SZ

Wittgensteiner Wisente finden weltweit Beachtung
In der nationalen Liste nicht drin

Die aktuelle Rote Liste gefährdeter Arten führt die Wittgensteiner Wisente in Deutschland wegen der rechtlichen Unklarheiten nicht auf. International hat sie die Weltnaturschutzunion aber mitgezählt und ihre Gefährdung herabgestuft.
  • Die aktuelle Rote Liste gefährdeter Arten führt die Wittgensteiner Wisente in Deutschland wegen der rechtlichen Unklarheiten nicht auf. International hat sie die Weltnaturschutzunion aber mitgezählt und ihre Gefährdung herabgestuft.
  • Foto: Archiv
  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

howe Bad Berleburg. Wenn irgendwo Wisente in der Zeitung auftauchen, wird man in Wittgenstein hellhörig. So veröffentlichte die Siegener Zeitung in ihrer Ausgabe am Dienstag auf der Seite „Natur“ die Ergebnisse der alljährlichen Bilanz des bekannten Umweltschutzverbands WWF, der das Tierreich in die beiden einfachen Kategorien „Gewinner“ und „Verlierer“ einteilt. Kurz gesagt: Wer nahezu vom Aussterben bedroht ist, wie etwa der europäische Feldhamster, Störe oder der Makohai, zählt zu den Verlierern.
Wisente sind GewinnerDagegen dürfen sich Elche, Seegurken, die Spitzmausnashörner und die Wisente zu den Gewinnern zählen. Die Wisente? Die positive Entwicklung habe die Rote Liste 2020 mit einer Herabstufung der Gefährdungskategorie quittiert, heißt es.

howe Bad Berleburg. Wenn irgendwo Wisente in der Zeitung auftauchen, wird man in Wittgenstein hellhörig. So veröffentlichte die Siegener Zeitung in ihrer Ausgabe am Dienstag auf der Seite „Natur“ die Ergebnisse der alljährlichen Bilanz des bekannten Umweltschutzverbands WWF, der das Tierreich in die beiden einfachen Kategorien „Gewinner“ und „Verlierer“ einteilt. Kurz gesagt: Wer nahezu vom Aussterben bedroht ist, wie etwa der europäische Feldhamster, Störe oder der Makohai, zählt zu den Verlierern.

Wisente sind Gewinner

Dagegen dürfen sich Elche, Seegurken, die Spitzmausnashörner und die Wisente zu den Gewinnern zählen. Die Wisente? Die positive Entwicklung habe die Rote Liste 2020 mit einer Herabstufung der Gefährdungskategorie quittiert, heißt es. Ob die hiesige Herde im Rothaargebirge zu der positiven Entwicklung beigetragen hat? Genau das wollte die SZ herausfinden und startete die Recherchen, die zunächst – für den Laien – etwas ernüchternd ausfielen. Denn beim Blick in die Rote Liste 2020, die das Bundesamt für Naturschutz (BfN) verwaltet und gerade druckfrisch herausgegeben hat, wird klar: Die Wisente in Wittgenstein spielen bei der Zählung der Arten gar keine Rolle. Nach den Vorgaben der Rote-Liste-Methodik des BfN erfülle das Vorkommen nicht die „populationsbiologischen Etablierungskriterien“.

Tiere rechtlich nicht wild und herrenlos

Heißt im Klartext: Solange die Erprobungsphase des Projekts in Bad Berleburg laufe, gelten die Tiere auch rechtlich nicht als wild und herrenlos. Das BfN trägt also mit seiner Entscheidung, die Wittgensteiner Wisentherde zunächst einmal außen vor zu lassen, den laufenden Gerichtsverhandlungen auf hochrichterlicher Ebene Rechnung.
Für die wissenschaftliche Koordinatorin des Auswilderungsprojekts im Rothaargebirge, Kaja Heising, ist die Erklärung des BfN plausibel. Es handele sich hier um einen rein formalen Prozess, warum der BfN die heimischen Wisente im nationalen Bericht „nicht drin hat“. Die Art werde in allen Parametern als „unbekannt“ bewertet. Es müsse eben abgewartet werden, wie es sich mit der Herrenlosigkeit verhalte, ob die Wisente hier bleiben dürften oder nicht. „Aber die Wisente in Wittgenstein werden genannt“, merkt Kaja Heising an. „Das ist ein riesengroßer Erfolg.“

Wittgensteiner Wisente international gewertet

Die Biologin klärt in der Sache weiter auf: Denn bei der Roten Liste müsse man zwischen der nationalen, also deutschen, und der internationalen unterscheiden. National sind die Wittgensteiner Wisente durch das BfN gelistet, aber aus den genannten Gründen nicht gewertet. International dagegen sehr wohl. Die Rote Liste der International Union for Conservation of Nature (IUCN) bildet die internationale Gesamtpopulation aller Wisente ab.
Die Weltnaturschutzunion IUCN ist auch diejenige Organisation, die die Wisente in ihrer Roten Liste von „gefährdet“ auf „potenziell gefährdet“ heruntergestuft hat. „Hier sind unsere Wisente drin“, weiß Kaja Heising. Insofern tragen die internationalen Experten dem in Westeuropa einzigartigen Auswilderungsprojekt Rechnung. Die Wisente in Wittgenstein werden wahrgenommen.
Kaja Heising weiß übrigens zu berichten, dass unter den weltweit 6244 gezählten Tieren nicht nur die freilebende Wisent-Herde berücksichtigt worden ist, sondern auch die Tiere der Nachzuchten aus dem Gehege bei Wingeshausen. „Das haben wir erfolgreich gemacht. Unsere Tiere sind nach Osteuropa gekommen.“

Autor:

Holger Weber (Redakteur) aus Wittgenstein

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

6 folgen diesem Profil
Themenwelten
Die Siegener Zeitung begrüßt den Lenz mit einem Sonder-Abo: Sparen Sie drei Monate lang mit unserem Frühlings-Abo.

SZ+ informiert schnell und gut
Mit dem Frühlings-Abo drei Monate sparen

Der Frühling hat - kalendarisch- begonnen und die Siegener Zeitung begrüßt den Lenz mit einem Sonder-Abo: Sparen Sie drei Monate lang mit unserem Frühlings-Abo. Verlässliche Informationen trotz unruhiger Corona-LageIn diesem einmal mehr besonderen Jahr sehnen sich viele Menschen noch mehr nach den ersten Frühlingsboten. Ist doch mit den steigenden Temperaturen, den kräftiger werdenden Sonnenstrahlen und dem Aufblühen der Natur im zweiten Jahr der Corona-Pandemie noch mehr Hoffnung verbunden als...

Kommentare

Kommentare sind deaktiviert.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen