Himmel und Hölle in einem

Stehende Ovationen für Beethovens »Pastorale«

G.B. Bad Berleburg. Man freute sich auf ein Herbstkonzert, zu dem die Kulturgemeinde Bad Berleburg am Freitagabend ins Bürgerhaus eingeladen hatte. Herbstlich geschmückt war auch die Umrandung des Podiums, auf dem sich die lang entbehrte Philharmonie Südwestfalen mit drei großen Werken hören ließ. »Wir lieben Bad Berleburg, und so haben wir uns entschlossen, das erste Konzert der neuen Spielzeit mit unserem neuen Dirigenten Russell N. Harris hier zu geben«, sagte Konzertmeister Sohei Takahata im Gespräch mit der SZ.

Der Gala-Abend begann mit der Ouvertüre zur Oper »Oberon« des Romantikers Karl Maria von Weber (1786–1826), setzte sich mit dem Klassiker Joseph Haydn in »Konzert für Violoncello und Orchester D-Dur Hob VII. b.2. (1783)« fort und endete mit der Sinfonie Nr. 6 F-Dur op. 68 »Pastorale« von Ludwig van Beethoven, dem atemberaubenden Höhepunkt dieses Konzerts.

Webers Ouvertüre zu »Oberon«, als eines der Meisterwerke der gesamten Musikliteratur gekennzeichnet, beginnt nach langsamer Einleitung und großem Allegro-Satz mit einem romantischen Waldhornruf (Albert Prins, Solist im Ensemble), dem darauf kapriziöser Elfenspuk in kichernden Hornbläsern entgegen tritt. Damit ist das Grundthema der Oper angeschlagen, vielleicht etwas zu langsam, doch homogen in allem, was die gesamte Interpretation anbetrifft, und mit der innigen Klarinettenmelodie (Leonard Lentz, Solo-Klarinette) im romantischen Stil, wirkte auch an diesem Abend der musikalische Zauber einer Märchenwelt.

Das bekannteste unter Haydns Konzertwerken ist sein Cellokonzert, das sich bis heute allgemeiner Beliebtheit erfreut, und ein Paradestück für einen Cellisten geblieben ist. Die Melodik dieses D-Dur-Konzerts ist von außerordentlichem Reiz, mit dem der Part des Cellisten verbunden ist. Eine nicht gerade leichte Aufgabe für den Cellisten Ramon Jaffé, der sie aber mit Hingabe an das Werk gekonnt meisterte. Das fand auch das Publikum. Es hörte mit dem Applaus nicht eher auf, bis sich der Solist mitten in der Veranstaltung zu einer Zugabe bereit erklärte. Zu Gehör kam »Flamenca« von Huguet y Tagel.

Nach der Pause der große Sprung zu Beethovens »Pastorale«, deren Uraufführung 1808 zusammen mit der Schicksals-Sinfonie in Wien stattfand. Unter Beethovens neun Sinfonien nimmt die Pastorale einen besonderen Stellenwert ein. Sie ist die einzige Sinfonie, der Beethoven ein Programm unterlegt. »Erwachen heiterer Empfindungen bei der Ankunft auf dem Lande« steht über dem ersten Allegro, und die Bezeichnung, die Beethoven seiner Sinfonie gab (»mehr Ausdruck der Empfindung als Malerei«) trifft auf das gesamte Werk zu. Für manchen ein beglückendes Wahrnehmen beider Sinne, den des Hörens und den des Sehens. Denn was hier geschah, war mehr als sich denken lässt. Diese Aufführung der »Pastorale« wurde durch den Dirigenten Harris und das gesamte Ensemble zu einer gottverbundenen Natursinfonie. Das war Himmel und Hölle in einem.

Mächtig applaudierte das Auditorium. Schließlich erhob es sich von den Plätzen und spendete minutenlang Beifall. Tief bewegt dankte der Dirigent und wies immer wieder auf das gesamte Orchester hin. Auch der Engländer Russell N. Harris zählt zu den vorzüglichen Beethoven-Interpreten: »Ich liebe (!) Beethoven!«

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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