Höfische Musik

Junge Musiker: Lea Lohmeyer und Andreas Kißling. Foto: ahe

ahe Bad Berleburg. In der Reihe der Schlosskonzerte veranstaltete die Kulturgemeinde Bad Berleburg am Donnerstag einen Kammermusikabend von echter (Hochadels-)Klasse. Lea Lohmeyer und Andreas Kißling zeigten mit ihrem Programm „Musik in Sanssouci“ ihr Können an Musikstücken rund um Friedrich den Großen und die Hohenzollernfamilie.

Die Musiker sind Stipendiaten der Bundesauswahl „Konzerte Junger Künstler“ 2008, die jungen Musikern jedes Jahr am Anfang ihrer Profikarriere zahlreiche Konzerte finanziert. Lea Lohmeyer, die Cembalistin des Abends, studierte Kirchenmusik in Detmold und schloss gerade erst ihre Orgel-Ausbildung in Saarbrücken ab. Seit 2007 ist sie als Kantorin in Bonn tätig. Andreas Kißling studierte Querflöte in Berlin und hat beachtlich viele Preise erhalten und Gastauftritte absolviert. Er war Soloflötist bei den Stuttgarter Philharmonikern, dem Staatsorchester Stuttgart und dem Beijing Symphony Orchester.

Zusammen schlüpften die beiden Musiker an diesem Abend in die Rollen der beiden Geschwister Friedrich und Anna Amalia von Preußen, die trotz der Missbilligung ihres das Militär verherrlichenden Vaters, König Friedrich Wilhelm I., zu zwei exzellent ausgebildeten Musikern heranwuchsen. Der musisch begabte Friedrich nahm heimlich Flötenunterricht bei dem gefeierten Flötisten Johann Joachim Quantz und verfeinerte dabei seine Fertigkeiten im Spiel wie auch in der Komposition.

So eröffnete auch das Duo Lohmeyer/Kißling ihren höfischen Abend auf Schloss Berleburg mit seiner Sonate Nr. 2 in c-Moll. Nach der Pause folgte seine Sonate Nr. 117 in A-Dur, die als eine der schönsten des Preußenkönigs gilt, ist sie doch ohne Fugen rein homophon angelegt.

Außerdem bescherte der Abend zwei Werke von Johann Sebastian Bach, den der Alte Fritz hoch schätzte, auch wenn ihm sein Sohn, Carl Philipp Emanuel Bach, der ab 1738 am preußischen Hof beschäftigt war, bereits damals beim König den Rang abgelaufen hatte. Lea Lohmeyer interpretierte sehr sicher Bachs „Ricercare à 3“ für Cembalo aus dem Musikalischen Opfer BWV 1079. Zusammen spielte das Duo dann Vater Bachs sehr beliebte h-Moll-Ouvertüre BWV 1067 in rasantem Tempo und mit fast kurzem Atem. Dazu kam eine Sonate in F-Dur von Prinzessin Anna Amalia von Preußen, einer Schwester von Friedrich, in der Andreas Kißling sein feines Gespür für die Lautstärken besonders gut herausarbeitete. Und schließlich durfte eine Sonate von Carl Philipp Emanuel Bach, die Sonate in C-Dur Nr. 117, in diesem Repertoire nicht fehlen, ein Werk des jungen Bach, der viele seiner Werke für Prinzessin Anna Amalia komponiert hatte. In der Zeit Friedrichs des Großen wurde noch auf einer Traversflöte gespielt, einer Holzflöte, die umgekehrt konisch geformt war und im Vergleich zu der metallenen Querflöte heute über keine Klappen verfügte. Das ursprüngliche Klangerlebnis im Musiksaal von Schloss Sanssouci muss ein völlig anderes gewesen sein. Andreas Kißling bemühte sich aber auf seinem Instrument um eine authentische Anlehnung, indem er die Töne seiner Querflöte eher etwas weicher und stumpfer klingen ließ.Zur Nachtruhe entließen Lohmeyer/Kißling das Publikum erst nach einer Zugabe, dem Allegro-ma-non-troppo-Satz aus Anna Amalias Sonate in F-Dur. Die wenigen, die das Schlosskonzert besucht hatten, applaudierten dafür umso herzlicher und dankten so für die Idee und die nicht so oft aufgeführten Musikstücke.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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