Laaspher Fußgänger per Pkw aus Parklücke geschubst

1500 E Geldstrafe und drei Monate Fahrverbot für Berleburger

JG Bad Berleburg. »Raus, raus« – nur mit Mühe komplimentierte gestern Rechtsanwalt Reinold Ostermann seinen Mandanten vor die Türe des Verhandlungssaales im Berleburger Amtsgericht. Ungerecht behandelt fühlte sich der grummelnde und schimpfende Berleburger, der zuvor von Richter Torsten Hoffmann zu einer Geldstrafe in Höhe von 1500 e sowie einem dreimonatigen Fahrverbot verurteilt worden war. Und die Wut musste raus, denn das letzte Wort – das dem Angeklagten vor der Urteilsverkündung stets zusteht – hatte der 55-Jährige vergeudet mit: »Ich bin sprachlos.«

»Ich dachte, der Herr wäre taub«

Als er noch nicht sprachlos war, hatte er den Vorfall, um den es gestern ging, dem Gericht folgendermaßen geschildert: Er sei von der Laaspher Aral-Tankstelle zur örtlichen Post gefahren, habe dort dann in der Haltebucht vorm Postamt parken wollen. Doch ein Fußgänger habe ihn dran gehindert, weil dieser dort im Weg gestanden habe. Hinter ihm hätten die Autos gehupt, auch er habe versucht, den Fußgänger so aufmerksam zu machen. Doch der Mann habe sich nicht gerührt. Zwei Schlüsse drängten sich dem Autofahrer auf: »Ich dachte, der Herr wäre taub.« Und: »Ich habe mich fast genötigt gefühlt.« Deshalb sei er schließlich langsam in die Parkbucht gefahren, da habe sich dann der Fußgänger rumgedreht, erschreckt und sei wohl noch gegen sein Auto gelaufen. Fast gleichzeitig sei dann noch ein Jugendlicher mit lauter Musik vorbeigefahren und habe ihm, so der Angeklagte, den Stinkefinger gezeigt. Hinter dem vermeintlichen Verkehrsrowdy habe er dann hinterher geschimpft. An ein Gespräch mit dem Fußgänger konnte sich der Berleburger hingegen nicht erinnern, genauso wenig daran, dass er diesen mit dem Auto leicht angeschubst habe.

»Ich habe noch keine Anzeige gemacht«

Die Version des Laaspher Fußgängers unterschied sich deutlich davon: Er habe in der Parkbucht gestanden und die Straße überqueren wollen, deshalb habe er nach links geguckt, um zu sehen, wann die Straße frei werde. Nach rechts habe er erst einmal nicht geschaut, deshalb sei er sehr überrascht gewesen, dass er plötzlich von rechts einen Schubs ans Bein bekommen habe – von einem Auto, das hier gegen die Fahrtrichtung parken wollte. Und nachdem er nach links ausgewichen sei, sei das Auto noch einmal gegen ihn gefahren – ohne ihm wehzutun. Nicht schnell, auch nicht bedrohlich. Bedrohlich sei dann jedoch der Fahrer nach seinem Aussteigen auf ihn zugekommen. Der Neu-Fußgänger habe versucht, zu sprechen, was erstmal nicht geklappt habe, schließlich habe er aber noch ein unflätiges Wort gesagt. Zunächst, so der Zeuge, habe er gar nicht an eine Anzeige gedacht. Doch dann habe er sich überlegt, so der Pädagoge im Ruhestand: »Vielleicht ist es gut, wenn er eine Lehre bekommt.« Ausschlaggebend sei dabei das zweite Touchieren gewesen: »Das erste Mal kann einem passieren, aber das zweite Mal war Absicht.« Um die Aussage eines Zeugen zu bewerten, ist es für das Gericht immer wichtig, dessen Alltags-Belastbarkeit zu testen. Und so wollte Staatsanwalt Wolfgang Nau wissen, ob der Zeuge eigentlich öfters die Staatsgewalt zur Hilfe hole: »Ich habe im Leben noch keine Anzeige gemacht«, antwortete der Fußgänger. Und Hupen habe er überhaupt nicht gehört: »Ich wäre da doch nicht stehen geblieben, wenn ein Mercedes hupt.«

Zwei Entlastungs-Zeugen kamen umsonst

Der Angeklagte – bisher verkehrsrechtlich unbescholten – hatte zwei weitere Zeugen benannt, die ihn entlasten sollten. Der erste hatte den verhandelten Vorfall überhaupt nicht erlebt, sondern wusste nur von einem anderen Zwischenfall zu berichten. Bei dem hatte der Angeklagte hupend versucht, sich einen Weg zu seinem Haus durch ungünstig geparkte Autos zu bahnen. Die zweite Zeugin hatte sich zwar eigens aus Fredeburg und durch den Schnee am Albrechtsplatz auf den Weg nach Berleburg gemacht, wusste aber vom Tatgeschehen überhaupt nichts.

»Der Zeuge blockierte zwei Parkplätze«

Der ursprüngliche und vom Beschuldigten abgelehnte Strafbefehl hatte eine Geldstrafe von 3000 e und ein einmonatiges Fahrverbot umfasst. Staatsanwalt Wolfgang Nau sattelte in seinem Plädoyer weitere zwei Monate Fahrverbot drauf, wegen der »ausgesprochen verkehrsfeindlichen Einstellung« des Angeklagten. Da hatte der Verteidiger mehr Verständnis für seinen Mandanten. Aggression sei bei dieser Aktion doch nicht dabei gewesen. Außerdem fand er in Bezug auf den Geschädigten: »Der Zeuge blockierte zwei Parkplätze.« Richter Torsten Hoffmann schwächte die Höhe der 30 Tagessätze auf 50 e ab, schloss sich aber der staatsanwaltlichen Forderung nach einem dreimonatigen Fahrverbot an. Der Angeklagte habe durch sein Verhalten gezeigt, dass er »Vorschriften im Straßenverkehr nicht besonders ernst nimmt«.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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