Kopfschlächter bedrohte Frau mit Brotmesser

Ehemaliger Metzger drehte im Suff völlig durch

howe Bad Berleburg. Ein hoffnungsloser Fall, der ältere Herr, der sich gestern vor dem Bad Berleburger Amtsgericht verantworten musste. Amtsgerichtsdirektor Hans-Jürgen Niediek kannte seinen Pappenheimer. Stets betrunken sei der Mann, so der Richter. Helfen könne man ihm gar nicht mehr. In seinem Leben habe der Angeklagte viel durchgemacht, Zechen geprellt, zwischen Gefängnis und Kneipe hin und her gependelt. Jetzt brauche er sein Quantum Schnaps, um einigermaßen gegen den Entzug ankämpfen und überleben zu können.

Man sah es: Ein Häufchen Elend nahm im Gericht Platz, zitternd und sabbernd. Aber immer in dem Bewusstsein genau zu wissen, wie es um ihn bestellt ist. »Wieviel Schnaps brauchen Sie denn?«, wollte Hans-Jürgen Niediek wissen. Pro Tag eine? – »Ja«, antwortete der Angeklagte ehrlich, »das kommt hin. Man gönnt sich ja sonst nichts.« Die Tat des gelernten Kopfschlächters – eine Berufsbezeichnung aus dem Großmetzger-Handwerk – passte zur Alkohol-Krankheit des Angeklagten. Der hatte nämlich, das kristallisierte sich während der recht lockeren und seitens des Gerichts wieder einmal vorzüglich einfühlsamen Verhandlung heraus, seine Vermieterin mit dem Schlachtermesser bedroht. »Ein Schnitzerchen«, entgegnete der Beschuldigte, sei es gewesen. Wenn überhaupt. Aber damit sei er nicht auf die Frau losgegangen. Irgendwann entsann sich der Beschuldigte dann doch, dass sie es gewesen war, die ihm die Kündigung auf den Tisch gelegt hatte. »Ich bin hoch, war sauer«, so der Wittgensteiner kurz und bündig. Mit Rücksicht auf den Gesundheitszustand des Angeklagten – Arthrose, Diabetes, Alkoholismus – schickte der Richter den älteren Mann nach draußen. Schließlich sollte die Bedrohte zu Wort kommen. Während der Angeklagte, gestern bei der Verhandlung völlig nüchtern, vor die Tür wackelte, trat die Zeugin ein.

Sie habe abends vor dem Fernseher gesessen, erzählte sie, da habe es an der Tür »gedonnert«. Der Angeklagte habe mit einem Brotmesser vor ihr gestanden und ihr gedroht. Schaden wolle sie ihm jetzt nicht, versicherte die Frau, aber sie habe nicht mehr weiter gewusst. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft stellte Hans-Jürgen Niediek das Verfahren ein. Inzwischen kümmert sich eine Pflegerin um den kranken Mann, täglich bringt der Verein für Soziale Dienste Essen. Dem älteren Mann schien gestern alles egal gewesen zu sein: »Mehr als lebenslänglich kann ich sowieso nicht bekommen«, stellte er noch vor Urteilsverkündung fest.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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