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Amtsgericht Bad Berleburg
Kleinkind nimmt am Drogen-Tisch Platz

Vor dem Amtsgericht Bad Berleburg fiel ein Urteil gegen eine mehrfache Mutter, die quasi im Beisein des Nachwuchses ihre Drogengeschäfte abwickelte.
  • Vor dem Amtsgericht Bad Berleburg fiel ein Urteil gegen eine mehrfache Mutter, die quasi im Beisein des Nachwuchses ihre Drogengeschäfte abwickelte.
  • Foto: Pixabay (Symbolbild)
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

howe Bad Berleburg. „Sehr skurril“ fand ein ermittelnder Polizeibeamter die Szenerie in der Wittgensteiner Wohnung. Eine Mutter von mehreren Kindern, darunter ein gerade einmal zweijähriges, hatte es sich offenbar in ihrem Wohnzimmer gemütlich gemacht. Da saßen auch drei Männer, gleich neben der Mutter ein Kleinkind. Auf dem Tisch lagen zwei 50-Euro-Scheine, alle möglichen Drogenutensilien und Pulver. „Wie im Film“, stellte der Beamte am Dienstag vor dem Bad Berleburger Amtsgericht fest. Die Tochter habe ihm die Tür geöffnet, dann sei er hochgegangen. „Das war für mich einzigartig, weil auch die Kinder Zugang zu diesem Raum hatten.

howe Bad Berleburg. „Sehr skurril“ fand ein ermittelnder Polizeibeamter die Szenerie in der Wittgensteiner Wohnung. Eine Mutter von mehreren Kindern, darunter ein gerade einmal zweijähriges, hatte es sich offenbar in ihrem Wohnzimmer gemütlich gemacht. Da saßen auch drei Männer, gleich neben der Mutter ein Kleinkind. Auf dem Tisch lagen zwei 50-Euro-Scheine, alle möglichen Drogenutensilien und Pulver. „Wie im Film“, stellte der Beamte am Dienstag vor dem Bad Berleburger Amtsgericht fest. Die Tochter habe ihm die Tür geöffnet, dann sei er hochgegangen. „Das war für mich einzigartig, weil auch die Kinder Zugang zu diesem Raum hatten.“ Bei den Drogen auf besagtem Tisch habe es sich eindeutig nicht nur um aktuelle Konsumware für ein gemütliches Beisammensein gehandelt, sondern auch um „Material zum Verpacken“.

Beträchtliche Mengen von Drogen

Aus diesem Grund klagte Oberamtsanwältin Judith Hippenstiel die 36-jährige Frau wegen unerlaubten Handels mit Betäubungsmitteln an. Der Wirkstoffgehalt der Drogen, erläuterte Richter Torsten Hoffmann, sei zwar nicht sehr groß, aber die Menge sei ganz ordentlich. 22,9 Gramm Marihuana lagen herum. Bei einem Wirkstoffgehalt von 2,93 Gramm THC seien das immerhin 195 Konsumeinheiten. Dazu gab es Amphetamin mit einem Gehalt von 1,24 Gramm. Das waren rund 25 Einheiten. Die, so die Annahme der Staatsanwaltschaft, sollten an Kunden verkauft werden. Gleich zu Beginn der Verhandlung offenbarte sich die Strategie der Verteidigung. Die 36-jährige Mutter sagte nichts, überließ die Rede ihrem Anwalt Daniel Nierenz. Der gab zu Protokoll, dass die „äußeren Umstände der Tat“ zwar eingestanden würden, nicht aber die Menge der Drogen. „Es gehörte ihr nicht“, so die Einlassung.

Rechtsgespräch führt zu Urteil

Richter Torsten Hoffmann roch den schwierigen Braten und unterbreitete das Angebot eines Rechtsgesprächs hinter verschlossenen Türen. Mit Erfolg: Nach einer gut halbstündigen Beratung verständigten sich die „Parteien“ gemäß § 257 c der Strafprozessordnung. Erörtert worden sei im Sinne dieses Paragrafen die strafmildernde Wirkung eines Geständnisses, so Torsten Hoffmann. Zugleich erkläre sich die Angeklagte damit einverstanden, die Drogen und das Geld außergerichtlich einzuziehen. Die Angeklagte räume ein, unerlaubt im Besitz der sichergestellten Betäubungsmittel gewesen zu sein. In Betracht komme eine Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe zwischen sechs und neun Monaten auf Bewährung.

Sechs Monate auf Bewähung

So richtig zufrieden schien die Mutter mit dem Ergebnis allerdings nicht zu sein. Soeben hatte Oberamtsanwältin Judith Hippenstiel das Plädoyer verlesen, da schüttelte die Angeklagte fast schon demonstrativ mit dem Kopf – als wollte sie sagen, dass sie immer noch nicht schuldig sei. Das Urteil nahm sie mit einer gewissen Portion Häme entgegen, nickte ständig übertrieben mit dem Kopf, während Richter Torsten Hoffmann ihr das Urteil erläuterte: sechs Monate auf Bewährung, dazu ein Bewährungshelfer, der ihr drei Jahre lang zur Seite steht. Überdies muss die Frau 100 Sozialstunden ableisten und zehn ambulante Gespräche bei der Suchtberatung durchführen. Das Verfahren vor dem Bad Berleburger Amtsgericht war am Dienstag nur der eine Teil. Die Fortsetzung dürfte auf familienrechtlicher Ebene laufen, wenn es darum geht, zu erörtern, inwieweit die Kinder involviert sind.

Autor:

Holger Weber (Redakteur) aus Wittgenstein

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