Neue Figur im Schloss Wittgenstein
Hofdame Henriettes pikante Petitessen

Museums-Moderatorin Gabriele Rahrbach spielt ab Oktober die Hofdame Henriette Friederike von Bülow – eine neue Figur.
  • Museums-Moderatorin Gabriele Rahrbach spielt ab Oktober die Hofdame Henriette Friederike von Bülow – eine neue Figur.
  • Foto: privat
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

howe Bad Berleburg. Wenn Hofdame Henriette mal alles aufs Tapet bringen würde, was sie so gehört hat aus den vier Wänden des Schlosses derer zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg. Ja, wenn sie nur erzählen würde, was sie wüsste – keine Bange, sie wird es ausplaudern. Ganz bestimmt. Mit einem leicht listigen Lächeln würde sie doch gerne einmal das Nähkästchen öffnen. Schließlich haben Graf Casimir und seine Gattin Marie Esther Polyxena von Wurmbrandt-Stuppach die Pforten ihrer Residenz geschlossen. Wir schreiben nämlich das Jahr 1738 und der Umzug ins neue Corps de Logis ist in vollem Gange.

Etliche Rollen gespielt

Henriette hat ein ums andere Mal an den Türen gelauscht, manches Gespräch, manchen Streit und so manches pikante Detail mitbekommen. Gut möglich, dass sie es den Leuten da draußen mitteilt, was Graf und Gräfin zu Sayn-Wittgenstein bewegt. Museums-Moderatorin Gabriele Rahrbach hat sich eine neue Figur ihrer beliebten Schlossführungen ausgedacht. Die Schwarzenauerin glänzt bisweilen in der Rolle des Grafen Casimir, spielt dessen Gattin oder die Hofdame des Fürsten Albrecht. Auch als Johanna Renno aus Schwarzenau begleitete sie die Besucher in die Zeit des 18. und 19. Jahrhunderts. Dabei versprechen die spannenden Titel ihrer humorvollen und geschichtsträchtigen Führungen beileibe nicht zu viel: „Kammerkätzchen und Pistazienpralinen“ nimmt die Leute mit auf eine geschmackvolle Stadt-Tour. Hier erfährt der Besucher nicht nur allerlei Privates aus dem Grafenhaus, sondern darf dazu die feinsten Pralinés genießen. Leider kann Gabriele Rahrbach wegen der aktuellen Pandemie von

Hofdame Henriette ist draußen anzutreffen

„Flohfallen, Puderköpfen und Pomanderkugeln“ im Schloss zurzeit nicht berichten. „Es ist wohl so“, verrät sie im SZ-Gespräch, „dass die Gräfin bis auf Allerweiteres nicht mehr ins Schloss kommt“.
Dafür hat sie sich ein neues Format einfallen lassen – eben die Hofdame Henriette Friederike von Bülow. Die läuft künftig draußen herum. „Eigentlich wollte ich nach der langen Corona-Zeit ganz aufhören“, so die 58-Jährige. „Doch dann habe ich dieses Kleid gesehen. Es hängt immer erst am Kleid, danach kommt die Geschichte“, sagt Gabriele Rahrbach. Jetzt, wo das Schauspiel im Schloss beendet ist, soll die Geschichte aber weitergetragen werden. Außerhalb der Mauern sozusagen. Mit der „Henriette“ schafft die Kulturwissenschaftlerin Gabriele Rahrbach eine neue Figur. „Ich will nicht, dass die Geschichte verschwindet.“ Mit der Henriette von Bülow kommt sie den Wünschen ihrer oftmals etwas älteren Besucher entgegen. „Die Leute müssen jetzt nicht mehr so weit laufen.“ Eben mal am Schloss, zum Turm, ein Stück in den Park zur Orangerie – und dann geht es auch wieder zurück.

Geschichte nicht vergessen

Dennoch erfahren die Besucher in der einen Stunde eine ganze Menge. Zwei Schwestern von Bülow arbeiteten einst als Hofdamen von Casimirs Gattin Marie Esther, wobei von der einen, Johanne Sophie, eigentlich die spannendsten Geschichten erzählt werden können. Sie heiratete den Leibarzt Graf Casimirs, nämlich Johann Samuel Carl. Der wiederum war später sogar als Leibarzt des dänischen Königs tätig. Leider starb Johanne Sophie sehr früh, sodass sie für eine Figur im Repertoire Gabriele Rahrbachs nicht infrage kam. Dennoch soll ihre Geschichte nicht in Vergessenheit geraten. Weil von der zweiten Schwester so gut wie nichts bekannt ist, erfand die engagierte Museums-Moderatorin nun die Henriette. „Es geht unter anderem um Wadenpolster. Und es wird wieder so unverschämt und frech wie sonst“, berichtet Gabriele Rahrbach. Zurzeit feilt sie noch an den Feinheiten ihrer neuen Stadtführung. „Im Anschluss möchte ich diesmal drei bis vier Minuten lang einen kompakten Überblick über die Geschichte geben“, verrät sie.

Mit Andreas von Bülow geschrieben

Noch etwas erfuhr die Siegener Zeitung: Um der mecklenburgischen Uradels-Familie von Bülow auf die Spur zu kommen und etwas über die Hofdamen aus dem 18. Jahrhundert in Erfahrung zu bringen, schrieb Gabriele Rahrbach unlängst mit Andreas von Bülow. Der ehemalige Politiker war im Kabinett von Bundeskanzler Helmut Schmidt bis 1982 Bundesminister für Forschung und Technologie. „Wir haben nett miteinander geschrieben.“ Allerdings habe sie nichts herausfinden können. Andreas von Bülow habe sie vielmehr darum gebeten, ihm mögliche Recherche-Ergebnisse zuzuleiten. Gabriele Rahrbach: „Ich habe ihn nach Bad Berleburg eingeladen.“

Autor:

Holger Weber (Redakteur) aus Wittgenstein

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