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St. Marien-Kirche öffnet ihre Pforten
Gotteshaus in modernem Gewand

Altehrwürdig und dennoch modern: Den visuellen Mittelpunkt des Gotteshauses bildet der 1967 neugestaltete Chorraum mit dem würdevoll dezent wirkenden Altar und dem imposanten, mosaikartig gestalteten Tabernakel.
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  • Altehrwürdig und dennoch modern: Den visuellen Mittelpunkt des Gotteshauses bildet der 1967 neugestaltete Chorraum mit dem würdevoll dezent wirkenden Altar und dem imposanten, mosaikartig gestalteten Tabernakel.
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ll Bad Berleburg. Dunkle, massive Wände, ein kleines spärliches Gitterfenster, karge Holzbänke und ein unweigerliches Gefühl von Beklommenheit – so stellt man sich gemeinhin einen Beichtstuhl vor. Nicht so in der katholischen Kirche St. Marien in Bad Berleburg.

Hier kommt der Raum zur Buße, der unauffällig hinter einer Holztür als Verlängerung der Marienkapelle im rechten Seitenschiff der Kirche eingelassen ist, großzügig und modern daher, ja mit seinen hellen Farben regelrecht freundlich und einladend. Der Gläubige hat dort die Möglichkeit, auf einer Holzbank kniend die Ohrenbeichte abzulegen, das heißt, nicht im Angesicht des Pfarrers seine Sünden bekennen zu müssen. „Manche Menschen wünschen das so, weil ihnen die Anonymität Sicherheit gibt“, erklärt Stephan Berkenkopf.

ll Bad Berleburg. Dunkle, massive Wände, ein kleines spärliches Gitterfenster, karge Holzbänke und ein unweigerliches Gefühl von Beklommenheit – so stellt man sich gemeinhin einen Beichtstuhl vor. Nicht so in der katholischen Kirche St. Marien in Bad Berleburg.

Hier kommt der Raum zur Buße, der unauffällig hinter einer Holztür als Verlängerung der Marienkapelle im rechten Seitenschiff der Kirche eingelassen ist, großzügig und modern daher, ja mit seinen hellen Farben regelrecht freundlich und einladend. Der Gläubige hat dort die Möglichkeit, auf einer Holzbank kniend die Ohrenbeichte abzulegen, das heißt, nicht im Angesicht des Pfarrers seine Sünden bekennen zu müssen. „Manche Menschen wünschen das so, weil ihnen die Anonymität Sicherheit gibt“, erklärt Stephan Berkenkopf. Der 47-Jährige, der seit 1. Februar als Pfarrer im Pastoralverbund Wittgenstein tätig ist, bietet zudem das Beichtgespräch an, welches in einem kleinen Hinterzimmer des Beichtstuhls stattfindet. Auch hier vermitteln zwei einfache Holzstühle, ein Tisch und die hellen Wände eine angenehme Gesprächsatmosphäre – von gezwungenem Büßerambiente fehlt jede Spur.

St. Marien-Kirche öffnet ihre Pforten: Blick hinter die hohen Mauern

Es sollte nicht die einzige Überraschung bleiben, die der Blick hinter die hohen Kirchenmauern an diesem Tag offenbart. Vom vielfach angedichteten altmodischen und regelrecht verstaubten Image ist in der katholische Kirche St. Marien im Herzen von Bad Berleburg jedenfalls wenig zu spüren. „Ich mag diese Kirche. Trotz ihres recht jungen Alters, strahlt sie eine gewisse Altehrwürdigkeit aus“, berichtet Pfarrer Berkenkopf über das Gebäude, welches am 23. Mai 1954 offiziell geweiht wurde.

Pfarrer Stephan Berkenkopf lädt zum Beichtgespräch. Der Beichtstuhl ist hell und freundlich gestaltet.
  • Pfarrer Stephan Berkenkopf lädt zum Beichtgespräch. Der Beichtstuhl ist hell und freundlich gestaltet.
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Der gebürtige Hallenberger sitzt am Schreibtisch des großzügig geschnittenen Arbeitszimmers im direkt an das Kirchengebäude angrenzenden Pfarrhaus und summt leise vor sich hin. Aus dem kleinen Laptop vor ihm dröhnt dumpfe Orgelmusik. Wie andere sich ihre Lieblingsmusik über digitale Portale wie Spotify oder eigene mp3-Listen zusammenstellen, so bastelt der Seelsorger an einer Liste mit Orgelstücken für den Gottesdienst.

St. Marien-Kirche öffnet ihre Pforten: Moderne Technik sorgt für Musik

„In Ermangelung an Organisten greifen wir des Öfteren auf den sogenannten Orgamat zurück“, erklärt Pfarrer Berkenkopf. Dieser ist eine Art Orgelspielautomat, der auf die originale Kirchenorgel aufgesetzt wird. Elektrische Impulse sorgen dafür, dass die kleinen Filzstößel darin in Bewegung geraten und so auf die Tasten der Orgel drücken und die originalen Töne erzeugen.

Der Orgamat ist der Erzfeind jedes Organisten.
Stephan Berkenkopf
Pfarrer im PV Wittgenstein

„Der Orgamat ist der Erzfeind jedes Organisten“, weiß der Pfarrer. Da mit Hubert Kirscht, der seit sage und schreibe 1966 der „Herr der Tasten“ in Bad Berleburg ist, nur noch ein Kirchenmusiker regelmäßig samstags in der Odebornstadt aufspielt, muss an anderen Tagen die moderne Technik helfen. Die Musikauswahl trifft der Pfarrer zuvor am Computer und überträgt sie dann auf ein Speichergerät, etwa einen USB-Stick.

t Am 23. Mai 1954 offiziell geweiht steht die katholische Kirche St. Marien seitdem im Herzen von Bad Berleburg und ist aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken.
  • t Am 23. Mai 1954 offiziell geweiht steht die katholische Kirche St. Marien seitdem im Herzen von Bad Berleburg und ist aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken.
  • Foto: Lars Lenneper
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Wie die technische Umsetzung in einer Messe funktioniert, demonstriert Stephan Berkenkopf in der Sakristei. Dort ist eine kleine Vorrichtung – optisch vergleichbar mit einem Internetmodem – installiert, wo der USB-Stick hineingesteckt wird. Mittels einer kleinen Fernbedienung kann der Pfarrer dann während des Gottesdienstes die Lieder starten und das imposante Orgelwerk mit seinen 22 klingenden Registern zum Tönen bringen.

St. Marien-Kirche öffnet ihre Pforten: Vier stählerne Glocken

Ebenfalls aus der Sakristei wird auch das Glockengeläut gesteuert. Morgens um 7, Mittags um 12 und abends um 19 Uhr erklingen die vier stählernen Glocken, die auch per Hand bedient werden können, automatisch. Ein Blick hoch oben in die zwei Glockentürme zeigt: Im vorderen hängen die beiden massiven Klangkörper neben-, im hinteren übereinander. Die größte Glocke ist dem Erzengel Michael gewidmet und dient zugleich als Totenglocke. Erstmals ertönte das Geläut 1961.

Morgens um 7, mittags um 12 und abends um 19 Uhr erklingen die vier stählernen Glocken, die erstmals 1961 über den Dächern der Odebornstadt ertönten.
  • Morgens um 7, mittags um 12 und abends um 19 Uhr erklingen die vier stählernen Glocken, die erstmals 1961 über den Dächern der Odebornstadt ertönten.
  • Foto: Lars Lenneper
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Seitdem lädt der Klang der Glocken natürlich auch zu jedem Gottesdienst ein. Sieben gibt es in den drei Gemeinden Bad Berleburg, Bad Laasphe und Erndtebrück wöchentlich. Für Pfarrer Stephan Berkenkopf trotz fast täglicher Routine immer noch etwas besonderes. Er versuche, sich stets zehn bis 15 Minuten Zeit vor jeder Messe zu nehmen, um sich alleine in die Kirchenbank zu setzen, sich zu sammeln und die Stille zu genießen. „Ich schaue Gott an und Gott schaut mich an“, erklärt der Geistliche in Anlehnung an den Ausspruch des heiligen Pfarrers von Ars.

St. Marien-Kirche öffnet ihre Pforten: Ein Blick auf den Dachstuhl

Eine Möglichkeit zur inneren Einkehr gibt es auch in der Kirche selbst, beziehungsweise in der kleinen Marienkapelle seitlich rechts des Eingangstores. Dort befindet sich eine farblich ausdrucksstarke und seltene Replik der Imad-Madonna aus dem 11. Jahrhundert. Gläubige nutzen hier häufig die Möglichkeit zum stillen Gebet oder zünden in Gedenken an ihre Verstorbenen eine Kerze an. Den visuellen Mittelpunkt des Gotteshauses bildet wiederum der 1967 erneuerte Chorraum, also der vordere Teil der Kirche mit dem würdevoll dezent wirkenden Altar und dem imposanten, mosaikartig gestalteten Tabernakel. Fortan hatte der Priester die Möglichkeit, die Messe mit Blickrichtung zur Gemeinde abzuhalten.

Es knarzt und knirscht, wenn man den schwer zugänglichen Dachstuhl des Kirchenschiffes inmitten von Holzbalken und Dämmwolle betritt.
  • Es knarzt und knirscht, wenn man den schwer zugänglichen Dachstuhl des Kirchenschiffes inmitten von Holzbalken und Dämmwolle betritt.
  • Foto: Lars Lenneper
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Ein letzter Weg führt an diesem Tag noch einmal hoch hinaus. Nach dem Glockenturm wird auch der Dachstuhl des Kirchenschiffes bestiegen. Es ist stockfinster, in der Luft liegt der Geruch von altem, verwittertem Holz. Pfarrer Stephan Berkenkopf sorgt für Erleuchtung, in dem er die spärliche Beleuchtung einschaltet. Und da, auf einem Querbalken zwischen Dämmwolle und hölzernem Steg, findet er sich dann doch noch: Der Staub, der den Kirchen oft angedichtet wird. Anders als zuvor gedacht, muss man in Bad Berleburg danach aber regelrecht mit der Lupe suchen.

Autor:

Lars Lenneper

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