Keulerei für „Keiler von Issos“

Hoch hinaus ging es für Ralf Bettelhäuser (l.) und Fritz König, es galt Pässe in bis zu 2800 Metern Höhe zu überwinden. Ein Blick auf die Startnummer verrät dem Freund von Geschichtsbüchern, weshalb das Team so hieß, wie es hieß. Fotos: privat
  • Hoch hinaus ging es für Ralf Bettelhäuser (l.) und Fritz König, es galt Pässe in bis zu 2800 Metern Höhe zu überwinden. Ein Blick auf die Startnummer verrät dem Freund von Geschichtsbüchern, weshalb das Team so hieß, wie es hieß. Fotos: privat
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asp Bad Berleburg. 880,7 Kilometer und 18 322 Höhenmeter in sieben Tagen, das sind nackte Zahlen, die noch ein bisschen mehr Illustration brauchen: Bad Berleburg ist zum Beispiel in Luftlinie knapp 880 Kilometer von Warschau entfernt. 18 322 Höhenmeter bezeichnen einen Wert, der schon schwerer vorzustellen ist. Doch diese kombinierten Kilometer und Höhenmeter wurden innerhalb von sieben Tagen von zwei Berleburgern bewältigt und zwar nicht mit dem Auto, sondern auf dem Fahrradsattel. Ralf Bettelhäuser und Fritz König haben sich gerade eine Woche lang der Herausforderung des namhaftesten europäischen Amateur-Etappenrennens über die Alpen, der Jeantex-Tour „Transalp“, gestellt und dieses erfolgreich beendet.

Startpunkt war der Luftkurort Sonthofen im Allgäu. In sieben Etappen führte die Tour über Imst, Ischgl, Sölden, Naturns, Livigno und Kaltern bis nach Arco in Italien. Für die Wittgensteiner war es die zweite Teilnahme an der renommierten Tour, bei der in diesem Jahr wieder rund 600 Zweierteams an den Start gingen. „Die sieben Etappen waren knüppelhart, aber wir sind sehr zufrieden, dass wir die Tour so gut bewältigt haben“, berichtete Fritz König. Das können die passionierten Rennradfahrer auch wirklich sein: In ihrer Altersklasseder „Grand Masters“ erreichten sie unter rund 60 Teams einen hervorragenden 39. Platz in der Gesamtwertung. „Damit hätte ich nie gerechnet“, gab Fritz König zu, und Ralf Bettelhäuser bekräftigte: „Im letzten Jahr haben wir bei der Tour den 57. Platz erreicht und uns für dieses Jahr vorgenommen, unter die Top 50 zu fahren.“

Und das trotz durchwachsener Vorbereitung, so die Wittgensteiner gegenüber der Siegener Zeitung . Sie seien „nur“ etwa 2500 Kilometer gefahren, was sich zwar viel anhört, aber im Vergleich zu jenen, die sich mit rund 12 000 Kilometern auf die Tour vorbereiteten, doch recht wenig war. „Das Wetter hat einfach nicht mitgespielt“, ärgerte sich Ralf Bettelhäuser im Nachhinein, „ich wollte eigentlich viel mehr Kilometer machen.“ Wenigstens bei der Tour selbst wurden die „Keiler von Issos“, wie sich das Duo während des Rennens nannte, größtenteils vom Regen verschont. Das ermöglichte den Radfahrern phantastische Ausblicke auf Natur und Berge.

Besonders faszinierend war für Fritz König die Fahrt zum Pass des Stilfserjochs auf 2753 Metern Höhe während der fünften Etappe nach Livigno: „Das war unglaublich, man fuhr eine Gerade entlang und sah dann vor sich den Pass und die 48 Kehren, die man bis oben noch bewältigen musste.“ Auch Ralf Bettelhäuser hatte sich dieser Anblick eingebrannt: „Da hat man jede Kehre mitgezählt.“ Doch die Beiden hatten aus dem Vorjahr gelernt, einige Anstiege seien ihnen von der Tour 2008 noch im Gedächtnis gewesen, erzählte Fritz König, da habe man natürlich gewusst, wie man an den Berg herangehen müsse. „Die schlimmsten Berge, die am meisten weh taten, waren die unbekannten“, wusste Ralf Bettelhäuser.

Von Stürzen oder technischen Problemen blieben die Berleburger glücklicherweise verschont, obwohl es lange Abfahrten gab, in denen man „bis zu 100 Sachen draufkriegte“. „Man denkt schon über Vieles nach, wenn man so lange auf dem Rad sitzt“, berichtete Ralf Bettelhäuser zurückblickend, „man fährt sich den Kopf frei und wird mit jedem bezwungenen Berg euphorischer.“ Ihr Übriges taten hierfür auch die zahlreichen Zuschauer an der Strecke, die den Radfahrern zujubelten und, laut Fritz König, „richtig Theater“ gemacht hätten.Insgesamt sei die Jeantex-Tour „Transalp“ sehr gut organisiert gewesen, bei jeder Etappe wurden die Fahrer mit Riegeln, Nüssen, Bananen, Salzstangen und Getränken versorgt, auch medizinische Betreuung sei stets vor Ort gewesen. Abends habe es große Pasta-Parties gegeben, auf denen die Teilnehmer ihren Energieverbrauch von über 4000 Kalorien wieder ausgleichen konnten. Zudem gönnten sich die „Keiler von Issos“ jeden Abend eine Massage und natürlich viel zu trinken. Was die Lieblings-Etappe anging, herrschte Einigkeit: die Königsetappe von Livigno nach Kaltern, mit 180,76 Kilometern und 3770 Höhenmetern. „Je länger wir fuhren, desto besser sind wir geworden“, erzählte Fritz König, „meinen toten Punkt hatte ich in der fünften Etappe, von Naturns nach Livigno.“ Dennoch habe er dieses Tief überwunden, ebenso wie sein Partner, der bereits auf der ersten Etappe, am Hahntennjoch, einen Leistungseinbruch hatte. Ralf Bettelhäuser erinnerte sich: „Ich dachte an der Stelle nur, wenn die Rennen so weitergehen ... oh weia.“Beide jedoch ließen sich nicht entmutigen und bewältigten jeden Berg, ohne einmal abzusitzen und zu schieben, wie viele andere es taten. „Im Endeffekt war es mehr Keulerei als Keilerei“, meinte Ralf Bettelhäuser in Anlehnung an den Teamnamen, „aber ich würde das jederzeit wieder machen, das war eine tolle Erfahrung, die ich jedem nur empfehlen kann.“ Auch Fritz König stimmte zu: „Es war rundum super und im Ziel waren alle Schmerzen vergessen.“ Abschließend stellte Ralf Bettelhäuser noch Eines fest: „So eine Tour kann man nicht mit jedem machen, das muss einfach menschlich passen und mit Fritz hatte ich einen super Partner.“

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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