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Amtsgericht verhängt Haftstrafe
Handgreiflichkeiten gegen einen Rettungssanitäter

Zu zwei Jahren Haft wurde im Berleburger Amtsgericht (im Bild) ein Wittgensteiner verurteilt, der nicht nur Widerstand gegen Polizeibeamte geleistet hatte, sondern auch Rettungssanitäter angegriffen hatte. Foto: Archiv
  • Zu zwei Jahren Haft wurde im Berleburger Amtsgericht (im Bild) ein Wittgensteiner verurteilt, der nicht nur Widerstand gegen Polizeibeamte geleistet hatte, sondern auch Rettungssanitäter angegriffen hatte. Foto: Archiv
  • hochgeladen von Björn Weyand (Redakteur)

howe Bad Berleburg. Das war ganz starker Tobak, was sich ein 27-jähriger Wittgensteiner da erlaubt – und was er da wohl geraucht hatte. Richter Torsten Hoffmann kannte am Dienstag im Bad Berleburger Amtsgericht kein Pardon und verurteilte den mehrfach Vorbestraften zu zwei Jahren Gefängnis wegen Widerstands nicht nur gegen Vollstreckungsbeamte, sondern auch gegen Rettungskräfte. Was genau zunächst im Oktober 2018 und zwei Monate später geschehen war, das beschrieben die Zeugen und Opfer sehr eindringlich.

In Erndtebrück habe man eine Einsatzmeldung über einen Mann erhalten, der Kindern Geldgeschenke verteilte, berichtete ein Polizeibeamter. „Er wollte die fünf Euro-Scheine auch an uns verschenken.

howe Bad Berleburg. Das war ganz starker Tobak, was sich ein 27-jähriger Wittgensteiner da erlaubt – und was er da wohl geraucht hatte. Richter Torsten Hoffmann kannte am Dienstag im Bad Berleburger Amtsgericht kein Pardon und verurteilte den mehrfach Vorbestraften zu zwei Jahren Gefängnis wegen Widerstands nicht nur gegen Vollstreckungsbeamte, sondern auch gegen Rettungskräfte. Was genau zunächst im Oktober 2018 und zwei Monate später geschehen war, das beschrieben die Zeugen und Opfer sehr eindringlich.

In Erndtebrück habe man eine Einsatzmeldung über einen Mann erhalten, der Kindern Geldgeschenke verteilte, berichtete ein Polizeibeamter. „Er wollte die fünf Euro-Scheine auch an uns verschenken.“ Da es zu Streitigkeiten mit Anwohnern gekommen sei, habe man dem Mann einen Platzverweis erteilt, dem sei dieser aber nicht nachgekommen. „Wir haben ihm dann die Ingewahrsamnahme angedroht.“ Dazu sei es schließlich auch gekommen.

Allerdings erforderte der Einsatz sozusagen das volle Programm: Hände des Mannes auf den Streifenwagen, durchsuchen, Provokationen und Aggressionen. „Ihm die Hände auf den Rücken zu nehmen, fiel uns schon schwer.“ Es sei zu einer handfesten Auseinandersetzung gekommen, bei der ein Kollege den 27-Jährigen zu Boden gebracht habe. Dafür sei sogar Pfefferspray zum Einsatz gekommen. „Der Widerstand ließ etwas nach, sodass wir ihn fesseln und auf den Rücksitz des Streifenwagens setzen konnten.“

Dort habe sich der 27-Jährige mit voller Wucht abgestoßen und den neben ihm sitzenden Beamten gegen die Tür gedrückt. „Von Erndtebrück bis Bad Berleburg war das ein Rodeo-Ritt“, beschrieb der Polizist die Situation. Der Angeklagte sei nun in die Zelle verbracht worden und es habe eine gute Stunde gedauert, bis er „einigermaßen zugänglich war“. Szenenwechsel zwei Monate später: Da fuhr ein Notfallsanitäter mit seinem Kollegen im Rettungswagen nach Erndtebrück, um dem selben Mann eine Handverletzung zu versorgen.

„Er schien gar nicht richtig anwesend“, schilderte der 24-jährige Notfallsanitäter. Der Mann sei aggressiv gewesen und habe ihn in die Ecke gedrängt. Den angelegten Verband habe er sich entfernt und im Rettungswagen laut herumgebrüllt. „Der Kollege hat dann über Funk die Polizei gerufen – so, dass der 27-Jährige davon nichts mitbekam. Derweil entwickelte sich im Rettungswagen ein echter Kampf. Der Kollege, der wieder zusteigen wollte, wurde mit einem Tritt hinaus befördert.

Der Notfallsanitäter forderte den Angeklagten mehrfach auf, den Wagen zu verlassen. „Wir haben versucht, uns deeskalierend zu verhalten.“ Doch als der 27-Jährige versucht habe, ihn mit der stark blutenden Hand zu schlagen, „haben wir uns verteidigt und den Mann fixiert.“ 20 Minuten lang hätten beide auf dem Randalierer gelegen und auf die Polizei gewartet. Über „Status 0“ sei sogar noch ein Rettungsruf an die Leitstelle abgesetzt worden. Unter Polizeibegleitung sei der Täter anschließend nach Siegen ins Krankenhaus gefahren worden.

Von hier erzählte am Dienstag vor Gericht eine junge Polizistin vom Geschehen, das sie live miterlebt hatte: Die Rettungswagen-Besatzung habe Hilfe benötigt. Von weitem habe sie die beiden Sanitäter schon auf dem Mann kniend auf der Straße gesehen. „Da war eine riesen Blutlache und der Angeklagte schrie herum.“ Zu viert habe man ihn in den Rettungswagen zurück bringen müssen. Auf der Trage sei der Mann fixiert worden, trotzdem habe er wild um sich geschlagen und getreten. „Trotz der Fixierung mussten wir uns auf ihn drücken. Wir hatten richtig Schwierigkeiten, ihn in den Griff zu bekommen“, so die Beamtin. „Das Behandlungszimmer im Krankenhaus sah aus wie ein Schlachtfeld. Er war nicht still zu bekommen.“

Das Problem bei den Einsätzen: Der 27-Jährige hatte offenbar erheblich unter Alkohol- und Drogeneinfluss gestanden. „Ich hatte eine Menge intus. Ich kann mich nicht viel erinnern“, sagte der Beschuldigte, der von seinem Werdegang berichtete. Alkohol, Amphetamine, Kokain, THC: Das ganze Programm sei auf der Tagesordnung gewesen. Er sei schließlich in Therapie gegangen, habe dort aber drei Tage vor Beendigung einen Rückfall gehabt. Die Therapie sei beendet worden, er gehe aber seit Oktober zur Nachsorge. Inzwischen lebe er mit seiner Freundin in einer gemeinsamen Wohnung und wolle demnächst eine Ausbildung absolvieren.

Oberamtsanwältin Judith Hippenstiel erkannte jedoch keine positive Prognose: „Bei Ihnen geht das über Jahre so. Sie verbüßen Haft und die Abläufe sind immer die gleichen.“ Der Angeklagte sei uneinsichtig, reagiere mit Körperverletzungen, Sachbeschädigung und Widerstand. „Das ist asozial. Ich wundere mich, dass es noch Leute gibt, die Ihnen in dem Zustand helfen.“ Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft weiter: „Ich mache mir Sorgen um die Leute, die mit Ihnen zusammenleben und Sie ein Bier trinken.“ Was die Oberamtsanwältin besonders verwerflich fand: Die Angriffe und der Widerstand galten nicht nur den Polizeibeamten, sondern auch den Rettungssanitätern. „Die, die Ihnen helfen wollten.“

Judith Hippenstiel forderte eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren, die nicht mehr auf Bewährung ausgesetzt werden kann. Verteidiger Fritz Bosch sprach von einem „erschreckenden Geschehen“, das auch seinen Mandanten schockiert habe. Der habe Arbeit gesucht, eine Wohnung eingerichtet, eine Freundin mit Kind und er wolle die Therapie fortsetzen. „Er bemüht sich redlich“, fand Fritz Bosch und bat das Gericht, die Strafe doch nochmal zur Bewährung auszusetzen – zumal die Tatbegehung unter erheblichem Betäubungsmittel-Einsatz erfolgt sei. „Wir sollten die zaghaften Pflänzchen wachsen lassen“, sagte Fritz Bosch. Richter Torsten Hoffmann urteilte: zwei Jahre Gefängnis.

Schon allein das Vorstrafenregister ließ eine mildere Strafe nicht zu. 2009 fiel der heute 27-Jährige wegen mehrerer vorsätzlicher Körperverletzungen und gemeinschaftlichen Raubes auf. Damals summierten sich die Taten auf vier Jahre Freiheitsstrafe. 2015 folgten drei Monate wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, Sachbeschädigung, Beleidigung und Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz. Acht Monaten im März 2016 schlossen sich weitere zehn Monate im August an, die der 27-Jährige bis März 2018 verbüßte.

Autor:

Holger Weber (Redakteur) aus Wittgenstein

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