Laaspher legte Geständnis im sprachlichen Spagat ab

23-Jähriger muss zwei Monate auf Führerschein verzichten

JG Bad Berleburg. »Es tut mir sehr leid, aber ich kann mich an diesen Vorfall nicht so erinnern« – in einem sprachlichen Spagat schaffte es am Dienstag ein Angeklagter im Berleburger Amtsgericht, sich für ein Fehlverhalten zu entschuldigen, mit dem er selbst eigentlich nichts zu tun haben wollte: Eine Straßenverkehrsgefährdung wurde dem 22-jährigen Laaspher zur Last gelegt.

An einem Samstagnachmittag vor etwas mehr als einem Jahr war der auffällige und allgemein bekannte Flitzer des jungen Mannes auf der Landesstraße 718 zwischen Fischelbach und Banfe unterwegs. Eigentlich eine schön ausgebaute Straße mit viel Platz – doch zum Überholen bei Gegenverkehr reicht es dann noch nicht. Und genau das sollte der Fahrer des Flitzers gemacht haben.

Anschaulich und dramatisch beschrieb im Gericht ein 44-jähriger aus Dietzhölztal, der aus Wittgenstein auf dem Weg nach Hessen und nach Hause war, wie er die Situation damals erlebte. Er sei mit 80 oder 90 Stundenkilometern unterwegs gewesen und habe sich auf das entgegenkommende auffällige VW-Busschen konzentriert. Dessen Fahrer sei nämlich sein Reifenhändler gewesen, deshalb habe er den grüßen wollten. Doch urplötzlich sei hinter dem Busschen ein Kleinwagen ausgeschert, nur durch eine Vollbremsung und sein geistesgegenwärtiges Rüberziehen auf den Standstreifen habe er einen Zusammenstoß vermeiden können, so der Nebenberufs-Fahrlehrer, der auch Frau und Tochter im Auto hatte. Wegen dieser Gefährdung seiner Familie und weil der Fahrer sich einfach so – ohne abzubremsen – aus dem Staub gemacht habe, nur deshalb habe er Strafanzeige erstattet. Die erste seines Lebens.

Die Zeugenaussagen der Männer im VW-Bus deckten sich mit zuvor gehörten Schilderungen: »Bei diesem Überholvorgang ist alles sehr, sehr eng gewesen,« erinnerte sich der Bus-Fahrer. Und beide Insassen des Reifen-Transporters konnten nicht nur den auffälligen Kleinwagen identifizieren, sondern auch den Mann an dessen Lenker. Sowohl der 39-jährige Reifenhändler als auch sein 19-jähriger Angestellter erkannten den Angeklagten wieder, der Jüngere sagte: »Da bin ich hundertprozentig sicher, sonst müsste er schon einen Zwillingsbruder haben.«

Der Angeklagte mochte zu der ganzen Sache zunächst einmal nichts sagen, aber sein Verteidiger Thomas Biek hatte eine schöne Geschichte in Petto. Gerade damals habe der Mandant seinen Flitzer verkaufen wollen, ein kurz zuvor unterzeichneter Kaufvertrag lag in Kopie vor. Deshalb seien damals jede Menge Leute Probe gefahren mit dem tiefergelegten, aufgemotzten Autochen. Namenslisten von denen gebe es natürlich nicht. Hübsche Geschichte, gut an kam sie trotzdem nicht. Richter Torsten Hoffmann ermutigte den Angeklagten noch einmal zu einem Geständnis. Nach der Beratung mit seinem Anwalt kam das halbherzige Einräumen der Tat, vom Anfang des Artikels.

Für Jörg Lange von der Staatsanwaltschaft war das Ganze weder Fleisch noch Fisch: »Ich kann nicht ganz sicher nachvollziehen, ob es ein Geständnis war oder nicht.« Den Anklagevorwurf sah er allerdings in jedem Fall bestätigt: »Wenn er meint, er sollte auf Landstraßen Rennen fahren, dann muss man ihm das austrieben.« Die Methode des Staatsanwalts dafür: eine Geldstrafe von 750 e und der sechsmonatige Entzug des Führerscheins.

Die Geldstrafe war für den Verteidiger noch in Ordnung, aber er forderte, von einer Entziehung der Fahrerlaubnis abzusehen. Stattdessen würde doch ein zweimonatiges Fahrverbot – nach Ablauf der Frist kommt die Lizenz von alleine wieder – ausreichen. Genau dieses Strafmaß verhängte denn Torsten Hoffmann für die fahrlässige Straßenverkehrsgefährdung: »Ich denke im Großen und Ganzen weiß er genau, was da geschehen ist«, war sich der Richter sicher, als er den Laaspher anguckte, der bedröppelt auf dem Sünderbänckchen saß. 750 e Strafe und zwei Monate Fahrverbot schien ihm ein ausreichender »Denkzettel«, ein Führerscheinentzug hätte für ihn nur in einem engeren zeitlichen Zusammenhang einen Sinn gemacht. Nicht über ein Jahr nach der Tat.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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