Jeden Morgen schaut Max vorbei

Saskia van Rooij und Frank Lindner wohnen gerne in ihrer eigenen Oase in Christianseck

vg Christianseck. Jeden Morgen bekommen Frank Lindner und Saskia van Rooij einen besonderen Besuch. »Jeden Morgen kommt er an die Küchentür«, sagt Saskia van Rooij und schmunzelt. Die Rede ist von Max. Seit vielen Jahren gehört Max zu den Bewohnern des alten Bauernhauses in Christianseck, das man das »alte Hackenbracht'sche Haus« nennt. »Er hört sogar auf seinen Namen, wenn ich ihn rufe.« Und tatsächlich: Kaum hat Saskia van Rooij die Küchentür geöffnet, kommt es auch schon wie aus dem Nichts angeschossen: das schwarze Kaninchen Max.

Seit einigen Jahren wohnen Frank und Saskia in dem Bauernhaus. »Ich bin gebürtiger Sachse«, sagt Frank Lindner, »geboren wurde ich in Chemnitz, und Saskia kommt aus Holland. Über große Umwege sind wir irgendwann ins Wittgensteiner Land gekommen.« Zunächst wohnte das Paar in Raumland. »Irgendwann aber fand Frank eine Annonce in der Zeitung«, erinnert sich Saskia van Rooij, »darin war von einer Mietwohnung in einem Bauernhof bei Christianseck die Rede. Wir fuhren einfach mal dort hin, um uns das Ganze anzuschauen.«

»Ich erinnere mich noch genau: Als ich das Haus betrat, dachte ich mir, es ist schön hier, aber hier müssen wir noch einiges verändern«, sagt Frank Lindner. »Ich fragte schließlich, ob wir die Wohnung nicht einfach kaufen könnten.« Der Besitzer bat sich Bedenkzeit aus: »Ein paar Tage später kam der Mann zu uns mit der Frage, ob wir nicht gleich das ganze Haus kaufen wollten.« – »Da haben wir natürlich erst mal geguckt«, fügt Saskia van Rooij hinzu,–»zumal Frank zu dieser Zeit noch arbeitslos war.« – »Aber ich hatte eine Stelle in Aussicht«, erinnert sich Frank Lindner.

Kurzum, das Haus wurde gekauft.–»Es gab zwar anfangs noch ein paar Probleme mit der Bank, aber wir haben dann doch alles geregelt.« Dennoch, Bedenken hatten die beiden schon: »Nach der Unterzeichnung des Vertrages haben wir erst mal vor dem Haus gestanden und nur geheult«, erinnert sich Frank,–»wir dachten, jetzt haben wir uns bis ans Lebensende verschuldet.« Doch man ließ sich schließlich nicht entmutigen: »Es ist doch alles im Grunde wie beim Klettern, man muss manchmal einfach was riskieren, um nach oben zu kommen«, stellt Frank Lindner fest.

Mittlerweile arbeitet der 52-Jährige bei der Wittgensteiner-Kliniken-AG als Fachkraft für Arbeitssicherheit: »Ich bin in der ganzen Bundesrepublik für zwölf Kliniken unterwegs«, sagt er. Und auch Saskia van der Rooij ist beruflich stark eingebunden. Sie ist Diplom-Psychologin und hat sich im Bereich Organisation und Personal-Entwicklung selbstständig gemacht. »Finanziell haben wir also keine Probleme«, sagt Frank Lindner, »ich denke, das hängt auch mit unserer Einstellung zusammen, die uns bislang immer voran gebracht hat.«

Gemeinsam mit Frank und Saskia wohnen noch deren beiden Söhne Joris und Laurens in dem Bauernhaus: »Und wir haben noch eine Mieter-Familie, die bei uns wohnt und unseren Au-Pair Ilja, der auf die Jungs aufpasst«, so Saskia van Rooij. Da das Elternpaar beruflich überwiegend in Großstädten arbeiten muss, kommt jede Rückkehr in das Bauernhaus immer einer Erholung gleich: »Das hier ist unsere Oase«, lächelt Saskia van Rooij und macht es sich in ihrer Lieblingsecke vor dem kanadischen Holzfällergrill bequem: »Hier lese ich immer«, sagt sie. »Ja, das Problem ist nur, dass ich auch gern in der Ecke sitze und lese«, grummelt Frank.

Hier, in den großen Räumen des alten Bauernhauses, hat man sich im Laufe der Zeit sehr schön eingerichtet: Die Kinder haben ihren eigenen »Trakt«, Frank besitzt ein Zimmer, in das er sich ganz zurückziehen und Ruhe tanken kann. Es gibt eine geräumige Küche, ein Wohnzimmer und einen Stall. Den hat Frank Lindner mit der Zeit zu besonderen Werkräumen umfunktioniert. So gibt es unter dem alten wuchtigen Dachgebälk einen Holz-Werkraum, ein angrenzendes Zimmer, das Frank seinen–»Fahrrad-Keller« nennt, und einen Raum, der Platz genug für Saskias Mosaik-Arbeiten bietet.

Darüber hinaus sind Saskia und Frank sportlich sehr aktiv: »Ich bin begeisterter Mountain-Biker«, sagt Frank Lindner, »wir gehen wandern, und wir sind auch schon auf der Eder mit einem Wildwasser-Kanu unterwegs gewesen.« Saskia hat einmal Kampfsport gemacht – wie ihre beiden Söhne. »Und mittlerweile hat unser Ältester ein besseres Mountain-Bike als ich«, muss Frank zugeben. Im Sommer veranstalten die beiden schon mal gerne ein großes Fest, das unter einem bestimmten Motto steht: »Einmal hatten wir das Thema Märchen, ein anderes Mal waren alle als Römer und Ägypter verkleidet«, sagt Saskia, und schmunzelt, als sie auf eines der Fotos im Wohnzimmer deutet, das sie und Frank in antiken Gewändern zeigt.

Bei aller Freude steht für Saskia und Frank jedoch eines fest: »Alt werden wollen wir hier nicht«, sagt Saskia. »Wir denken schon jetzt darüber nach, irgendwann einmal dahin zu ziehen, wo der Wein wächst«, schwärmt Frank, »ich habe schon mal eine Zeit lang in Mainz gewohnt, das war einfach herrlich.« Wenn die Idee mit dem Umzug einmal konkretere Formen annimmt, dann soll es auf jeden Fall wieder ein Haus in der Natur sein. Bis dahin aber sind Saskia van Rooij und Frank Lindner froh, dass sie ihre persönliche »Insel« in Christianseck gefunden haben, eine Insel, die sie vor allem mit einem drolligen Zeitgenossen teilen: mit dem Kaninchen Max.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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