»Ihr braucht Beruf a, b, c und d«

BIZ-Mobil der Agentur für Arbeit ist derzeit in der Bad Berleburger Realschule vor Ort

vg Bad Berleburg. Das BIZ-Mobil macht derzeit wieder Station in der Realschule am Stöppel in Bad Berleburg. Bei einem Pressegespräch skizzierten jetzt Arbeitsvermittler Thomas Weiß, Jan Crepon, Pressesprecher der Agentur für Arbeit Siegen, und Rainer Müller, Geschäftsstellenleiter der Agentur für Arbeit in Bad Berleburg, aktuelle Probleme und Fragestellungen, wobei auch das Wort–»Zukunftsangst« nicht unter den Tisch gekehrt wurde. Zu Beginn des vergangenen Ausbildungsjahres habe sich für Wittgenstein bedauerlicher Weise folgendes Verhältnis ergeben: »Wir hatten 163 offene Ausbildungsstellen aber 334 gemeldete Bewerber«, stellte Jan Crepon fest. Bis zum Jahresende habe man jedoch das Verhältnis korrigieren können: »Hinterher waren es nur noch fünf Jugendliche, die keine Lehrstelle mehr bekommen konnten.« Alle anderen seien vermittelt worden, nicht aber allein in Wittgenstein.

»Wir haben hier in Wittgenstein sehr gute Ausbildungsplätze und sehr gute Unternehmen, die auch gerne ausbilden«, stellte Thomas Weiß die Situation vor Ort dar, »aber es sind eben zu wenige.« Daher solle das Thema »Mobilität« stärker innerhalb der Familien angesprochen werden. Man müsse mittlerweile Schülern aus Wittgensteiner Ortschaften klarmachen, dass sie sich auch ins benachbarte Hessen oder Siegerland bewerben und gegebenenfalls auch dort hinziehen sollten. »Auszubildende müssen einfach mobiler werden«, so der Arbeitsvermittler. Und noch eines legte er den Jugendlichen ans Herz: »Heutzutage darf man sich nicht mehr auf einen einzigen Berufswunsch versteifen: Ich sage den jungen Leuten: Ihr braucht heutzutage Beruf a, b, c und d.« Flexibilität sei daher gefragt. Der Arbeitsvermittler machte dies an einem Beispiel deutlich. Er müsse beispielsweise einen Schüler enttäuschen, der mit dem strengen Vorsatz zu ihm kommen würde, Florist in Wittgenstein zu werden: »Es gibt hierfür nämlich so gut wie keinen Ausbildungsplatz in der Region.« Ziel der Mitarbeiter des BIZ-Mobils sei es in diesem Zusammenhang, gemeinsam mit dem Arbeitssuchenden Alternativen zum eigenen Berufswunsch zu finden.

Hilfreich für die spätere Berufswahl seien vor allen Dingen auch berufsvorbereitende Maßnahmen, die man für 2007 erstmals in Wittgenstein vor Ort anbieten könne: »Bislang mussten einige Wittgensteiner Schüler dafür immer nach Siegen fahren«, so Thomas Weiß. Mit dem Christlichen Jugenddorf (CJD) Birkelbach aber habe man einen Bildungsträger gefunden, der Ausbildungsstellen vor Ort vermitteln würde – in Wittgenstein: »Das betrifft vor allem das Berufsfeld Metalltechnik aber auch Lager, Handel und Logistik«, sagte Rainer Müller. Zurzeit seien noch 60 Schüler in diesen Maßnahmen eingesetzt, 20 davon müssten zwischen Siegen und Wittgenstein pendeln.–»Aber ab nächstes Jahr wird das anders«, versicherte Thomas Weiß.

Womit man jedoch auch in Zukunft rechnen müsse, seien geburtenstarke Jahrgänge, die gerade 2008 auf den Arbeitsmarkt drängen werden – »und das macht mir Angst«, so Thomas Weiß, gerade auch im Hinblick auf die Tatsache, dass die Ausbildungsplätze in der Region sich nicht einfach vervielfachen würden. Und gerade hier setze auch die Arbeit des BIZ-Mobils an. Thomas Weiß steht beispielsweise den Bad Berleburger Realschülern der Klasse Neun von jetzt an bis zum letzten Schultag unentwegt zur Verfügung, was ihre spätere Berufswahl angeht. »Ich verstehe mich als Team-Player«, sagte er, er wolle den Jugendlichen allem voran eines vermitteln: »Ihr seid nicht allein.«

Noch bis Freitag, 10. November, will der Berufsberater in der Realschule alle Schüler der Sekundarstufe II informieren, dabei werden auch andere Real- und Hauptschulklassen zu ihm kommen. »Das BIZ-Mobil steht aber auch sonst allen anderen zur Verfügung, die arbeitslos sind und eine Stelle suchen«, so Thomas Weiß. Nachmittags ist es von 13.30 bis 16 Uhr geöffnet. »Leider stellen wir immer häufiger fest, dass das Interesse der Eltern an der Berufswahl ihrer Kinder nicht mehr so groß ist, wie es einmal war«, so Thomas Weiß, »daher ist es mir persönlich sehr wichtig, dass auch Eltern mit zum BIZ-Mobil kommen.« Dem stimmte auch Rainer Müller zu: Es sei wichtig, dass sich gerade die Eltern in das ganze Problemfeld »Stellensuche« mit einschalten würden, um ihre Kinder auch entsprechend unterstützen zu können.

Bei der Einführungsveranstaltung zum BIZ-Mobil in der Realschule begaben sich die Schüler der Klasse Neun jedenfalls schon einmal auf erste Stellensuche. Auch Larissa Leopold und Shirley Leopold setzten sich vor die PC's und durchstöberten das entsprechende Textmaterial: »Ich interessiere mich für den Bereich Zahnärztin«, sagte Larissa Leopold, Mitschülerin Shirley suchte sich das entsprechende Material zum Thema »Hotelfachfrau« heraus. »Ich habe mich aber nicht nur auf den Beruf Zahnärztin festgelegt«, fügte Larissa hinzu, die sich auch vorstellen kann, ein Austausch-Jahr zu machen. Das Thema »Mobilität« wird demnach von den Schülern durchaus ernst genommen.

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