Landwirt und Züchter Dirk Henk im Gespräch mit der SZ
Kein Leben ganz ohne Fleisch

Der Landwirt Dirk Henk aus Sassenhausen sieht das Hauptproblem in der Massentierhaltung – wenn es um das Thema Klimaschutz und verantwortungsvollen Fleischkonsum geht.
  • Der Landwirt Dirk Henk aus Sassenhausen sieht das Hauptproblem in der Massentierhaltung – wenn es um das Thema Klimaschutz und verantwortungsvollen Fleischkonsum geht.
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  • hochgeladen von Klaus-Jürgen Menn (Redakteur)

sz  Sassenhausen.  Charolais, Limousin oder Blonde d‘Aquitaine, Schwarz- oder Rotbunte: Sie sind zur Herstellung von Fleisch da. Doch was machen die Landwirte, die von dem Fleisch oder der Milch dieser Rinderrassen abhängig sind? Der Klimaschutz wird durch die Ausgase der Kühe nur zurückgeworfen. Rinder sind deshalb vielen Klimaschutz-Aktivisten ein Dorn im Auge. Die Vierbeiner verbreiten durch ihre ausgestoßene Luft Treibhausgase wie Methan oder Lachgas-Emissionen, die zu einer Erhöhung des CO2-Gehalts führen. So sollen die Rinder im Jahr 2020 rund 66,4 Millionen Tonnen CO2 produziert haben. Eine wirklich große Menge. Futtermittel der Tiere, Haltungsbedingungen und allgemeine Systeme, wie das Weidemanagement, sind dabei weitere Probleme. Für all diese Schwierigkeiten scheint ein Teil der Politik lediglich eine Lösung zu sehen: den Fleischkonsum und den Verbrauch von Milch, Eiern, usw. auf das Mindeste zu reduzieren. So soll Fleisch nur noch sehr selten gegessen werden oder man soll sich sogar ganz vegetarisch oder vegan ernähren.

Weidemanagementsystem problematisch

Landwirte sehen darin jedoch große existenzielle Probleme. Sie wollen weder auf Fleisch verzichten, noch ihre Tiere aufgeben. Die Siegener Zeitung sprach stellvertretend für andere Bauern mit Dirk Henk, nebenberuflicher Landwirt mit Rindern der Rasse Charolais aus Sassenhausen. Er sieht vor allem große Schwierigkeiten in einem Weidemanagementsystem, wie der „Wilden Weide“ oder auch genannt „Mob-Weidesystem“. Das Ganze funktioniert so: Die Tiere stehen einen Tag lang auf der Wiese, werden dann wieder zurückgeholt und auf eine andere Wiese gestellt. Nach dem Abweiden muss die Weide dann vier Wochen in Ruhe gelassen werden. „Dieser Aufwand ist in der Theorie leistbar, doch nicht, wenn man die Landwirtschaft nebenberuflich oder mit großen Herden an Tieren betreibt. Die Landwirtschaft würde bei Eintreten eines solchen Weidemanagementsystems zu Grunde gehen.“

Dirk Henk sieht, dass die Wiesen geschützt werden sollen, die Humusschichten und das Gras als CO2-Speicher bestehen bleiben sollen. Doch dieses Vorhaben würde der Landwirtschaft gewaltige Schäden bereiten. Zudem bemängelt Dirk Henk: „Wo soll der Platz auf einmal her kommen? Außerdem sind die Wiesen oftmals weit voneinander entfernt. Der Transport der Tiere wäre viel zu groß. Vor allem bei Kühen, denen ich nicht so einfach ein Halfter überziehen kann.“

Der Landwirt sieht auch ein Problem darin, dass die Zusammenhänge nicht betrachtet werden: „Natürlich entsprechen die Klischees der Landwirtschaft aus Bilderbüchern nicht mehr der Realität. Doch genauso wenig entsprechen sie der vollkommenen Massentierhaltung und dem großen Umweltsünder: der Kuh. „Setzt man ein Weidemanagementsystem, wie die „Wilde Weide“ durch, zwingt man die Landwirte nur dazu, ihre Tiere entweder abzuschaffen oder sie im Stall zu halten.“ Das würde dann jedoch zu dem Gegenteil eines Erfolges führen. Die Rinder sollen draußen stehen und sich so natürlich ernähren, wie nur möglich.

Fest steht nämlich: Je natürlicher und weniger Futter die Tiere bekommen, desto geringer sind ihre Abgase. Es ist zwar richtig, dass Methan 25-mal schädlicher ist als CO2, mit der richtigen Fütterung lässt sich das aber verringern.

In der Realität nur viel zu aufwendig

„Füttere ich meinen Kühen also Nahrung mit viel Stärke, bilden sie weniger Methan. Ergebnis: leichtere Fütterung und weniger Abgase.“ Die Idee der „Wilden Weide“ hat also einen guten Ansatz, ist in der Realität nur viel zu aufwendig. Doch was sagt Dirk Henk zu dem politischen Vorschlag und Wegweiser, den Konsum von Fleisch und anderen tierischen Produkten zu verringern? Sich also gar vegetarisch oder vegan zu ernähren? „Ohne Fleisch und andere Mittel gäbe es uns Menschen schon lange nicht mehr. Fleisch, Eier oder auch Milch sind schon immer in unseren Kühlschränken gewesen. Diese Dinge haben uns am Laufen gehalten.“ Ja, es gebe große, problematische Punkte in der Landwirtschaft und im Umweltschutz, diese sollten allerdings nicht durch radikale Wendungen gestoppt werden. „Vor einiger Zeit wurden kleine Betriebe nur dazu gedrängt, ihren Bestand zu erweitern, um ein größeres Einkommen zu erlangen,“ führt der Landwirt fort.

„Der offensichtlichste Punkt ist, dass die tierischen Produkte zu günstig verkauft werden. Der Bauer verdient also zu wenig und wird zu einer massigen Haltung gedrängt. Sehen die Käufer ein, warum sie etwas mehr für ihr Stück Fleisch zahlen, werden auch die Landwirte von der Massentierhaltung weg kommen.“
Schülerreportage: Ina Wickel, Jahrgangsstufe 9, Städtisches Gymnasium Bad Laasphe

Autor:

Klaus-Jürgen Menn (Redakteur)

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