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Abtritt politischer Urgesteine in Wittgenstein (Teil 2)
Karl Heinrich Sonneborn

Karl Heinrich Sonneborn verlässt die kommunalpolitische Bühne nach gut 45 Jahren. Nun will er sich anderen Projekten widmen – bereits seit Jahren kümmert er sich um seine Blumenwiesen für Bienen. Diese Leidenschaft will er weiter forcieren.
  • Karl Heinrich Sonneborn verlässt die kommunalpolitische Bühne nach gut 45 Jahren. Nun will er sich anderen Projekten widmen – bereits seit Jahren kümmert er sich um seine Blumenwiesen für Bienen. Diese Leidenschaft will er weiter forcieren.
  • Foto: Timo Karl
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

tika Wingeshausen. Die kommunale Neugliederung war gerade abgeschlossen. Der Berleburger Bürgermeister hieß Adolf Schmerer. Und – den Blick über den Tellerrand gerichtet – Deutschland war noch zweigeteilt. Eine Zeit, die eine gefühlte Ewigkeit zurückzuliegen scheint. Eine Zeit, in der Karl Heinrich Sonneborn erstmals als Ratsmitglied in der Odebornstadt fungierte. Am 14. Mai 1975, um genau zu sein, nahm er seine Tätigkeit auf – nun gut 45 Jahre später endet seine Mitgliedschaft in der Stadtverordnetenversammlung nach Ablauf der Wahlperiode. Weit mehr als ein halbes Leben war der 66-jährige Wingeshäuser damit Mitglied – nur mit einjähriger Unterbrechung in den 1980er-Jahren.

tika Wingeshausen. Die kommunale Neugliederung war gerade abgeschlossen. Der Berleburger Bürgermeister hieß Adolf Schmerer. Und – den Blick über den Tellerrand gerichtet – Deutschland war noch zweigeteilt. Eine Zeit, die eine gefühlte Ewigkeit zurückzuliegen scheint. Eine Zeit, in der Karl Heinrich Sonneborn erstmals als Ratsmitglied in der Odebornstadt fungierte. Am 14. Mai 1975, um genau zu sein, nahm er seine Tätigkeit auf – nun gut 45 Jahre später endet seine Mitgliedschaft in der Stadtverordnetenversammlung nach Ablauf der Wahlperiode. Weit mehr als ein halbes Leben war der 66-jährige Wingeshäuser damit Mitglied – nur mit einjähriger Unterbrechung in den 1980er-Jahren.
Damals war der gegenwärtige Ortsvorsteher von Wingeshausen gerade 20 Jahre alt, hatte seit drei Jahren das Parteibuch der SPD inne – und war als Mitglied der Jusos in den Rat gerückt. „Viele der Fraktionsmitglieder waren damals deutlich älter als ich. Die Ansichten waren da durchaus schon einmal verschieden“, erinnert sich Karl Heinrich Sonneborn.

Karl Heinrich Sonneborn gibt auch Mandat im Kreistag ab

Dennoch, abschrecken lassen hat sich der Sozialdemokrat davon nicht, rückblickend bezeichnet er diese Zeit vielmehr als „prägendste Zeit. Trotz des großen Altersunterschieds gab es in der Fraktion einen großen Zusammenhalt“, sagt der Wingeshäuser, der nach der Kommunalwahl am kommenden Sonntag, 13. September, und mit dem Ende der Wahlperiode am 30. September seine politischen Mandate abgibt – nach 16 Jahren auch das im Kreistag.
Einen seiner politisch größten Erfolge verzeichnete Karl Heinrich Sonneborn frühzeitig – denn gemeinsam mit dem SPD-Ortsverein Aue-Wingeshausen habe er sich damals für die Umbenennung des Kreises Siegen in den Kreis Siegen-Wittgenstein eingesetzt. Landtagspräsident Karl Josef Denzer sei damals vor Ort gewesen und habe die Umbenennung hernach forciert. Zweifellos ist seither viel passiert, „klare Mehrheiten wie damals gibt es nicht mehr – man muss jetzt Partner suchen und Kompromisse finden. Im Verlauf einer Wahlperiode kann sowas mehr und mehr bröckeln“, erklärt der Wingeshäuser nicht zuletzt mit Blick auf den Kreistag. Doch nicht nur dies hat sich verändert: „Die Gemütlichkeit in der Fraktion war früher größer als heute – es gibt sie zwar immer noch, aber längst nicht mehr in diesem Ausmaß.“

Lehrschwimmbecken in Aue-Wingeshausen erhalten

Vier Bürgermeister hat Karl Heinrich Sonneborn derweil in seiner Zeit im höchsten politischen Gremium der Stadt Bad Berleburg erlebt – sie alle haben die Kommune geprägt, aber nicht alle waren hauptamtliche Rathauschefs. Der Wandel vom Ehren- ins Hauptamt war eine der Zäsuren, die der Wingeshäuser politisch miterlebt hat. Eine andere – von weitaus größerer Dimension – war die Maueröffnung, die Auswirkungen bis auf die Kommunalpolitik hatte. „Damit hat sich schon etwas geändert, unsere Kommunen haben ja danach im Osten mitgeholfen und wir haben den Osten dann auch hin und wieder besucht“, erinnert sich der 66-Jährige, der gegenwärtig mit Sorge auf die neuen Bundesländer und die dortige politische Entwicklung blickt – gerade dort nämlich wählen besonders viele Menschen „Rechts“.
Dennoch, nicht ohne Stolz blickt Karl Heinrich Sonneborn auf sein politisches Wirken zurück. „Wir haben es geschafft, dass das Lehrschwimmbecken in Aue-Wingeshausen nicht abgerissen wird – heute schreiben wir eine schwarze Null, haben es erhalten und renoviert. Wir haben es – gemeinsam mit dem TSV Aue-Wingeshausen und großer Eigenbeteiligung – geschafft, einen Kunstrasenplatz mit Laufbahn zu kriegen“, erzählt der Wingeshäuser. Er selbst wiederum war federführend aktiv als es darum ging, die Altpapiersammlung in Aue und Wingeshausen aus der Taufe zu heben „In den 42 Jahren haben wir über 200 000 Euro für die Vereine gesammelt.“

Karl Heinrich Sonneborn möchte mehr Zeit mit seiner Frau genießen

Dass es schwierige Phasen gab, verhehlt Karl Heinrich Sonneborn nicht. Aber: „Ich wollte nie die Brocken schmeißen. Vielmehr habe ich schon im letzten Wahlkampf gesagt, dass das der letzte für mich sein würde.“ Der 66-Jährige, der zahlreiche Ämter innehatte – und in den kommenden drei Jahren noch Schöffe am Amtsgericht in Bad Berleburg ist –, hat sich damit selbst auf seinen Abschied aus der Stadtverordnetenversammlung und dem Kreistag vorbereitet. „Ich will mit meiner Frau jetzt mehr Zeit genießen. Als Politiker hat man viele Termine“, erklärt er.
Für sein Dorf allerdings will er sich weiterhin engagieren, „ganz ohne geht es nicht“, schmunzelt er. Denn: Trotz des Abschieds auf Raten, „natürlich hängt man dran und es ist auch nicht ganz einfach aufzuhören. Ich habe bis zum Schluss Einsatz gezeigt. Es macht eben Spaß, wenn man etwas bewegen kann – auch im ganz Kleinen.“
Allerdings hat Karl Heinrich Sonneborn aus seiner eigenen Vergangenheit gelernt. „Ich wollte frühzeitig aufhören statt erst im hohen Alter zu gehen.“ Einen Konflikt mit der nachfolgenden Generation wollte er vermeiden, bevor es überhaupt dazu kommt. Denn genau diese Generation braucht es schließlich, um die Herausforderungen der kommenden Jahre in Bad Berleburg zu bewältigen.

Autor:

Timo Karl (Redakteur) aus Erndtebrück

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