu sei es nun leider nicht mehr gekommen.

In welcher Hierarchie die Herde – ohne Egnar – künftig geführt wird, ist die Aufgabe der Natur – das werden die Tiere unter sich ausmachen.

Autor:

Martin Völkel (Redakteur) aus Bad Berleburg

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