Kalkül dominiert die Politik

Bad Berleburg: Taktieren in Sachen Bürgermeisterwahl und ein »Lääscher« im »Ö-Land«

howe Bad Berleburg. Nein, so richtig in der Wolle haben sie sich nicht, die Kommunalpolitiker in Bad Berleburg. Und unterhalb der Gürtellinie spielt sich nur das Wenigste ab. Miese Machenschaften Mangelware – und wenn, dann liegen sie vielleicht im Verborgenen. Was auffällt, ist das politische Kalkül, mit dem die Politiker gleich welcher Couleur – außer wie immer farblosem Grün – zu Werke gehen. Taktieren, mitunter ausbaldovern: So lautet oftmals die Devise.

April: Braun zieht einen Schlussstrich

Spannend ist das politische Jahr 2003 in der Odebornstadt allemal: Den ersten Paukenschlag setzt Kämmerer Mario Etscheid Ende März. Irgendwie fühlt sich der Diplom-Finanzwirt aus Eitorf/Sieg nicht so recht wohl in Wittgenstein. Er wirft die Brocken als Beigeordneter hin und kündigt. Bürgermeister Hans-Werner Braun und Mario Etscheid: Das kann offenbar genauso schlecht gehen wie SPD-Mann Braun und CDU-Chef Eberhard Friedrich. Aus der Finanzsache Koch kommt Verwaltungschef Braun mit einem blauen Auge davon. Trotz massiver Attacken seines politischen Gegners bleibt der erste Mann im Rathaus unbeschadet. Rein äußerlich jedenfalls, denn psychisch trifft die Angelegenheit den »Bären aus Beddelhausen« schwer. Konsequenz: Hans-Werner Braun zieht einen Schlussstrich und kündigt im April an, für das Bürgermeisteramt in 2004 nicht mehr zur Verfügung zu stehen. Ein Generationswechsel bahnt sich an. Stadtjugendpfleger Bernd Fuhrmann macht im Mai von sich reden. Im Nachhinein betrachtet könnten böse Zungen behaupten, das von ihm hauptverantwortlich – freilich perfekt – organisierte Poststraßen-Fest habe als Werbeveranstaltung in eigener Sache gedient. Denn Ende August haut die CDU einen raus, dass man den Knall noch in Fuhrmanns Wohnort Hilchenbach hört. Bernd Fuhrmann, eigentlich ein Gesinnungs-»Linker«, stellt sich als parteiloser Bürgermeisterkandidat der CDU in Bad Berleburg vor – ein genialer Schachzug der Christdemokraten.

UWG wird im Oktober aufmüpfig

Im Oktober müpft die kleine UWG auf. Oft von der CDU/Grüne-Zählgemeinschaft missbraucht als Stimmenlieferant, stellt UWG-Chef Heinz Dietze seinem Koalitionspartner Eberhard Friedrich die Quittung aus. Schach matt: Wir wollen einen SPD-Mann aus Morsbach zum Beigeordneten, da kann sich die CDU drehen und wenden wie sie will – sagt die UWG und setzt den Ball damit exakt auf den Elfmeterpunkt. Die SPD, eigentlich der politische Gegner, lässt sich nicht zweimal bitten, läuft an und versenkt die Murmel sicher im Gehäuse. Der neue Beigeordnete Andreas Reinéry und seine aus Siegen stammende Gattin ziehen nach Bad Berleburg. Pikanterie am Rande: Ausgerechnet die Stimme von Bürgermeister Hans-Werner Braun leitet die Niederlage der von Eberhard Friedrich regierten CDU ein. Ende Oktober holt die SPD noch ein Ass aus dem Ärmel. Alles wartet gespannt auf den Fuhrmannschen Gegenpart. Arno Wied ist es, gebürtiger Rückershäuser, ehemaliger Beigeordneter der Gemeinde Erndtebrück. Ein »Lääscher« im »Ö-Land« – ein Verwaltungsfachmann.

Fungiert die FDP als neue Kraft?

Spannung ist garantiert in Bad Berleburg, denn die Stimmenverhältnisse könnten mit der kommenden Kommunalwahl aufgelockert werden. Waren die Fronten zwischen der »regierenden« SPD einerseits und der Stimmenmehrheit besitzenden Zählgemeinschaft aus CDU, UWG und Grüne andererseits verhärtet, könnte sich das Blatt in Bad Berleburg bald wenden – wie auch immer, das entscheidet freilich der Wähler. Und dabei ist es neben einer potenziellen Mehrheit der großen Parteien CDU oder SPD mindestens genauso interessant, wie UWG und Grüne in der Odebornstadt abschneiden und welche Rolle eine neue Kraft im Rathaus spielt: Die Freien Demokraten.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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