»Hier sind wir unser eigener Herr«

Bewohner von Hof Teiche bei Christianseck leben mit drei Generationen unter einem Dach

vg Christianseck. »Wir teilen uns die Arbeit untereinander auf«, sagt Herbert Feige, der Besitzer von Hof Teiche in Christianseck, und schaut zu seinem Sohn Thomas herüber. Beide haben sich im Landgasthof »Wittgensteiner Schweiz«, niedergelassen, der dem Bauernhof seit vielen Jahren angehört. »Christianseck hat man früher einmal die Wittgensteiner Schweiz genannt«, so Herbert Feige,–»daher dachten wir, der Name würde auch gut zu unserer Gaststätte passen.« Herbert und Thomas Feige leben wie alle übrigen Familienmitglieder gerne auf dem Bauernhof. »Ich bin hier aufgewachsen, ein anderes Leben kenne ich gar nicht«, sagt Herbert Feige.

Und auch Sohn Thomas hat sich an das Leben in der Abgeschiedenheit gewöhnt: »Hier oben sind wir unser eigener Herr«, betont der 28-Jährige. »Man kann sich die Zeit beim Arbeiten in Absprache mit den anderen auch gut einteilen.« Dabei führen die Feiges den Bauernhof im Nebenerwerb, eine Pension gehört dazu und auch eine Gaststätte. »Wir haben einen Milchviehbetrieb«, sagt Herbert Feige, »und auch eine Jungvieh-Aufzucht.« Das Milchvieh sei für die Landwirtschaft heutzutage geradezu unentbehrlich geworden. In den Wintermonaten beginnt jeder Tag für die Feiges sehr früh: »Wir erledigen den Winterräumdienst in Christianseck für die Stadt, da müssen wir morgens schon mal sehr früh raus«, sagt Thomas Feige, der darüber hinaus als Maschineneinrichter in Bad Berleburg im Schichtdienst arbeitet. »Wenn ich nach der Arbeit dann zurück auf den Hof komme, liegen noch weitere Aufgaben an.« Thomas geht dann dem Vater beim Melken zur Hand und hilft im Stall aus.–»Als gelernter Elektriker kümmere mich auch um alle Leitungen unseres Bauernhofs.«

Drei Generationen bewohnen Hof Teiche, dazu zählen die Großeltern August und Margarete Feige, Herbert und Beate Feige, sowie deren Kinder Nicole und Thomas. Auch Claudia, die Freundin von Thomas, wohnt seit einiger Zeit hier. »Im Landgasthof bin ich für die Küche zuständig«, so Herbert Feige, »und ich bin auch noch beim THW. Da mache ich seit über 30 Jahren die Küche.« Die Pension und die Gaststätte hat vor einigen Jahren Opa August Feige aufgebaut: »Als ich den Hof damals übernommen habe, musste ich ganz von vorne anfangen«, sagt er, »aber bei der Pension haben mir alle Familienmitglieder geholfen.« Auch August Feige hat sich im Laufe der Zeit an das Leben–»weit vom Schuss« gewöhnt. Probleme bereiteten dennoch die ungeheuren Entfernungen, gerade als August Feige als Gemeindevertreter in Elsoff tätig war: »Die langen Wege haben sehr viel Zeit gekostet«, sagt er und fügt im gleichen Atemzug hinzu: »Hier oben habe ich mich dennoch über 70 Jahre lang wohl gefühlt.« Mit anderen Landwirten, die ihre Höfe nahe der Dörfer haben, möchte die Familie nicht tauschen: »Wir haben hier viel mehr Freiheiten als ein Bauer im Dorf«, weiß Herbert Feige,–»im Sommer zum Beispiel kann ich die Stalltür aufmachen, und das Vieh läuft einfach so heraus.« – »Wichtig ist bei allem nur, dass man immer mit zwei Leuten für den Hof da ist«, fügt Thomas Feige hinzu. Thomas liebt die Arbeit am Hof: »Die Landwirtschaft ist mein Hobby«, sagt er. Darüber hinaus züchtet er seit vielen Jahren schon Kaninchen: »Pro Jahr verkaufe ich um die 80 Stück.«

Dass sich die Zeiten am Hof geändert haben, zeigen nicht nur der Anbau der Pension und der Gaststätte: »Wir haben zum Beispiel auch einen Ski-Verleih«, sagt Herbert Feige, »und es gibt an unserem Dach eine Solaranlage.« Darüber hinaus steht den Feiges ein kleines Wärmekraftwerk zur Verfügung, aus dem die Familie etwa ein Drittel ihres Stroms selbst bezieht.

Thomas Feige soll den Hof später einmal übernehmen. »Natürlich sind die Zeiten für die Landwirtschaft nicht einfach«, sagt er, »Aber ich glaube, entweder wird die Wirtschaft in Deutschland so schlecht, dass man froh sein wird, eine Landwirtschaft zu haben, oder es geht wirtschaftlich bald wieder besser.« - »Als Nebenerwerbsbetrieb kommen wir jedenfalls im Moment gut über die Runden«, fügt Vater Herbert hinzu.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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