Hausbank vergab Kredit ohne eindeutige Sicherheit

Ehepaar betrog mit »fremdem« Auto / Gestern 400 E Strafe

howe Bad Berleburg. Einem Ehepaar aus Wittgenstein geht es wirtschaftlich schlecht. Die Wohnungsmiete können die beiden nicht bezahlen, Vater ist arbeitslos, Mutter geht stundenweise putzen. Um der Tochter bei der Wohnungseinrichtung unter die Arme zu greifen, nimmt die Familie einen Kredit auf. Bei einem Kreditinstitut erhalten sie ein Darlehen von 18000 DM. Bis dahin alles in Butter. Gestern warf Staatsanwalt Wolfgang Nau den Eheleuten im Bad Berleburger Amtsgericht Betrug vor. Die beiden sollen nämlich dem Wittgensteiner Kreditinstitut als Sicherheit ein Auto angeboten haben, das ihnen gar nicht gehörte. Wolfgang Nau und Amtsgerichtsdirektor Hans-Jürgen Niediek schüttelten des öfteren ihre Köpfe. Unglaublich, was da alles im Laufe der Verhandlung zutage kam.

Denn sowohl das Ehepaar als auch das Kreditinstitut und das Autohaus hatten sich eher peinlich verhalten. Peinlich für das Kreditiunstitut, dass es sich auf eine mündliche Zusage eingelassen und das Geld überwiesen hatte, obwohl weder Kraftfahrzeug noch Brief oder Schein vorgelegen hatte. Auch der Darlehensvertrag enthielt keinen Vermerk in der Rubrik »Sicherheiten«. Peinlich für das Autohaus, dass es den Eheleuten einen Kfz-Brief aushändigte, obwohl der Wagen gar nicht abgelöst war und sich somit im Mitbesitz des Autohauses befand. Das Kreditinstitut habe bei der Kreditaufstockung gar keine Sicherheiten verlangt, behauptete der Angeklagte. Der 50-Jährige führte aus, der Sachbearbeiter habe eine Bürgschaft des Vaters verlangt, das habe er aber abgelehnt, so der Beschuldigte. Später habe man den Kfz-Brief eingereicht. Der 50-Jährige legte Kontoauszüge vor, woraus das Gericht ersah, dass das Darlehen eingezahlt wurde, obwohl das Auto – angemeldet auf die Ehefrau – zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht gekauft war. »Ich gebe doch den Leuten nicht vorher Geld und verlange dann Sicherheiten«, wollte Hans-Jürgen Niediek das Verhalten des Kreditinstituts nicht verstehen. Der zuständige Bankkaufmann erklärte, er habe sich auf das Wort seines Kunden verlassen. Der KFZ-Brief sei im Übrigen erst nach zweimaliger schriftlicher Aufforderung eingegangen. Dazu der Angeklagte: »Mir ist wissentlich nicht mehr bewusst«, dass das Kreditinstitut ihn angeschrieben habe.

Wie dem auch sei: »Sie hätten wissen müssen, dass ein Eigentumsvorbehalt des Autohauses bestand«, wandte sich Wolfgang Nau dem Angeklagten zu. In seinem Plädoyer forderte der Staatsanwalt eine Strafe von 50 Tagessätzen zu je zehn e. Hans-Jürge Niediek verurteilte den 50-Jährigen zu 40 Tagessätzen à zehn e. »Mit dem Anschreiben hat das Kreditinstitut sein Selbstverständnis bekundet«, begründete der Richter. Nämlich jenes, einen Kredit nur zu vergeben, sofern eine Sicherheit vorliege. »Insgesamt ist mit einer halben Sicherung ein Kredit erschwindelt worden«, stellte Hans-Jürgen Niediek fest. Also liege ein Betrug vor.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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