Im Dirndl - aber weder himmelblau noch rosarot

Kustodin Rikarde Riedesel, Autorin Andrea Maria Schenkel und Agentin Ira Scheiding hatten in ihrer geballten Fraulichkeit keine Bedenken, auch mal in den dunkleren Ecken des Berleburger Hofs Rüsselsbach zu posieren. Foto: jg
  • Kustodin Rikarde Riedesel, Autorin Andrea Maria Schenkel und Agentin Ira Scheiding hatten in ihrer geballten Fraulichkeit keine Bedenken, auch mal in den dunkleren Ecken des Berleburger Hofs Rüsselsbach zu posieren. Foto: jg
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jg Wemlighausen. Tannöd – gerade mal sechs Buchstaben hat diese Vokabel, die Krimi-Fans in ganz Deutschland seit rund zwei Jahren mit Ehrfurcht aussprechen. Allerdings zumeist falsch, hier muss nämlich nicht auf der ersten, sondern auf der zweiten Silbe betont werden. Das hörten 270 Zuhörer am Mittwochabend aus berufenem Munde: Denn im Wemlighäuser Hof Rüsselsbach las mit Andrea Maria Schenkel die Autorin des Krimis, der vor allem aufgrund seiner literarischen Qualität und atmosphärischen Dichte gelobt wurde.

Und damit ist die Frau aus der Oberpfalz zu dem Bauernhaus gekommen, wo ihr schmaler Roman-Erstling verfilmt worden ist. Dass die leidenschaftliche Bayerin in den hohen Norden Wittgensteins kam, war zudem einer zweiten Tatsache zu danken: Ihre Agentin ist Ira Scheidig, deren Großeltern haben einst in Berleburg gewohnt, so dass sie sich vehement für diese Lesung jot-we-de der großen Zentren und Autobahnen einsetzte. Wobei der Lesungsort dann selbst für Wittgensteiner Verhältnisse recht abseits lag. Ein wohlorganisierter Pendelbus-Verkehr brachte die Zuhörer zum weißen Festzelt, das als kleiner Stilbruch dem alten, verfallenen Wittgensteiner Bauernhaus vorgelagert war.

Stilsicher hingegen Andrea Maria Schenkel: Als Zehnjährige habe sie das letzte Dirndl gehabt, doch eigens für diese Lesung habe sie sich jetzt noch einmal eins gekauft. Es kam jedoch etwas flippiger daher. Das sei ihr wichtig, dass es weder „himmelblau“ noch „rosarot“ sei. Denn auch ihre Bücher sind alles andere als pastellfarben, wie die Zuhörer bei der Lesung deutlich vernehmen konnten. Vier Textstellen hatte Rikarde Riedesel, die die arbeitsintensive Veranstaltung seitens der Berleburger Stadtverwaltung organisiert hat, für die Lesung ausgesucht. Schon mit diesen Passagen zog die professionell lesende Andrea Maria Schenkel ihre Zuhörer in die aus vielen Gründen grausame Geschichte. Ihr akustisches Meisterstück lieferte die Schriftstellerin dann mit einer ihrer eigenen Lieblingsstellen ab. Als man die Sätze der eifernden Pfarrersköchin Maria Lichtl von ihr hörte, sah man quasi den Schaum vorm Mund von Andrea Maria Schenkel und die Selbstgerechtigkeit in ihren Augen blitzen. Der anschließende brausende Beifall nahm seinen Ausgang übrigens bei einem Pfarrer im Publikum, was auch immer das bedeuten mag.

Am Ende waren alle begeistert, für jeden hatte sich der weite Weg gelohnt. Und man war gespannt, was für Geschichten die Autorin, die derzeit an ihrem vierten Roman schreibt, wohl noch zu erzählten hat. Und wie der Fim „Tannöd“ wird, wieviel Wittgenstein in dieser bayerischen Geschichte stecken wird. Im Herbst kommt der Film in die Kinos – und auch hier wird die zweite Silbe betont.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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