»Kultur gegenseitiger Wertschätzung«

Pfarrer und Lehrer loteten gestern in Bad Berleburg Möglichkeiten der Kooperation aus

JG Bad Berleburg. Jesus sei im Neuen Testament als Lehrer aufgetreten, ein Erfolg der Reformation sei die Verbindung von Glaube und Bildung gewesen. Außerdem seien Lehrer genau wie Pfarrer kein Selbstzweck: Die einen gebe es, weil es Schüler gebe, die anderen, weil es Gläubige gebe. Deshalb rief gestern Prof. Dr.Hans-Martin Lübking vom Pädagogischen Institut der evangelischen Kirche von Westfalen im Berleburger Jugendheim Pfarrer und Lehrer zu einer »Kultur der gegenseitigen Wertschätzung« auf. Beide Seiten hätten einander etwas zu geben. Anlass war die Konferenz »Schulen und Kirchengemeinden unterwegs – Möglichkeiten einer guten Partnerschaft«. Unter dieser Überschrift trafen sich 50 Pfarrer, Jugendreferenten und Lehrer aus dem Gebiet des Kirchenkreises Wittgenstein. In verschiedenen Arbeitsgruppen wurde zunächst diskutiert, die Ergebnisse danach zusammengetragen.

Vorbeigehen und einfach mal Hallo sagen

Die Berleburger Jugendreferentin Kirsten Kampmann sprach über die Kontaktstunden, die eine Kirchengemeinde für Dritt- und Viertklässler in der Grundschule anbieten kann. Die Erkenntnis der Gruppe: Kontakt ist vor allem zwischen Gemeinde und Schule wichtig. Das unterstrich auch Henning Debus für die Gruppe »Religions- und Konfirmanden-Unterricht«. Der kennt mittlerweile die Situation aus zwei Warten, schließlich ist er nicht nur Birkelbacher Pfarrer, sondern auch Lehrer am Berleburger Johannes-Althusius-Gymnasium. Ideal wären gemeinsame Projekte von Schule und Kirche. Da man paradiesische Zustände jedoch nicht über Nacht herstellen könne, reiche es zunächst vielleicht als erster Schritt, wenn Pfarrer einfach in die Schule gingen und im Lehrerzimmer Hallo sagten.

»Nachbarn helfen sich in Notzeiten«

Der Wingeshäuser Pfarrer Thomas Janetzki wandelte mit einer Checkliste auf dem gleichen Weg, deren Grundthesen: »Schule und Gemeinde können gute Nachbarn sein. Nachbarn machen sich bekannt, sie wissen voneinander, sie laden sich gegenseitig ein und feiern auch schon mal zusammen. Sie nehmen aneinander Anteil und helfen sich in Notzeiten auch gegenseitig aus.« Konkrete Maßnahmen der Umsetzung: Religionslehrer werden vom Presbyterium eingeladen, neue Funktionsträger stellen sich in der jeweils anderen Institution vor, man bittet zu den eigenen Veranstaltungen.

Es gibt Grenzen, deshalb eher Ergänzung

Auf eine Schwierigkeit der Kooperation stieß die Gruppe »Jugendarbeit und Schule«, nachdem sie zunächst in einer Positivliste die guten Beispiele dafür zusammengetragen hatte. Es könne, so JAG-Lehrer Jürgen Bem, auch ein Zuviel an Zusammenarbeit geben, wenn etwa Schüler in der Freizeit auf einmal mit einem Lehrer zu tun hätten. Deshalb müsse das Ziel lauten: gegenseitige Ergänzung.

Reli-Austritt nicht zu bequem machen

Auf eine Grundvoraussetzung für solch eine Zusammenarbeit wies der Erndtebrücker Hauptschullehrer Klaus Völkel im Zusammenhang mit dem Thema »Austritt aus dem Religionsunterricht hin«. Die Vorsitzende des Kirchenkreis-Ausschusses für Schule und Medien unterstrich: »Die Schulleitung muss Religion als ordentliches Lehrfach sehen.« Es gebe Gewissensgründe, aber auch gewisse Gründe für den Austritt. Wenn eine Schulleitung etwa Religion in Eckstunden lege, dann stiegen die Austrittszahlen, mit zwei Gewinnern: Die Schüler könnten später kommen oder früher nach Hause gehen, die Schule müsse sich keine Gedanken über die Beaufsichtigung der Mädchen und Jungen machen. Außerdem sollte der Austritt nicht zu leicht – durch bloßes Ausfüllen eines Formulars – gemacht werden. Dr. Helmut Hollenstein als Schulreferent des Kirchenkreises brachte es auf den Punkt: »Die Alternative zum Religionsunterricht darf nicht Freizeit heißen.«

Von wem muss Anstoß dafür ausgehen?

Dass auch Schulgottesdienste von den beiden Seiten unterschiedlich wahr genommen würden, darauf wies Jugendreferent Klaus Grübener von dieser Gruppe hin: Abwechslung im Schulalltag für die einen, Unterbrechung der Unterrichts-Kontinuität für die anderen. Trotzdem böten solche Veranstaltungen viele Chancen. Für die Kleinen ein Gottesdienst zur Einschulung mit einer spannenden Schwellenfunktion. Für die Kirchen seien Schulgottesdienste ökumenische Herausforderungen, eine Werbeplattform und die Möglichkeit, neue Beteiligungsmöglichkeiten auszuprobieren. Aber natürlich gebe es auch Klärungsbedarf: Von wem muss der Anstoß dafür ausgehen?

Ein Versprechen des Informierens

Dieser Gedanke nach dem Motto »Wer besucht wen zuerst?« ist wohl oft der Anfang der fehlenden Kommunikation. Gestern setzten Klaus Völkel und Thomas Janetzki ein Zeichen dagegen: Sie versprachen, künftig ihre Schüler oder Konfirmanden abzumelden, wenn die auf Klassenfahrt oder Katechumenenfreizeit gingen. So dass der Pfarrer nicht mehr von vielen guten Geistern verlassen allein da sitzt beim Erörtern von Glaubenfragen, und der Lehrer nicht selbst Aufsätze oder Mathearbeiten schreiben muss.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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