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Verteidiger legt Berufung ein
Gullydeckel-Prozess geht in die nächste Runde

Der sogenannte Gullydeckel-Prozess gegen einen 50-jährigen Lokführer geht in die nächste Runde. Verteidiger Dennis Tungel hat in erster Instanz Berufung eingelegt.
  • Der sogenannte Gullydeckel-Prozess gegen einen 50-jährigen Lokführer geht in die nächste Runde. Verteidiger Dennis Tungel hat in erster Instanz Berufung eingelegt.
  • Foto: Holger Weber
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

howe/tika Bad Berleburg. Das Urteil war klar: Ein Jahr und neun Monate Haft – ohne Bewährung. Dieses Urteil, das vor dem Schöffengericht in Bad Berleburg gegen einen 50-jährigen Mann aus Lünen gefallen war, will dieser nicht hinnehmen. Im Gullydeckel-Prozess legte der Anwalt des Triebfahrzeugführers, Dennis Tungel, gegen das Urteil in erster Instanz eine entsprechende Berufung ein. Die Informationen der Siegener Zeitung bestätigte Dr. Sebastian Merk am Mittwoch auf Anfrage der Siegener Zeitung. Der Pressesprecher des Landgerichts Siegen – dort würde der der Prozess in die zweite Runde gehen – hob hervor, dass bislang lediglich die Berufung als solche eingelegt ist. „Diese Berufung ist jetzt noch zu begründen. Dafür besteht eine weitere Frist bis Freitag nächste Woche“, erläuterte Dr.

howe/tika Bad Berleburg. Das Urteil war klar: Ein Jahr und neun Monate Haft – ohne Bewährung. Dieses Urteil, das vor dem Schöffengericht in Bad Berleburg gegen einen 50-jährigen Mann aus Lünen gefallen war, will dieser nicht hinnehmen. Im Gullydeckel-Prozess legte der Anwalt des Triebfahrzeugführers, Dennis Tungel, gegen das Urteil in erster Instanz eine entsprechende Berufung ein. Die Informationen der Siegener Zeitung bestätigte Dr. Sebastian Merk am Mittwoch auf Anfrage der Siegener Zeitung. Der Pressesprecher des Landgerichts Siegen – dort würde der der Prozess in die zweite Runde gehen – hob hervor, dass bislang lediglich die Berufung als solche eingelegt ist. „Diese Berufung ist jetzt noch zu begründen. Dafür besteht eine weitere Frist bis Freitag nächste Woche“, erläuterte Dr. Sebastian Merk.

Kammer am Landgericht Siegen prüft Verfahrensakte 

Eine Terminierung für das Berufungsverfahren vor dem Landgericht in Siegen ist daher in der Konsequenz noch nicht erfolgt. „Üblicherweise wird die Terminierung nicht sofort vorgenommen, sondern die Kammer wird sich die gesamte Verfahrensakte erst einmal genau anschauen“, erklärte der Präsidialrichter. Unklar ist damit, sollte es zur Revision kommen, ob der gesamte Prozess noch einmal von vorne beginnt oder nur einzelne Zeugen angehört werden. Der Umfang des Prozesses hängt letztlich auch davon ab, mit welchem Ziel die Verteidigung selbigen anstrebt – realistisch erscheint, dass diese ein milderes Urteil erhofft, etwa eine Aussetzung der Strafe zur Bewährung. Aber auch das Pochen auf einen Freispruch ist denkbar. Die Strafaussetzung zur Bewährung lehnte das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Torsten Hoffmann ab. „Eine günstige Prognose können wir nicht stellen“, so Torsten Hoffmann, der sich auf § 56 Absatz 2 des Strafgesetzbuches bezog. Demnach können Freiheitsstrafen über ein Jahr zur Bewährung ausgesetzt werden, wenn bestimmte Umstände dies erlauben. Und: Wenn das Bemühen des Verurteilten erkennbar ist, den Schaden wiedergutzumachen.
Letzteres sei gar nicht geschehen, hieß es im Bad Berleburger Gerichtssaal, die 14 000 Euro Schaden an dem Triebwagen der Baureihe VT 648 sind bis heute nicht beglichen. Überdies entschied sich der 50-jährige Lokführer, während der drei Verhandlungstage zu schweigen. Wobei auch zur Sprache kam, dass die Hessische Landesbahn dem 50-Jährigen nach der Tat „aus betrieblichen Gründen“ gekündigt hatte.

Erdrückende Beweislast im Gullydeckel-Prozess

In einem anschließenden Kündigungsschutzklageprozess vor dem Arbeitsgericht in Dortmund erwirkte der Lokführer neben einer 2500-Euro-Abfindung auch eine Klausel: Sobald er von den Vorwürfen freigesprochen werde, könne er wieder eingestellt werden. In dem Indizienprozess wurden mitunter schwere Geschütze aufgefahren – vorgetragen von absoluten Fachleuten des Landeskriminalamtes NRW.
Am Ende wirkte die Beweislast erdrückend. An Gullydeckeln, den Seilen, an deren Enden und an den Knoten entdeckten die Spezialisten eindeutig die DNA des Lokführers. Wobei Richter Torsten Hoffmann in seiner Urteilsverkündung deutlich betonte: „Mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:30 Milliarden“. Ähnlich bei den Seilen: Die seien spurenabgabe-unfreundlich, konstatierte der Gutachter. Insofern sei es schon selten, überhaupt Fasern zu finden. Und dennoch spürte der Fachmann material-identische Fasern am Rucksack, an zwei paar Handschuhen und im Kofferraum des Privatwagens des LokfüDaneben belasteten zwei weitere Kriminalbeamte den Lokführer schwer. Für die Reaktion im Zug, das Erkennen des Gullydeckels, das Arretieren des Sitzes und das Einleiten der Notbremsung sowie das Wegducken habe der Lokführer – gutachterlich ermittelt – nur ein Zeitfenster von 0,5 Sekunden gehabt. Die Beamten führten auch eine Handy-Daten-Ermittlung durch und erkannten deutliche Veränderungen am Tattag. Im privaten Umfeld schauten sich die Ermittler die Suchanfragen auf dem Computer des Lokführers an. Der schaute offensichtlich nach K.-o.-Tropfen, giftigen Pflanzen und Bauplänen für Pistolen mit Schalldämpfern. „Das ist alles nicht normal“, fand der Beamte im Gerichtssaal. Dagegen zweifelte Rechtsanwalt Dennis Tungel die Täterschaft seines Mandanten an. Der habe umgehend eine Notbremsung eingeleitet, sodass hier noch vor der 0,5-Sekunden-Frist reagiert worden sei. Und dann sei der Rest blitzschnell vonstattengegangen. Glassplitter auf der rechten Schulter des Lokführers zeigten auf einer automatischen Video-Aufzeichnung eindeutig, dass dieser sich im Sitzen weggeduckt habe und nicht schon vorher aufgestanden sei. „Er schüttelt sich und ist schockiert.“

Verteidiger pocht auf Unschuld des Lokführers

Die Erinnerungen des 50-Jährigen seien schemenhaft, er habe unter Schock gestanden. Und darum habe er auch ausgesagt, einen Deckel nicht angefasst zu haben. Den in 2,90 Meter Höhe befindlichen Gullydeckel samt Seil könne der Lokführer sehr wohl angefasst haben. Unweit gebe es nämlich einen Treppenaufgang. „Mein Mandant ist da hoch gegangen und hat das Seil angefasst.“ Die Motivlage sei insgesamt unklar. Finanzielle oder andere Vorteile habe der Lokführer nicht gehabt. „Nur Nachteile“. Dennis Tungel: „Es gibt also keinen Grund, warum er das hätte machen sollen.“

Autor:

Redaktion Wittgenstein aus Bad Berleburg

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