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Dorfverein unterstützt ehrenamtlich die Familie Muradi
Kreis ignoriert erfolgreiche Petition

Elvin Muradi strebt nach einem Ausbildungsplatz in der Alten- und Krankenpflege und will mit seiner Familie hier eine Existenz aufbauen.
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  • Elvin Muradi strebt nach einem Ausbildungsplatz in der Alten- und Krankenpflege und will mit seiner Familie hier eine Existenz aufbauen.
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vc Aue. Wehrdienst in Aserbaidschan als Voraussetzung für einen neuen Pass und eine Ausbildung in Deutschland: Die Haltung des Ausländeramtes des Kreises Siegen-Wittgenstein sorgt in Aue und Wingeshausen nur noch für Kopfschütteln. In einer Pressekonferenz im Auer Bürgerhaus informierte der Dorfverein Aue-Wingeshausen am Donnerstag über die Lage von Elvin Muradi und seiner Familie. „Der Vorgang, den wir hier schildern, ist in meinen Augen unglaublich“, fand Helmut Keßler, 1. Vorsitzender des Dorfvereins, deutliche Worte.

Der Dorfverein betreut seit 2018 Geflüchtete und kümmert sich um deren Integration. Voraussetzung dafür: Die Unterstützten sind nicht vorbestraft und wollen sich auch integrieren lassen. Elvin Muradi lebt mit seiner Frau und drei Kindern in Aue.

vc Aue. Wehrdienst in Aserbaidschan als Voraussetzung für einen neuen Pass und eine Ausbildung in Deutschland: Die Haltung des Ausländeramtes des Kreises Siegen-Wittgenstein sorgt in Aue und Wingeshausen nur noch für Kopfschütteln. In einer Pressekonferenz im Auer Bürgerhaus informierte der Dorfverein Aue-Wingeshausen am Donnerstag über die Lage von Elvin Muradi und seiner Familie. „Der Vorgang, den wir hier schildern, ist in meinen Augen unglaublich“, fand Helmut Keßler, 1. Vorsitzender des Dorfvereins, deutliche Worte.

Der Dorfverein betreut seit 2018 Geflüchtete und kümmert sich um deren Integration. Voraussetzung dafür: Die Unterstützten sind nicht vorbestraft und wollen sich auch integrieren lassen. Elvin Muradi lebt mit seiner Frau und drei Kindern in Aue. Er hilft bei ehrenamtlichen Mäheinsätzen in den Ortschaften und ist sich laut Helmut Keßler „auch sonst nicht zu schade, mit anzupacken“.

"Der Vorgang, den wir hier schildern,
ist in meinen Augen unglaublich."

Helmut Keßler
Vorsitzender des Dorfvereins

Sein Fall und der Konflikt mit dem Ausländeramt in Siegen treibt den Vorstand des Dorfvereins und ihren Mitstreiter Horst Seeger um. Der Asylantrag von Muradi wurde 2019 abgelehnt. Seitdem muss der Aserbaidschaner seine Duldung regelmäßig verlängern lassen. Er absolvierte ein Praktikum im Bereich Kranken- und Altenpflege. Die Leistungen waren laut Dorfverein so gut, dass der Arbeitgeber einen Ausbildungsvertrag anbot. Das Ausländeramt in Siegen lehnte dem Verein zufolge die notwendige Ausbildungsduldung mit der Begründung ab, dass Elvin Muradi keinen Pass habe.

Botschaft forderte, Wehrdienst abzuleisten

Es folgte eine Reise nach Berlin, um die Papiere zu beantragen. An der Botschaft von Aserbaidschan funktionierte das laut Helmut Keßler für die gesamte Familie, nur Elvin Muradi durfte keine Papiere beantragen. Die Botschaft forderte, den Wehrdienst in Aserbaidschan abzuleisten. Helmut Keßler: „Die Botschaft stellte Elvin Muradi eine Bescheinigung aus, dass er vor Ort gewesen sei, sich also um den Nachweis seiner Identität bemüht hat.“

Die Bescheinigung habe Elvin Muradi der Ausländerbehörde vorgelegt. Die wiederum habe dann behauptet, dass der Aserbaidschaner nicht seiner Verpflichtung zur Erlangung eines Passes nachgekommen sei und er zuerst seinen Wehrdienst abzuleisten habe. „Dann kam“, berichtete Keßler weiter, ein schriftlicher Bescheid zur Ablehnung der Ausbildungsduldung mit der Forderung, dass Elvin Muradi zuerst den Wehrdienst leisten solle, um dann einen Pass zu beantragen. „Gegen den Bescheid haben wir Rechtsmittel eingelegt“, betonte Helmut Keßler.

Petition im Landtag eingereicht

Horst Seeger reichte gleichzeitig eine Petition im Landtag NRW ein. Mit dem Ergebnis, dass der Petitionsausschuss der Argumentation des Dorfvereins folge. Der Ausschuss habe das Ausländeramt aufgefordert, seine Entscheidung „wohlwollend zu überprüfen und die Ausbildung zu genehmigen“. Zeitgleich reichte der Dorfverein einen neuen Ausbildungsvertrag ein.

Ziel ist der Aufbau einer Existenz: Helmut Keßler und Horst Seeger (v. l.) unterstützen Elvin Muradi in seinem Streben nach einem Ausbildungsplatz in der Alten- und Krankenpflege.
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Ungeachtet der positiven Signale aus Düsseldorf erteilte das Ausländeramt erneut eine Absage. Als Grund sei der fehlende Wehrdienst ins Feld geführt worden, hieß es beim Pressetermin. Dies änderte sich auch nicht nach einem zweiten Erörterungstermin vor dem Petitionsausschuss. Helmut Keßler betonte sein Unverständnis für die Haltung der Ausländerbehörde. Gerade in Deutschland würden doch dringend Alten- und Krankenpfleger gesucht. Mit einer Ausbildung liege die Familie Muradi dem deutschen Staat auch nicht mehr auf der Tasche.

Kein Präzendenzfall der Behörde

Eventuellen Befürchtungen der Behörde, einen Präzedenzfall zu schaffen, erteilte der Vorsitzende mit dem Hinweis eine Absage, dass „der Fall einmalig“ sei. Helmut Keßler legte nach: „Die Aufforderung, Herr Muradi solle seinen Wehrdienst in Aserbaidschan ablegen, kommt einem Aufruf zum Suizid für mich nah.“ Elvin Muradi erläuterte seine Gründe, Aserbaidschan zu verlassen. Er habe in einer Apotheke gearbeitet und sei dabei auf den Verkauf falscher Medikamente gestoßen. Später habe er Anzeige erstattet, um Zustände im Medikamentenlager anzuprangern. Der Apotheker habe ihm in seinem Arbeitszeugnis einen Vermerk eingetragen, der es ihm unmöglich mache, in Aserbaidschan eine neue Stelle anzunehmen. „Die Polizei hat mich auch aufgefordert, die Anzeige zurückzunehmen.“ Er habe Aserbaidschan in der Angst verlassen, dass ihm etwas passieren könne.

Kreis ließ Anfrage unbeantwortet

Und was sagt der Kreis Siegen-Wittgenstein? Das Kreishaus ließ die Anfrage vom Donnerstag unbeantwortet.

Elvin Muradi strebt nach einem Ausbildungsplatz in der Alten- und Krankenpflege und will mit seiner Familie hier eine Existenz aufbauen.
Ziel ist der Aufbau einer Existenz: Helmut Keßler und Horst Seeger (v. l.) unterstützen Elvin Muradi in seinem Streben nach einem Ausbildungsplatz in der Alten- und Krankenpflege.
Autor:

Christian Völkel

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