Global Players gerieten in die Kritik

Frauen produzieren unter schlechtesten Bedingungen – Gläubige hörten einen Vortrag

Raumland. Unter dem Begriff Globalisierung bezeichnet man im Allgemeinen die Entstehung weltweiter Märkte. Märkte, die sich durch die zunehmende Internationalisierung des Handels, des Kapitals, der Produkt- und Dienstleistung sowie der internationalen Verflechtung der Volkswirtschaften auszeichnen. Produkte und Dienstleistungen, Medien und Wissenschaften der nationalen Standorte ermöglichen es den großen Unternehmen, die für sie günstigsten Produktions- beziehungsweise Lieferungsstandorte auszuwählen und ihre Aktivitäten weltweit zu koordinieren. In immer stärkerem Maße werden dadurch Angebot und Nachfrage aus der ganzen Welt zusammengefasst und die Preisbildung vereinheitlicht.

Lebensumstände sind erbärmlich

Hauptakteure der Globalisierung sind multinationale Unternehmen, so genannte Global Players, die mit ihren Investitions-, Produktions- und Produktstrategien zunehmend Charakter und Formen des internationalen Handels und der Investitionen bestimmen. Und genau hier sieht Schwester Edelgard Abram von der Vereinigten evangelischen Mission in Wuppertal den Schuldigen für die zum Teil erbärmlichen Lebensumstände der Menschen, insbesondere der Frauen in den Drittweltländern.

Zuhörerinnen waren erschüttert

Sowohl Anneliese Imhof als Vorsitzende des Bezirksverbandes der evangelischen Frauenhilfe in Wittgenstein als auch die Zuhörerinnen im Raumländer Gemeindehaus waren erschüttert über den Dia-Vortrag der Referentin, die selbst einige Jahre ihres Lebens in Afrika sowie in Indien verbrachte und aufgrund dessen Bilder, die sie vor Ort gemacht hatte, zeigen konnte. Besonders den älteren Zuhörerinnen war die Erschütterung deutlich anzumerken. Doch auch die jüngeren Gäste hatten offenbar zuvor nicht gewusst, welche Ausmaße die Produktion verschiedenster Artikel der Global Players in diesen Billigländern hat.

Firmen setzen Hoffnungen auf Olympia

In ihrem Vortrag nahm Abram unter anderem auch Stellung zu den Olympischen Spielen und beleuchtete dabei die Kehrseite der Medaille. Einem Bericht der Organisatoren des Projekts „Saubere Kleidung” zufolge dienten die Ideale Fairness, Gleichheit der Menschen und Universalität der Spiele nur mehr als Feigenblatt für ein Mega-Geschäft. Denn neben der Kasse des Internationalen Olympischen Komitees sollten logischerweise auch jene der Global Players klingeln. Demnach flimmerten Nike, adidas und Co. den ganzen Tag als Sponsoren und Ausrüster über die Bildschirme der globalen Medienwelt und hofften auch bei diesem Sport-Großereignis auf ein kräftiges Umsatzplus.

Arbeiterinnen schuften für zwei

Weiter heißt es im Bericht, „dass auch sie durch ihre Produkte allgegenwärtig sind, auch wenn man sie nicht sieht oder nichts von ihnen hört”. Mit „sie” sind die Arbeiterinnen in den Weltmarktfabriken der Billiglohnländer gemeint, die all die High-Tech-Turnschuhe, leuchtenden Trainingsanzüge sowie T-Shirts geschnitten, genäht, gebügelt und verpackt haben. Die Beschäftigten der Weltmarktfabriken, zumeist junge Frauen, schufteten auch nach Aussagen Abrams für zwei, würden gedemütigt und misshandelt und erhielten dafür einen Lohn, der unter dem Betrag liege, der als existenzsichernd bezeichnet werden könne.

Geld wird oft von den Männern verspielt

Die Existenz der Frauen würde in diesen Ländern ohnehin in Frage gestellt: So berichtete Abram über weitere erschütternde Tatsachen. Die Frauen müssten teilweise neben ihrem Beruf, der fast 13 Stunden des Tages beanspruche – bei einem Gesamtverdienst von umgerechnet 1 DM – auch noch der Instandhaltung der eigenen vier Wände nachgehen. Das von ihnen erwirtschaftete Geld gäben die Männer aus, meist bei Glücksspielen.

Kinder zur Prostitution gezwungen

In großen Teilen Afrikas seien bis zu 50 Prozent der sich im gebärfähigen Alter befindenden Frauen mit Aids infiziert. Mädchen würden oftmals beschnitten und im Interesse der Großfamilie verheiratet. In diesen Ehen erlitten sie dann häufig Gewalt. Die traditionelle Alternative dieses Werdeganges sei die Prostitution, zu der schon Kinder gezwungen würden. Wie Abram berichtete, könnten heutzutage schon Reisen mitsamt den Liebesspielen mit Kindern von Europa aus gebucht werden. Schon allein aus diesen Gründen war das Denken der Global Players auch aus Sicht von Daniela Stiftel-Völker, der begleitenden Theologin des Bezirksverbandes, nicht nachvollziehbar. In einem weiteren Punkt herrschte ebenso Einverständnis: Es sei ein Unding, das Sportler für das Tragen bestimmter Kleidungsstücke im Jahr 10 Mill. DM erhielten, da dieser Betrag dem Verdienst von 14000 indonesischen Näherinnen gleich käme.

Gewalt gegen Frauen auch in Europa

Wie Anneliese Imhof hernach im Gespräch mit der Siegener Zeitung berichtete, sei „beim anschließenden Gespräch nicht mehr viel herausgekommen, da die Zuhörerinnen alle geschockt waren”. Über einige Lösungsvarianten sei dennoch diskutiert worden. Auch in europäischen Ländern sei das Thema „Gewalt gegen Frauen” immer noch ein aktuelles. So seien die Frauenhäuser in Deutschland ausnahmslos überbelegt. Schwester Edelgard Abram riet abschließend, Hilfe immer in eben diesen Häusern oder aber bei Verwandten und Freunden zu suchen. Nur dann könne in Zukunft diesem leidigen Thema vielleicht ein Ende bereitet werden. Wette

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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