Heiligabend in Bad Berleburg: Schöne Bescherung im Dienst

Mann nutzte 24. Dezember zum Pöbeln, Schlagen, Randalieren

JG Bad Berleburg. Er habe die Sachen geklaut, damit er ins Gefängnis komme und nicht nach Kasachstan abgeschoben werde – so erklärte gestern ein 43-jähriger Angeklagter im Berleburger Amtsgericht den Diebstahl von zwei Lederjacken für 360 e in einem Bremer Kaufhaus. Der Mann wohnt mittlerweile in Wittgenstein – und hier kam er ebenfalls mit dem Gesetz in Konflikt: Neben dem Diebstahl wurden ihm Beleidigung, Körperverletzung, Sachbeschädigung vorgeworfen. An die zugrundeliegende Tat in Berleburg konnte sich der Angeklagte allerdings überhaupt nicht erinnern, die Zeugen jedoch um so besser. Kein Wunder, war der Tattag doch Heiligabend 2002.

Dolmetscherin übersetzte lieber nicht

Nachmittags kurz nach Zwei stand ein Berleburger Russland-Deutscher mit einem Besucher vom Chiemsee vorm Haus, man rauchte, plauderte und guckte sich das neue Auto an. Und dann kam der gestern Angeklagte vorbei, pöbelte die beiden Männer auf Russisch an – mit Schimpfwörtern, die die Dolmetscherin im Gericht gestern gar nicht übersetzen wollte: Es sei viel schlimmer als der bekannte deutsche Ausdruck mit A. Richter Torsten Hoffmann ordnete daraufhin akkurat ein: »also unterste Schublade«.

Hand muss vielleicht operiert werden

Doch damit nicht genug. Der Beschuldigte ging damals nach einer Drohung – irgendwas mit Messer – dann zum tätlichen Angriff über, zerriss die Jacke des vom Chiemsee angereisten Wittgenstein-Urlaubers, schubste den und warf ihn um. Das Handgelenk nahm Schaden, muss wahrscheinlich sogar noch operiert werden, die Kreuzschmerzen beim Geschädigten ließen nach zwei Tagen nach. Als Torsten Hoffmann gestern den Angeklagten fragte, ob er dem Geschädigten was zu sagen habe, verneinte der Mann auf dem Sünderbänkchen mit der einschlägigen Antwort: Er könne sich an nichts erinnern. Die goldene Brücke zur Entschuldigung wollte er offenbar nicht betreten. Nachdem er an Heiligabend den einen also aufs Kreuz gelegt hatte, suchte der mutmaßliche Schläger das Weite. Als die Polizei kam, war er weg.

Mit dem Kopf durch die Zellenwand

Die griff ihn allerdings zwei Stunden später doch noch auf – in normalen Haushalten wartete man gerade aufs Christkind. Und eine schöne Bescherung erlebten dann die Polizeibeamten mitten im Dienst. Der eine erinnerte sich gestern. Den Alko-Test habe ihm der Mann aus der Hand geschlagen, in Handschellen sei er zur Polizeiwache gebracht worden: »In der Zelle ist er dann völlig augerastet.« Er habe um sich geschlagen, den Kopf gegen die Wand gehauen, gegen die Zellentür getreten, dass das Holz gesplittert und das kleine Sichtfenster gesprungen sei. Trotzdem stand für den Polizisten fest, dass der Mann zwar betrunken gewesen sei, aber sehr wohl wusste und verstand, was um ihn herum passierte.

Richter verhängte 1600-E-Geldstrafe

Amtsanwältin Barbara Knebel, die eine möglicherweise verminderte Schuldfähigkeit aufgrund des Alkoholgenusses sah, forderte für die vergessene Tat und den zugegebenen Diebstahl eine Geldstrafe von 50 Tagessätzen à 20 e. Für Richter Torsten Hoffmann war das nicht genug. Er verurteilte den 43-Jährigen schließlich zu 80Tagessätzen à 20 e. 1600e – eine Strafe mit der der Angeklagte zufrieden war. Er nahm das Urteil an, und von einer Abschiebung nach Kasachstan war gar keine Rede mehr.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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