Hohe Eigenheimquote in Berleburg

Im Sozialausschuss: Über 60 Prozent der Senioren müssen aber »mit jedem Pfennig rechnen«

Bad Berleburg. Ob die Berleburger Kommunalpolitik nun exakt weiß, worauf es ankommt bei der Seniorenpolitik?

Ein Handlungsschema für die künftigen Herausforderungen lieferte der Vortrag von Walter Asam bewusst nicht, wohl aber interessanten Diskussionsstoff für die Fraktionen. Der Mann vom Institut für Kommunale Sozialökonomie der IKOS-Consult GmbH referierte am Donnerstagabend im Berleburger Sozialausschuss über die Lebens- und Versorgungslage der Senioren in Bad Berleburg. Grundlage für die Feststellungen des Kommunalberaters waren die Auswertungsergebnisse der Repräsentativbefragung im Kreis Siegen-Wittgenstein im Jahr 2004. Dahinter wiederum steht die vom Kreis angestoßene »Zukunftsinitiative 2020«. Im Bad Berleburger Stadtgebiet seien 864 Menschen mit einem Mindestalter von 60 Jahren angeschrieben worden, 445 Briefe seien zurückgekommen und ausgewertet worden. »Eine überdurchschnittliche Quote«, fand Asam, dies zeige, dass das Thema die Menschen durchaus beschäftige. Der Kommunalberater vertrat die Auffassung, dass der viel genutzte Begriff des demographischen Wandels eigentlich einer Verharmlosung gleichkomme, angesichts der Entwicklung der Altersstruktur in Deutschland müsse vielmehr von »einer kleinen Revolution« gesprochen werde.

Die Berleburger Senioren wurden nach verschiedenen Kriterien befragt: Wohnen und Haushaltsausstattung, Mobilität, soziale Infrastruktur, Hilfs- und Pflegeangebote, Aktivitäten und Kontakte, soziale Vernetzung und bürgerschaftliches Engagement sowie zur Lebenszufriedenheit.

Zum Vergleich zog Walter Asam eine Befragung im Kreisgebiet aus dem Jahr 1991 heran. Und kam zu dem Schluss, dass sich nach Einführung der Pflegeversicherung die Zahl der Verunsicherten auch in Bad Berleburg verdreifacht habe. Über 20 Prozent der Berleburger könnten derzeit keine Antwort auf die Frage geben, wer sie im Falle einer Pflegebedürftigkeit einmal pflegen werde. Diese Schlussfolgerung hielt Dietmar Beuter (SPD) für gefährlich, denn viele Menschen, die 60 Jahre alt seien, hätten sich mit diesem Thema noch überhaupt nicht beschäftigt. Daher seien die Antworten nicht gerade überraschend.

Bad Berleburgs Bürgermeister Bernd Fuhrmann relativierte einige Aussagen des Beraters im Bereich der sozialen Infrastruktur. In Wittgenstein würden beispielsweise die Begrifflichkeiten von Altenclub und Altenbegegnungsstätte etwas anders definiert als es das Institut darstelle. Auffallend sei, so Walter Asam, dass in Bad Berleburg noch viele ältere Menschen gemeinsam mit ihrem Partner lebten und über eine überdurchschnittlich hohe Eigenheimquote verfügten: »Die Haushalte sind komplett ausgestattet«, allerdings werde von einigen Senioren angeführt, dass das Wohnraumangebot zu groß sei.

Die Senioren in der Region seien im Freizeitbereich deutlich aktiver geworden, erläuterte der IKOS-Mitarbeiter. Asam gab den Zuhörern mit auf den Weg, »in die Ortsteile hinein zu gehen, aus dem Dorf heraus zu denken«. Den Vereinen in Bad Berleburg bescheinigte er »ein Riesenpotenzial«. Unter dem Strich wurde die Frage nach der Lebenszufriedenheit gestellt. Demnach sei jeder zweite Befragte in der Odebornstadt zukunftsorientiert, auf der anderen Seite müssten über 60 Prozent »mit jedem Pfennig rechnen«. Über 70 Prozent bereite die Überlegung Sorge, anderen Menschen zur Last zu fallen. Selbstständigkeit im Alter fänden über 95 Prozent der befragten Berleburger Senioren wichtig.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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