Halloween endete mit Schrecken

Gestern in Bad Berleburg: 18 Monate auf Bewährung

JG Bad Berleburg. Zum dritten Mal ging es gestern vorm Berleburger Schöffengericht um eine Halloween-Party in einem Ortsteil der Odebornstadt (die Siegener Zeitung berichtete). Am Ende wurde der 37-jährige Angeklagte aus Coesfeld wegen versuchter sexueller Nötigung in Tateinheit mit Körperverletzung zu einer anderthalbjährigen Freiheitsstrafe und einer 5000-e-Geldbuße verurteilt.

Bis das Urteil gefällt werden konnte, mussten allein gestern zehn Zeugen gehört werden. Eindrucksvoll waren dabei vor allem drei Frauen, die eigens anreisen mussten. Das Trio war vor einem Jahr der Berleburgerin zur Hilfe geeilt, nachdem eine Vierte das Terzett informiert hatte: »Ich glaube da vorne wird eine Frau vergewaltigt.« Morgens um halb Fünf, nach der Party und außerhalb der Festhalle. Eine 39-Jährige aus Salzkotten schilderte gestern, wie sie die Situation neben dem Fußballplatz aufgefasst habe.

Schnell habe sie draußen Hilfe-Rufe und Nein-nein-Schreie von einer Frau gehört. Mit erhobenen Armen habe der jetzt Angeklagte sein Opfer gegen einen Zaun gedrückt, so dass sie es gar nicht habe sehen können. Die Zeugin führte weiter aus, wie erstaunt sie gewesen sei, als sie den Täter erkannt, diesem eine Ohrfeige gegeben und ihn angeschrieen habe, »ob er nicht wisse, dass seine Freundin in der Halle sei und sein kleiner Sohn zuhause auf ihn warte«. Daraufhin habe der Mann etwas wie »Ey, tut mir leid« gesagt und sei schnell weggerannt. Diese Version der Geschehnisse wurden von zwei weiteren Frauen bestätigt, die zudem aussagten, dass der Träger am Kleid der Geschädigten gerissen gewesen sei, die Handtasche, ein Schuh und andere Gegenstände verstreut herumgelegen hätten und die Frau einfach nur noch geschluchzt habe und fertig gewesen sei.

Wer den Angeklagten kannte, der konnte sich nicht vorstellen, dass er so etwas macht – das wurde in vielen Aussagen deutlich. Außerdem waren viele der Wittgensteiner Zeugen gestern im Gericht sehr bemüht, weder der Geschädigten, noch dem Angeklagten zu nahe zu treten, wobei am Ende allerdings die 45-jährige Geschädigte immer ein bisschen schlechter wegkam. Davon ließ sich Wolfgang Nau jedoch nicht beeindrucken. Der Staatsanwalt sah den Tatvorwurf aus der Anklageschrift durch die Beweisaufnahme voll bestätigt.

Er forderte eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monate, die mit erheblichen Bedenken zur Bewährung ausgesetzt werden könne. Außerdem solle der Angeklagte eine Geldbuße in Höhe von 5000 e bezahlen: halbe-halbe an die Geschädigte und an einen gemeinnützigen Verein oder die Staatskasse. Frank Henk als Nebenklagevertreter forderte eine 20-monatige Freiheitsstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt werden könne. Seiner Mandantin – der Geschädigten – sei es nie um Rache gegangen, sondern nur darum, dass der Mann so etwas nie wieder tue. Und wenn er unter Bewährung stehe, würde das ja hoffentlich klappen. Die Geldbuße ordnete Frank Henk in der gleichen Höhe ein, wollte aber die komplette Summe für die Geschädigte.

Bevor Verteidiger Torsten Peckedrath gestern plädierte, wies er zunächst auf die Situation und damit verbunden auf den Charakter des Angeklagten hin. Als Einzelhändler mit acht Mitarbeitern beweise er sehr wohl, dass er ein verantwortungsbewusster Mensch sei, und aufgrund seiner gesundheitlichen Probleme – der Angeklagte trug auch bei der gestrigen Verhandlung eine Art Korsett – sei er gar nicht in der Lage, solch eine körperbetonte Gewalt auszuüben, wie sie für die angeklagte Tat notwendig sei. »Keine Zeugenaussage ist stimmig«, würdigte der Rechtsanwalt alles Gehörte. Und wegen der vorhandenen Rest-Unsicherheiten forderte er Freispruch für den Mandanten.

Das dreiköpfige Schöffengericht um Richter Torsten Hoffmann folgte dann jedoch größtenteils dem Antrag der Staatsanwaltschaft: Es verhängte eine 18-monatige Bewährungsstrafe gegen den Coesfelder und eine 5000-e-Geldbuße, 3000 e für die Geschädigte und 2000 e für einen gemeinnützigen Verein. Und während in der Verhandlung auch andere Einschätzungen zu hören waren, lobte der Richter in der Begründung ausdrücklich, dass die vier Retterinnen in dieser Situation »glücklicherweise« Zivilcourage bewiesen hätten. Bei der Geschädigten sah Torsten Hoffmann eine hohe Glaubwürdigkeit: Es wäre für sie ein Leichtes gewesen, die versuchte sexuelle Nötigung als eine vollendete darzustellen. Das habe sie nicht getan. Und auch wenn die Frau vielleicht anfangs Zärtlichkeiten des Mannes erwidert habe, so habe sie diesem doch dann eindeutig klar gemacht, wo Schluss sein sollte. Auch die bestehende Alkoholisierung der Frau wollte der Richter nicht überbewertet wissen. Sie sei zweifelsohne angetrunken gewesen, aber kein Zeuge habe von Ausfallerscheinungen berichtet.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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