Positionspapier für Wittgenstein
Grüne fordern Reaktion auf die Klimaveränderung

Die extrem trockenen Sommer der beiden Vorjahre sowie die beispiellose April-Dürre in diesem Frühjahr haben erhebliche Spuren im Wittgensteiner Wald hinterlassen. Die Grünen aus Bad Berleburg und Bad Laasphe fordern Konsequenzen. Foto: Björn Weyand
  • Die extrem trockenen Sommer der beiden Vorjahre sowie die beispiellose April-Dürre in diesem Frühjahr haben erhebliche Spuren im Wittgensteiner Wald hinterlassen. Die Grünen aus Bad Berleburg und Bad Laasphe fordern Konsequenzen. Foto: Björn Weyand
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sz Bad Berleburg/Bad Laasphe. Die extrem trockenen Sommer der Vorjahre sowie die beispiellose April-Dürre in diesem Frühjahr erzeugten saisonale Niedrigstände in Flüssen und Quellen, verringerten das Pflanzenwachstum auf Wiesen und Feldern und zogen die weitere rasante Ausbreitung der Borkenkäfer in den Nadelholzbeständen nach sich. Die beiden Ortsverbände von Bündnis 90/Die Grünen in Bad Berleburg und Bad Laasphe fordern aus diesen Gründen ein Umdenken: „Die Waldbrände im April waren Zeichen einer größeren Veränderung, auf die wir in Wittgenstein reagieren müssen. Die Leidtragenden in Land- und Forstwirtschaft und im Naturschutz verdienen ein faktenbasiertes, vernetztes und entschlossenes Vorgehen.“ Ziel müsse dabei sein, die Wasserspeicherfähigkeit der Böden drastisch zu verbessern.

Die bisherige Waldpolitik habe schnellwachsende Nadelhölzer und industrielle Bewirtschaftung gefördert, heißt es in einer Pressemitteilung der beiden Ortsverbände. Die dominante Fichtenmonokultur sei nicht nur extrem artenarm und anfällig für Schädlinge, sondern sie erzeuge auch einen versauerten und verdichteten Waldboden mit einer Nadeldecke, die Wasser schwerer aufnimmt als eine jährlich aufgestockte Laubschicht, erläutert Dr. Felix Riedel für die beiden Ortsverbände. „Fichten verdunsten auch im Winter und Frühjahr Wasser über die Nadeln, sind aber als Flachwurzler anfällig für Trockenheit. Daher müssen wir auch aus Gründen des Wassermanagements Wälder umstellen auf Laubwälder mit Buche und Eiche als Dominanzarten, Elsbeere und andere hochwertige heimische Arten für die Durchmischung sowie höchstens 35 Prozent truppartig eingestreuten Nadelhölzern für harzhaltige Baustoffe.“

Entlang der Gewässer seien Bruchwälder und Auwälder als Wasserspeicher unverzichtbar und müssten auch auf die anstehende Wiederansiedelung des Bibers als wasserspeichernde und landschaftsgestaltende Art vorbereitet werden, um Konflikte mit Biberdämmen vorab zu minimieren. Breite Waldsäume könnten Wälder vor einer Austrocknung durch trockene Winde schützen und wertvolle Saumbiotope für Nützlinge bieten. Die Grünen äußern noch weitere Forderungen:

• Um die Waldböden vor der Verdichtung durch Forwarder und Harvester zu schützen, sei die Förderung der in Laubwäldern produktiven Pferderückerei erforderlich.

• Waldwege müssten ökologisch gestaltet, abschnittsweise und schonend gepflegt werden. Dazu gehöre auch der Erhalt sogenannter Saumstrukturen, die Belassung von Kleinstgewässern, Quellbächen und wassergefüllten Fahrzeugspuren.

• Totholz speichert Wasser. Es gelte deshalb, den liegenden und stehenden Totholzanteil in den Nutzwäldern deutlich zu erhöhen. Durch den Wassergehalt im morschen Holz stellen Altbäume und liegendes Totholz kaum Brandlast dar, seien aber für die Gesundheit des Waldes unverzichtbar als Brutstätten für Insekten, Spechte und Fledermäuse. Ein verbindlicher und transferierbarer Wildnisanteil von mindestens zehn Prozent würde in Not geratenen Besitzern kleiner Wälder eine neue Perspektive als Urwald-Manager geben.

• Der für den Waldumbau erforderliche Mehraufwand bedarf den Grünen zufolge eines personellen und qualitativen Ausbaus der Waldarbeit und stärkerer Arbeitsrechte. Das fördere eine höhere Wertschätzung des Rohstoffes Holz als erstklassiger Baustoff und Energieträger.

• Die Dürren werden von Starkregenereignissen ergänzt. Daher seien besonders in den Quellregionen und Wiesentälern mehr Feuchtgebiete als Speicher erforderlich. Feuchtwiesen, Moore und Sümpfe wurden historisch als lästige Landschaftselemente zerstört und entwässert, der Grundwasserspiegel dadurch drastisch gesenkt. Wiedervernässung sei Klimaschutz, Artenschutz und Schutz von Wald und Weideviehhaltung, so die Grünen.

• Es sei notwendig, den Quellen besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Quellen seien einzigartige Biotope. Die Grünen fordern ein kreisweites Programm zur umgehenden Renaturierung von Quellbereichen. Unumgänglich seien viele Veränderungen ohnehin aufgrund der Wasserrahmenrichtlinie der EU, die vorschreibt, bis 2027 alle Gewässer in einen guten ökologischen Zustand zu bringen.

• Windkraftareale, Stromschneisen und die vermehrt notwendigen Brandschneisen ließen sich in Biotopstreifen mit hohem ökologischem Wert und hervorragender Vernetzungsfunktion verwandeln. Hier ließen sich Teiche, Totholzbiotope und Steinstrukturen anlegen. Beweidungs- und Mahdkonzepte mit Austrag des Mahdgutes müssten hier den Vorrang vor dem Mulchen haben. Diese Flächen könnten teilweise auch als Reserveweideflächen für den Dürrekatastrophenfall vorgehalten werden.

• Der illegalen Wasserentnahme aus Bächen und illegalen Eingriffen in Gewässer und in Feuchtbiotope müsse durch regelmäßige Kontrollen vorgebeugt werden.

• Eine kreisweite Zisternenförderung im Bestand und eine Zisternenpflicht im Neubau könne die saisonale Not-Bewässerung für kleinere Betriebe ermöglichen.

• Löschteiche müssten an vielen Orten erweitert werden, um für häufigere Brandfälle vorzusorgen – diese könnten mit flachen und besonnten Ufern als Amphibienbiotope geplant werden.

Die Grünen in Wittgenstein werden in diesem Zusammenhang nun gemeinsame Anfragen und Anträge in den Kommunen und im Kreis einbringen und kündigen an, die notwendige Überzeugungsarbeit und fachliche Unterstützung leisten zu wollen.

Autor:

Redaktion Wittgenstein aus Bad Berleburg

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