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Vergleich zwischen Eheleuten
Körperverletzungsprozess endet ohne Verurteilung

Häusliche Gewalt kommt häufig vor. Am Dienstag regelte das Gericht in Bad Berleburg die Angelegenheit mit einem Vergleich zwischen dem Ehemann und seiner Frau.
  • Häusliche Gewalt kommt häufig vor. Am Dienstag regelte das Gericht in Bad Berleburg die Angelegenheit mit einem Vergleich zwischen dem Ehemann und seiner Frau.
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  • hochgeladen von Pascal Mlyniec (Redakteur)

howe Bad Berleburg. Die Anklage wäre starker Tobak gewesen, hätte der 36-jährige Bad Berleburger tatsächlich seine Ehefrau im Streit zuerst mit der Faust in den Rücken geboxt, um sie anschließend an die Schulter zu packen und sie gegen die Wand zu donnern. Die Ehefrau, mit der der 36-Jährige in der eigenen Wohnung in räumlicher Trennung lebte, brach sich bei der Auseinandersetzung die Hand. Elf Tage lang war sie zur Behandlung im Krankenhaus, demnächst muss ihr sogar noch Metall operativ entfernt werden. Allerdings, und das stellte sich während der Verhandlung im Bad Berleburger Amtsgericht heraus, fand die angeklagte Körperverletzung so nicht statt.

howe Bad Berleburg. Die Anklage wäre starker Tobak gewesen, hätte der 36-jährige Bad Berleburger tatsächlich seine Ehefrau im Streit zuerst mit der Faust in den Rücken geboxt, um sie anschließend an die Schulter zu packen und sie gegen die Wand zu donnern. Die Ehefrau, mit der der 36-Jährige in der eigenen Wohnung in räumlicher Trennung lebte, brach sich bei der Auseinandersetzung die Hand. Elf Tage lang war sie zur Behandlung im Krankenhaus, demnächst muss ihr sogar noch Metall operativ entfernt werden. Allerdings, und das stellte sich während der Verhandlung im Bad Berleburger Amtsgericht heraus, fand die angeklagte Körperverletzung so nicht statt.

Angeklagter bringt Frau ins Krankenhaus

Der 36-Jährige versicherte glaubhaft, dass er die beiden gemeinsamen Kinder mit zur Oma nehmen wollte. Das habe die Ehefrau abgelehnt, worauf ein Streit entbrannte. „Ich habe sie beiseite geschubst, weil ich zu meinen Kindern wollte“, schilderte der Angeklagte. Dabei sei sie auf dem Teppich gestolpert und unglücklich gegen die Wand gefallen. „Ich habe sofort gesehen, dass die Hand gebrochen war. Ich habe sie aufgehoben und ins Krankenhaus gefahren.“ Vor Ort traf auch der Hubschrauber ein, um die verletzte Frau zu versorgen. Inzwischen hat sich das Verhältnis der zerstrittenen Eheleute wieder normalisiert. Sie leben voneinander getrennt, im Sinne der Kinder läuft es aber recht harmonisch.

Glaubwürdigen Eindruck vermittelt

„Alle 14 Tage darf ich die Kinder abholen, die Ferien teilen wir uns“, so der 36-Jährige. Auch die Ehefrau – sie trat als Nebenklägerin auf – bestätigte das bislang friedliche Miteinander. „Ich hoffe, dass es so bleibt.“ Mit reichlich „Bauchschmerzen“, aber absolut im Sinne der Kinder, stimmte Oberamtsanwältin Judith Hippenstiel am Dienstag der Verfahrensweise einer Einigung in Form eines Vergleichs zu. Eigentlich verstehe sie bei häuslicher Gewalt keinen Spaß, so die Vertreterin der Staatsanwaltschaft. Aber der Angeklagte mache den Eindruck als meine er es ernst.

„Und wichtig ist, dass wir die Sache hier im Sinne der Kinder regeln. Das muss oberste Priorität haben.“ Anstatt dass sich also künftig die Ehepartner vor Gericht streiten und die Kosten für die Familie weiter in die Höhe treiben – Rechtsanwalt der Nebenklage Thomas Biek: „Darunter leiden die Kinder“ – fanden alle Beteiligten eine gute Lösung, die nicht oft vor Gericht gefunden wird. Richter Torsten Hoffmann schlug vor, die Sache nach § 153a einzustellen, allerdings gemäß Ziffer 5: Der Angeklagte müsse sich ernsthaft bemühen, einen Ausgleich mit der Verletzten zu erreichen (Täter-Opfer-Ausgleich) und dabei seine Tat wieder gut zu machen.

36-Jähriger zahlt Schmerzensgeld

Für seine Mandantin, die Ehefrau, schlug Thomas Biek eine Schmerzensgeldzahlung von 4500 Euro vor, die der Angeklagte und dessen Anwalt Fritz Bosch akzeptierten. Außerdem verpflichtet sich der 36-Jährige, die außergerichtlichen Kosten der Bevollmächtigten (Rechtsanwälte der Nebenklage) von rund 540 Euro zu bezahlen. Auch die Kosten des Vergleichs muss der Angeklagte tragen, ebenso weitere Kosten, die Thomas Biek während der Verhandlung aufzählte, als er sich dafür aussprach, diesen Vergleich anzustreben, statt weiter den Klageweg zu beschreiten. „Das ist schon tragisch genug für die Familie.“ Es würden ja Regressansprüche und Forderungen der Krankenkasse auf den Angeklagten ebenfalls zukommen. Auch der Hubschrauber, der vor Ort gewesen sei, müsse bezahlt werden. Insofern mache der Vergleich Sinn, um die Sache zivilrechtlich zu erledigen.

Da klang der Verkauf des gemeinsamen „Ehewohnheims“, wie es Fritz Bosch bezeichnete, als Hoffnungsschimmer. Von dem Erlös könnte ein Teil der Zahlungen vorgenommen werden. Wie gesagt: Immer im Sinne der Kinder. Wie sagte die Ehefrau: „Wir müssen ja über die Kinder Kontakt haben.“ Und zwar längerfristig.

Autor:

Holger Weber (Redakteur) aus Wittgenstein

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