SZ

Unterrichtsbeginn an Grundschulen
Kinder machen hinter den Masken „keinen Pieps“

Die Banfetalschule hat ein Gestell mit Plexiglas bauen lassen – für die intensive Hilfeleistung bei Fragen der Viertklässler. Foto: privat
  • Die Banfetalschule hat ein Gestell mit Plexiglas bauen lassen – für die intensive Hilfeleistung bei Fragen der Viertklässler. Foto: privat
  • hochgeladen von Holger Weber (Redakteur)

howe/vö/bw Wittgenstein. Mehr als gemischt dürften die Grundschulen am Donnerstag in die „Nach-Corona-Zeit“ gestartet sein. Denn einerseits freuen sich die Kinder, nach mehreren Wochen „Homeschooling“ endlich wieder unter die Klassenkameraden zu gehen. Andererseits soll ja genau der Kontakt möglichst eingeschränkt werden. Und die Lehrer: Die haben vom Schulministerium nach der 20. E-Mail die rasche Anweisung bekommen, die Viertklässler zu beschulen. Da gilt es, für die kommenden Tage und Wochen bis zu den Sommerferien kreative Lösungen zu finden, um allen Anforderungen des Virenschutzes gerecht zu werden.

howe/vö/bw Wittgenstein. Mehr als gemischt dürften die Grundschulen am Donnerstag in die „Nach-Corona-Zeit“ gestartet sein. Denn einerseits freuen sich die Kinder, nach mehreren Wochen „Homeschooling“ endlich wieder unter die Klassenkameraden zu gehen. Andererseits soll ja genau der Kontakt möglichst eingeschränkt werden. Und die Lehrer: Die haben vom Schulministerium nach der 20. E-Mail die rasche Anweisung bekommen, die Viertklässler zu beschulen. Da gilt es, für die kommenden Tage und Wochen bis zu den Sommerferien kreative Lösungen zu finden, um allen Anforderungen des Virenschutzes gerecht zu werden. Die SZ hörte sich an einigen Grundschulen in Wittgenstein um, wie es am ersten Tag gelaufen ist und was alle erwartet, wenn in der kommenden Woche auch die Einser, Zweier und Dreier dazukommen.

Grundschule Feudingen: In der Feudinger Grundschule lief am Donnerstag alles nach Plan. Allerdings hinterließ Schulleiter Hans-Dieter Pfeil im SZ-Gespräch einen eher bedrückten Eindruck. „Die Kinder trafen mit Mundschutz ein, stellten sich auf dem Schulhof auf die markierten Flächen und waren sehr verunsichert. Die sagten hinter den Masken keinen Pieps.“ Das habe ihn richtig bedrückt. Für die Kinder sei die ganze Situation völlig fremd und überhaupt nicht einfach. „Die sind auf dem Schulhof herumgeschlichen wie auf der Beerdigung“, schilderte Hans-Dieter Pfeil. Also gilt es nun, den Mädchen und Jungen die Schule und die neuen Bedingungen so angenehm wie möglich zu gestalten. Ganz bewusst habe er auf Markierungen verzichtet – im Vertrauen darauf, dass sich die Kinder an die Vorgaben halten. „Ansonsten hätte ich noch einen Sheriff haben müssen, der alles genau kontrolliert.“ Auch so schon sei die Situation für die Kinder „beklemmend genug“. Insgesamt lief in Feudingen alles wie am Schnürchen. „Wir haben zum Glück ein großes Gelände mit einem großen Schulgebäude.“ 35 Viertklässler starteten, plus fünf bis sechs Kinder für die Notbetreuung. Insgesamt bildete die Schule sieben Gruppen plus eine OGS-Gruppe. In den anderen Klassen, so Hans-Dieter Pfeil, gebe es sogar noch mehr OGS-Kinder. Da sei zu überlegen, eine weitere Gruppe zu bilden – und dann stoße er personell an Grenzen.

Banfetalschule: In der Banfer Grundschule erhielten die Kinder vorab Nummern für diejenigen Kreise auf dem Schulhof, in die sie sich stellen mussten. So funktionierte die Gruppeneinteilung – bei 20 Viertklässlern und zwei gebildeten Gruppen – ohne Probleme. Zwei Lehrkräfte und die „I-Kräfte“ kümmerten sich um die Schüler. Im Gebäude selbst wiesen Pfeile auf dem Boden auf die Wegweisung hin. Die Kinder sitzen weit auseinander, für eine individuelle Betreuung hat sich die Banfetalschule etwas einfallen lassen. „Wir haben Plexiglas schneiden und eine Vorrichtung bauen lassen“, berichtete Schulleiterin Christa Thomä-Hinn. Die ermögliche es nun, sie zwischen Kind und Lehrkraft zu stellen, sodass man sich bei der Lernhilfe näher kommen könne. Jedoch: „Die ganz Kleinen, die machen mir Bauchschmerzen“, so Christa Thomä-Hinn. Mit Schutzmaske, die Belastung und die ganzen Regelungen – das sei für die Erstklässler eine riesige Aufgabe. Deshalb hat die Banfetalschule auch entschieden, die Erstklässler „ganz zum Schluss“ wieder zu beschulen. Erst schaue man schrittweise, wie es mit den Dritt- und Zweitklässlern weitergehe. Und „rollierend“ solle auch relativiert werden. „Wir überlegen, ob wir nicht besser einen Blockunterricht für zwei bis drei Tage anbieten.“ Das mache weitaus mehr Sinn. Christa Thomä-Hinn: „Jetzt zeigt sich, wie mein tolles Kollegium zusammenhält. Da geht alles Hand in Hand.“

Grundschule Unterm Heiligenberg in Elsoff: Alle 27 Viertklässler, die am Donnerstag zum Unterricht an der Schule für das Elsofftal erschienen seien, hätten sich ein riesiges Kompliment verdient, sagte Schulleiterin Karin Gaschler im Gespräch mit der SZ. Denn: Sie seien aus Sicht des Kollegiums im Schulgebäude überaus vorsichtig und umsichtig unterwegs gewesen – und von den Eltern sehr gut vorbereitet worden. „Wir hatten einen Plan, den wir den Eltern auch im Vorfeld sehr transparent mitgeteilt haben. Den konnten wir eins zu eins umsetzen.“ Dazu gehöre unter anderem, dass die Kinder am Bus abgeholt würden und auch, dass die Pause zeitversetzt stattfinde, damit die Gruppen nicht zu groß würden. Unterrichtet werde in zwei Gruppen, so dass die Abstandsregelung keinerlei Problem darstelle. Insgesamt zeige sich in der derzeitigen Situation, so Karin Gaschler, dass die Schulgemeinde mit Lehrern, Eltern und Schülern hervorragend funktioniere. Deshalb sei sie auch zuversichtlich, was die kommende Woche angehe, wenn weitere Schüler aus den anderen Klassen an die Schule Unterm Heiligenberg zurückkehrten. Wichtig sei dann allerdings, dass die Unterrichtstage so verbindlich geplant würden, dass die Eltern dies mit ihren beruflichen Verpflichtungen vereinbaren könnten. Um das passende Modell zu finden, werde sich das Kollegium aber vorher noch beraten.

Grundschule Aue-Wingeshausen: Claudia Keßler, die Schulleiterin, brachte ihre ersten Eindrücke sehr klar auf einen Nenner: „Die Kinder freuen sich darüber, dass sie wieder in der Schule sein dürfen.“ Der Schulalltag sei zurück – allerdings in einer völlig anderen Form als bisher. Die vierte Klasse werde in zwei Lerngruppen unterrichtet, der 1,50-Meter-Mindestabstand sei problemlos einzuhalten. Zudem wüssten die Schüler sehr genau, wer sich wo aufstellen müsse und wer welche Toilette benutzen dürfe. Claudia Keßler: „Das ist alles sehr ordentlich angelaufen.“ Im Vorfeld seien die Eltern von der Schule entsprechend informiert worden – und hätten ihre Kinder sehr gut vorbereitet. Ab der kommenden Woche kämen weitere Schüler aus den jüngeren Jahrgängen „rollierend“ hinzu. An einer vergleichsweise kleinen Schule wie in Aue-Wingeshausen müsse man dann schauen, wie sich der erhöhte Aufwand in Sachen Unterricht mit der Notbetreuung vereinbaren lasse. Doch Claudia Keßler war nach dem geglückten Comeback optimistisch: „Wir haben einen Plan, den wir natürlich noch mal zusammen besprechen werden. Und wir gehen fest davon aus, dass es laufen wird.“

Grundschule Erndtebrück: Diszipliniert und geordnet seien die Viertklässler in der Schule angekommen, verriet Schulleiter Thorsten Denker. Die Kinder hätten den Unterricht sehr positiv begonnen und die getroffenen Maßnahmen hätten gegriffen. Die beiden Klassen mit insgesamt 42 Schülern wurden halbiert und jede Gruppe ist nun in einem extra hergerichteten Klassenraum untergebracht. Den vier Gruppen wurden feste Ein- und Ausgänge zugeteilt, die Laufwege im Gebäude sind fest markiert. Kurzum: „Der erste Tag ist gut gelaufen, die Kollegen sind zufrieden.“ Mit einiger Spannung wartet das Kollegium auf die endgültigen Anweisungen zum Wiederbeginn der anderen Klassen: „Wir haben uns natürlich auf das zu Erwartende vorbereitet, aber vielleicht gibt es ja auch noch eine Überraschung, auf die wir reagieren müssen“, betonte Thorsten Denker.

Autor:

Holger Weber (Redakteur) aus Wittgenstein

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