Initiatoren wollen Mahnmal schützen

Veranstalter bereiteten Demonstration nach – Auch anderer Opfer soll gedacht werden

Bad Berleburg. Rund 1200 Bürger zählte der Demonstrationszug gegen Rechtsradikalismus und Ausländerfeindlichkeit, zu der im Namen der Stadt Bad Berleburg zahlreiche Gruppen und Organisationen aufgerufen hatten. Das entspricht rund fünf Prozent der Bevölkerung der Kommune. Zu den Initiatoren gehörten neben der Stadt alle politischen Parteien, alle Schulen, evangelische und katholische Kirche, Kulturgemeinde, Deutscher Gewerkschaftsbund, Initiative „Frauen für Menschenrechte” sowie die Bürgerinitiative zum Gedenken an die Greueltaten des Naziregimes.

Zufrieden auf Protestmarsch geblickt

Zur Nachbetrachtung trafen sich jetzt beim Kirchenkreis Wittgenstein an der Schlossstraße 13 Vertreter der Gruppen, die den Veranstaltungs-Aufruf unterzeichnet hatten, aber auch andere interessierte Bürger. Ziel des Treffens war es aber nicht nur, Rückschau zu halten, sondern gemeinsam weitere Projekte in Angriff zu nehmen, um geschlossen gegen Rechtsradikalismus und Rassismus aktiv zu werden. Pfarrer Johannes Weissinger, Moderator an diesem Abend und Initiator im Namen der evangelischen Kirchengemeinde, zeigte sich zufrieden mit dem Ergebnis der Gedenkveranstaltung.

Lob kam von Staatsschutz und Polizei

Auch Rikarde Riedesel, Archivarin und Vertreterin der Verwaltung, hatte als Organisatorin im Auftrag der Stadt Bad Berleburg durchweg positive Kritiken von Seiten des Staatsschutzes und vom polizeilichen Einsatzleiter bekommen. Die Polizei sei vor allen Dingen davon begeistert gewesen, wie viele junge Menschen der Demonstration beigewohnt hätten. Riedesel wünschte sich allerdings für die Zukunft eine ausgefeiltere Planung derartiger Veranstaltungen, obwohl sie sich über zahlreiche „hilfreiche Geister unter allen Beteiligten” gefreut hatte.

Gruppe fühlte sich verantwortlich

Wie eine weitere Arbeit aussehen kann, überlegten die Anwesenden im zweiten Teil des Abends. Dabei nahm das jüdische Mahnmal im Berlebach einen großen Raum ein. Die Anwesenden diskutierten verschiedene Möglichkeiten, wie es in Zukunft vor Vandalismus zu schützen sei. Deutlich wurde, dass die Gruppe sich wie viele andere Bürger für das Denkmal verantwortlich fühlt und sich für den unversehrten Erhalt stark einsetzen wird. Rikarde Riedesel berichtete, dass sie Prof. Dr. Lucie Weinstein über die Schändung informiert hätte und diese sehr betroffen gewesen sei.

Nicht nur Juden wurden verfolgt

Einen anderen Aspekt warf Günther Matthes als Vertreter der Bürgerinitiative zum Gedenken an die Greueltaten des Naziregimes in die Diskussion. Matthes erinnerte an die Worte Weinsteins, die anlässlich der Einweihung des Mahnmales deutlich gemacht hatte, dass nicht nur 54 jüdische Mitbürger, sondern auch 144 Berleburger, die den Manischen, Jenischen und anderen Opfergruppen zuzurechnen waren, diskriminiert und ermordet worden seien.

Gedenktafel könnte im Park stehen

Matthes berichtete von einer Eingabe seiner Initiative an die Stadt, auch diese Gruppen zu ehren. Er dachte daran, die Gedenktafel, die sich in der Friedhofskapelle befindet, auf einem Naturstein im Rathauspark anzubringen, um sie so der Öffentlichkeit näherzubringen. Zudem sei der Rathausplatz ein Ort gewesen, von wo aus die Menschen deportiert worden seien. Hier soll weiter der Kontakt mit der Verwaltung gesucht werden, die Anwesenden bewerteten den Vorschlag als positiven Ansatz.

Zwei Ausstellungen im Frühjahr geplant

In diesem Zusammenhang wies Rikarde Riedesel auf zwei Ausstellungen hin, die bereits in Siegen stattfanden und im Frühjahr auch in Bad Berleburg zu sehen sind. In den Räumen des Kreiskirchenamtes wird zum Thema „Verfolgung und Verwaltung” die aktive Teilnahme der Finanzverwaltung bei der Enteignung jüdischen Eigentums verdeutlicht. Zeitnah dazu ist eine Ausstellung im Museum der Stadt Bad Berleburg geplant, die sich mit den jenischen und manischen Bürgern besonders im Hinblick auf die 30er und 40er Jahre beschäftigt.

Auftrag an Historiker nicht beschlossen

Johannes Weissinger machte deutlich, dass der Rat im Zuge der Genehmigung des Mahnmales im Oktober 1998 befürwortet habe, einen Historiker mit der Erforschung der jüdischen Geschichte in Bad Berleburg zu beauftragen. Der Beschluss sei damals allerdings vertagt worden. Weissinger wünschte sich seine Verwirklichung. Die Anwesenden diskutierten weitere Ideen. So dachte Weissinger an eine neutrale Anlaufstelle, an die sich Bürger vertrauensvoll wenden könnten, um sich über eventuelle entsprechende Probleme auszusprechen.

Viel Aufklärungsarbeit erforderlich

Martina Schady-Singmann überlegte, eine feste Gruppe einzurichten, die Veranstaltungen organisieren solle. Einig waren sich die Bürger darüber, dass besonders im Jugendbereich viel Aufklärungsarbeit zu leisten sei, um braunes Gedankengut zu stoppen. Dies könne im Rahmen des Schulunterrichtes oder in Zusammenarbeit mit der Stadtjugendpflege geschehen. Ein weiteres Treffen ist für Montag, 15. Januar, geplant.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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