Sehr hohe Instandhaltungskosten
Investition in Zukunft ist nicht mehr rentabel

Die Pelletheizung im Berufskolleg Wittgenstein in Bad Berleburg ist nicht mehr wirtschaftlich. Bis auf Weiteres ist dennoch kein Austausch der Anlage geplant. Foto: Timo Karl
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tika Bad Berleburg. Als das Berufskolleg Wittgenstein (BKW) in Bad Berleburg im Jahr 2006 eine Pelletheizung in Betrieb nahm, hatte diese Investition Signalwirkung. Damals ließ der Kreis Siegen-Wittgenstein immerhin 385 000 Euro in die Bildungseinrichtung in der Odebornstadt fließen. Die 26 Jahre alte gasbefeuerte Doppelkesselanlage hatte damit ausgedient.

„Das Berufskolleg ist ein wichtiger Pfeiler der Bildungsstruktur Wittgensteins“, erklärte der damalige Landrat Paul Breuer, der die Anlage gemeinsam mit dem einstigen BKW-Schulleiter Karl Heinrich Bremer offiziell in Betrieb genommen hatte. Ein Meilenstein für die Schule und zugleich ein wichtiges Standortbekenntnis. Hintergrund war nicht zuletzt auch die energetische Sanierung des Gebäudes, die die Ausbildung in Wittgenstein zukunftssicher und zugleich auch kosten- und ressourcenschonend gestalten sollte. Der Raum dafür war derweil vorhanden, denn neben der Pelletheizung selbst war auch ein 120 Kubikmeter großes Lager vorhanden – dort, im ehemalige Öllagerraum, waren fortan die Holzpellets untergebracht.

Im Rahmen einer Kreisausschusssitzung im vergangenen Februar allerdings hatte das Gremium die Kreisverwaltung beauftragt, die Wirtschaftlichkeit der Pelletheizung im BKW zu überprüfen – auch vor dem Hintergrund, dass der Kreis im Jahr 2007 im Berufskolleg AHS in Siegen eine neue Gasheizung installiert hatte. Und was ist draus geworden?

Das Ergebnis für die Pelletheizung im BKW fällt durchaus vernichtend aus, die Instandhaltungs- und Wartungskosten für die gesamte Anlage – bestehend aus Gas- und Pelletkessel – sind alles andere als wirtschaftlich. Die Kosten dafür liegen laut einer Diskussionsvorlage für den Bau- und Verkehrsausschuss des Kreises Siegen-Wittgenstein bei durchschnittlich 9267 Euro pro Jahr. Laut der Vorlage, über die das Gremium in seiner kommenden Sitzung am Mittwoch, 12. Juni, um 17 Uhr im Kreishaus in Siegen diskutieren soll, schwanken diese Kostens pro Jahr zwischen 3000 und 20 000 Euro. Will heißen: Die einstige Investition in die Zukunft ist inzwischen nicht mehr rentabel. Aber: Einen Umbau empfiehlt die Kreisverwaltung zumindest kurz- und mittelfristig trotz der vergleichsweise hohen Kosten nicht.

„Aufgrund der aktuell erneuten sehr hohen Instandhaltungskosten wurden Angebote bezüglich eines Umbaus der Pelletanlage zur Gas-Brennwertanlage eingeholt. Die Kosten liegen bei Weiternutzung der aktuellen Gasanlage bei rund 130 000 Euro (brutto) für die Heizungsanlage. Hinzu kommen Erd- und Maurerarbeiten die geschätzt bei 35 000 Euro (brutto) liegen, da der Keller für so große Geräte nicht zugänglich ist“, heißt es in der Vorlage. Da diese Gegenüberstellung „einen leichten preislichen Vorteil der Pelletheizung ergibt, ist zunächst zu empfehlen, die Pelletheizung weiter zu betreiben“. Ein Austausch der Heizungsanlage wäre demnach in etwa zehn bis 15 Jahren denkbar – und sei vor dem Hintergrund der dann herrschenden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen dann erneut zu bewerten. Denn klar ist, dass der Umbau im Jahr 2006 vor den zu dieser Zeit gegebenen Rahmenbedingungen geschah.

„Im Gesamten kann gesagt werden, dass der preisliche Vorteil der Pellets in der Historie vorhanden war, aktuell jedoch nahezu kein preislicher Vorteil der Pellets mehr sichtbar ist. Es ist schwierig, den Gaspreis für die Zukunft vorherzusagen. Grundsätzlich ist damit zu rechnen, dass dieser in der Zukunft wieder steigt und Pellets als Brennstoff wieder attraktiver werden könnten“, heißt es in der Vorlage. Der Gaspreis schwankte in den betreffenden Jahren bislang zwischen 4,50 und 7,59 Cent pro Kilowattstunde, der für Pellets blieb mit 3,47 bis 4,61 Cent pro Kilowattstunde relativ konstant – in dieser Hinsicht war die Pelletheizung also zumeist im direkten Vergleich günstiger.

Aber: Dass eine Gasheizung inzwischen grundsätzlich im Vergleich zu der Pelletheizung insgesamt niedrigere Gesamtkosten verursacht, belegt die Verwaltung wiederum mit der Gegenüberstellung der laufenden Kosten der Heizungen in Bad Berleburg und Siegen. Während die Wartungs- und Instandhaltungskosten im Schnitt 0,75 Cent pro Kilowattstunde betragen, liegen sie bei der Anlage in der Kreisstadt bei gerade einmal 0,24 Cent pro Kilowattstunde. Und dies, obwohl die Heizung sogar überdimensioniert ist – ursprünglich sollte sie die Kreisturnhalle mit beheizen, die Verlegung einer Fernwärmeleitung erwies sich allerdings als nicht wirtschaftlich. Grund für die massiven Unterschiede der Wartungs- und Instandhaltungskosten sind die unterschiedlichen notwendigen Maßnahmen.

Während bei einer Gas-Brennwertanlage lediglich eine jährliche Wartung der Anlage und die Reinigung notwendig ist, ist der Aufwand bei einer Pelletanlage ungleich höher. In verschiedenen Abständen – von wöchentlich bis hin zu Maßnahmen nach mehreren Jahren – ist etwa die Entsorgung der Asche, die Reinigung des Pelletkessels von Asche und Staub, aber auch der Austausch der Ascheschnecke aufgrund von Verschleiß notwendig. Hinzu kommen die allgemeine Wartung, der regelmäßige Austausch des Hydrauliköls, die Außerbetriebnahme und zusätzliche Reinigung für die Prüfung durch den Schornsteinfeger sowie die erneute Inbetriebnahme, die Erneuerung der Prallmatten im Pelletlager, die Ausmauerung des Pelletofens von innen, der Austausch der Gussroste und des Rollenbocks mit Schubgestell und die pneumatische Abreinigung des Heizkessels.

Autor:

Timo Karl (Redakteur) aus Erndtebrück

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