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Kundgebung in Bad Berleburg
Gut 40 Landwirte machten ihrem Ärger Luft

Die heimischen Landwirte setzten am Samstagabend am Bad Berleburger Nordkreisel ein deutliches Zeichen und läuteten die Alarmglocken: Sie warnten vor einem weiteren Höfe-Sterben aufgrund nicht mehr zu stemmender Auflagen.  Foto: fhe
  • Die heimischen Landwirte setzten am Samstagabend am Bad Berleburger Nordkreisel ein deutliches Zeichen und läuteten die Alarmglocken: Sie warnten vor einem weiteren Höfe-Sterben aufgrund nicht mehr zu stemmender Auflagen. Foto: fhe
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vö Bad Berleburg. Was in den vergangenen Tagen bereits in der Bundeshauptstadt Berlin und weiteren größeren Städten begonnen hatte, setzte sich am Samstagabend auf lokaler Ebene fort: Die Bauern aus der Region machten ihrem Ärger über die völlig unbefriedigende Situation ihrer Branche mit einer Kundgebung in Bad Berleburg Luft. Am späten Nachmittag brannte ein Mahnfeuer am Bad Berleburger Nordkreisel, gut 40 Landwirte aus Wittgenstein und dem benachbarten Hessen waren dem Aufruf zur Teilnahme gefolgt. Auch die Landtagsabgeordnete Anke Fuchs-Dreisbach (CDU) aus Sassenhausen und Bad Berleburgs Bürgermeister Bernd Fuhrmann waren vor Ort, um sich die Sorgen und Nöte der Lebensmittelerzeuger aus erster Hand anzuhören.

Bad Berleburg. Was in den vergangenen Tagen bereits in der Bundeshauptstadt Berlin und weiteren größeren Städten begonnen hatte, setzte sich am Samstagabend auf lokaler Ebene fort: Die Bauern aus der Region machten ihrem Ärger über die völlig unbefriedigende Situation ihrer Branche mit einer Kundgebung in Bad Berleburg Luft. Am späten Nachmittag brannte ein Mahnfeuer am Bad Berleburger Nordkreisel, gut 40 Landwirte aus Wittgenstein und dem benachbarten Hessen waren dem Aufruf zur Teilnahme gefolgt. Auch die Landtagsabgeordnete Anke Fuchs-Dreisbach (CDU) aus Sassenhausen und Bad Berleburgs Bürgermeister Bernd Fuhrmann waren vor Ort, um sich die Sorgen und Nöte der Lebensmittelerzeuger aus erster Hand anzuhören.

Es gehe ihnen nicht darum, das öffentliche Leben lahm zu legen oder Blockaden zu initiieren, machte Bernd Henk im Gespräch mit der heimischen Presse deutlich. „Wir wollen mit dem Verbraucher ins Gespräch kommen und informieren“, sagte der Landwirt aus Raumland. Jeder sei dazu eingeladen, sich die Höfe vor Ort anzusehen und in die Ställe zu kommen: „Niemand von uns hat etwas zu verbergen.“ Der Milcherzeuger gab sich kämpferisch: „Es dauert prinzipiell ziemlich lange, bis ein Bauer aus seiner Ecke kommt und seinem Ärger Luft macht. Aber aktuell ist das Fass übergelaufen. Wenn wir nicht gehört werden, geht es definitiv weiter.“

Markus Zacharias brachte das Unverständnis seines Berufsstandes über das völlig undifferenzierte Umsetzen des Klimapaketes durch die Bundespolitik zum Ausdruck. Es könne doch nicht sein, dass alle Regionen über einen Kamm geschoren würden. In Wittgenstein seien die Gewässer absolut in Ordnung, der Stickstoffgehalt im Boden erfülle alle Vorgaben und nirgendwo sonst gebe es so viel Vertragsnaturschutz wie im Kreis Siegen-Wittgenstein, erläuterte der Milcherzeuger aus Elsoff. Zudem würden viele Flächen extensiv genutzt. Bernd Henk machte das Dilemma deutlich: „Aber wir werden mit weiteren enormen Auflagen überflutet. Die sind für kleine und mittlere Betriebe einfach nicht zu stemmen. Und die möchte die Politik doch angeblich fördern. Sie tut aber genau das Gegenteil.“ Er befürchte, dass die jüngst beschlossenen Auflagen gravierende Folgen für die zahlreichen Nebenerwerbsbetriebe in Wittgenstein hätten.

Generell fühle man sich als Landwirt in der Rolle „der Prügelknaben der Nation“, brachte es Bernd Henk auf den Punkt. Die Land- und Forstwirtschaft sei der einzige Wirtschaftsbereich, der mit der Waldwirtschaft Kohlendioxid binde. Nur: Es spreche niemand darüber. Markus Zacharias kritisierte, dass die hiesige Landwirtschaft aufgrund der gravierenden Auflagen im klaren Wettbewerbsnachteil mit internationalen Billigimporten liege – weil dort eben nicht hingeschaut werde. Letztlich spreche aber der Verbraucher das letzte Wort, so der Elsoffer. Zuletzt sei sicherlich ein deutlicher Trend zu regionalen Produkten spürbar: „Aber was nützt das, wenn einem überschaubaren Angebot mit regional erzeugten Produkten im Ladenlokal immer noch ein riesiges Sortiment an Lebensmitteln gegenüber steht, die vom Preis bestimmt werden?“

Wittgensteins Kreislandwirt Lothar Menn unterstrich, dass die Landwirtschaft schon immer nachhaltig arbeite – und dies auch in Zukunft tue: „Unser Hof existiert in der neunten Generation. Wir haben doch null Interesse daran, den Hof kaputt zu wirtschaften, den unsere Nachfahren irgendwann übernehmen wollen“, betonte der Rohrbacher. Aktuell sei es leider so, dass mit der Umsetzung vieler Gesetze die Falschen getroffen würden. Die Rindviehbetriebe in Siegen-Wittgenstein hätten die Zahl ihrer Tiere von 1976 bis 2019 um 5000 Tiere reduziert. „Wenn behauptet wird, dass unser Berufsstand ständig intensiver wirtschaftet, beweisen diese Zahlen das genaue Gegenteil.“

Bürgermeister Bernd Fuhrmann wehrte sich dagegen, dass eine ganze Zunft an den Pranger gestellt werde, weil über einige schwarze Schafe berichtet worden sei – die es im übrigen in jeder Branche gebe. Nicht zuletzt nach zahlreichen beeindruckenden Betriebsbesichtigungen in den vergangenen Monaten könne er der heimischen Landwirtschaft nur bescheinigen, dass hier hervorragend und vor allem nachhaltig gearbeitet werde. Und Anke Fuchs-Dreisbach gab zu bedenken, dass jeder Landwirt schon ein ureigenes Interesse habe, dass seine Tiere gesund seien und artgerecht gehalten würden. Deshalb sei es völlig unangebracht, die Schablone mit wenigen schwarzen Schafen über das ganze Land zu ziehen.

Autor:

Martin Völkel (Redakteur) aus Bad Berleburg

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