Lachen und Nachdenken

Richsteiner Laienspielgruppe bot in seinem Stück beides

akj Richstein. »Das Stück ist nicht nur zum Lachen, es hat durchaus auch einen kritischen Hintergrund. Es soll ein Stück weit die Realität darstellen, wie sie mancherorts ist«, mit diesen Worten leitete Michael Sittler das Stück »Das große Abenteuer« ein, das die Laienspielgruppe des Heimatvereins Richstein auf die Bühne brachte. So wünschte das Mitglied der Theatergruppe allen eine »kurzweilige und bisweilen auch nachdenkliche Vorführung«. Das Dorfgemeinschaftshaus war prall gefüllt, rund 100 Besucher waren gekommen, um die Aufführung der seit 1999 aktiven Spielgruppe zu sehen.

»Immer dasselbe Programm. Ich will mich da nicht dran gewöhnen, nicht Tag ein Tag aus das Gleiche machen« – Luise (Anja Bänfer) ist noch neu im Seniorenheim »Harmonie und Eintracht« und langweilt sich aufgrund des monotonen Alltags dort. Und so schmiedet sie einen Plan und überredet ihre Freundin Elschen (Reinhild Heiner) dazu, zumindest einen Tag lang aus diesem Alltag zu entfliehen: »Wir zwei rücken morgen früh nach dem Frühstück ab«, so die rüstige Dame zu ihrer alten Freundin.

Doch es braucht einige Überredungskünste, da Elschen pflichtbewusst ist und es eigentlich nicht erlaubt ist, das Heim ohne Begleitung zu verlassen. Die Mitbewohner Erwin und Oskar, gespielt von Bernd Hirschhäuser und Hamit Taravati, stehen Schmiere und helfen den Damen, unbemerkt aus dem Haus zu kommen, denn Schwester Anna (Helga Duchardt) darf auf keinen Fall etwas davon mitbekommen. Im Café resümieren die Beiden, was sie an ihrem »freien Tag« alles erlebt haben: Sie sind Karussell gefahren, haben verrückte Hüte aufprobiert und zu Elschens Schrecken hat Luise sogar die neuste CD von Robbie Williams geklaut. Doch auch das anfangs skeptische Elschen ist am Ende des Tages begeistert von ihrem Ausflug: »Dieser Tag hat mir ein Stück Freiheit gegeben«, so die Seniorenheim-Bewohnerin. Doch plötzlich werden die Damen von jungen Dieben (Sigrid Schneider und Ulrike Blecher) heimgesucht. Die frechen Kinder aus Problemfamilien wollen die Seniorinnen ausrauben.

Doch da haben sie die Rechnung ohne die heiteren Frauen gemacht: Luise hatte am Morgen noch ihre Schreckschusspistole eingepackt und mit Körpereinsatz von Elschen schaffen die beiden es die Diebe dingfest zu machen. Die Polizei, gespielt von Michael Sittler und Martina Feige, ist hocherfreut, weniger hingegen Schwester Anna, der natürlich nicht entgangen ist, dass zwei ihrer Heimbewohnerinnen abhanden gekommen sind. Doch auch sie lässt sich besänftigen, da eine Belohnung auf das Erfassen der Diebe ausgesetzt ist, die nun dem Seniorenheim zu Gute kommen soll.

Etwa zwei Monaten hat die Richsteiner Laienspielgruppe an dem Stück, das viel Applaus erntete, geprobt. Weitere Mitwirkende waren Gudrun Krause, Edith Schneider, Sabine Rupprecht und Martina Becker. Eintritt hatten die Schauspieler nicht gefordert, allerdings ließ Michael Sittler am Ende der Vorführung einen Hut herumgehen, um Spenden zu sammeln. Es gab einiges zu Lachen für die zahlreichen Zuschauer, aber tatsächlich gab das Stück auch Anstoß zum Nachdenken, etwa über die Lebenssituation vieler Senioren oder die Entwicklung von Jugendlichen, die über wenig familiären Rückhalt verfügen. Nach der Aufführung blieben die Richsteiner zum Oldie-Abend beisammen. DJ Herbert Ellmrich sorgte für die musikalische Unterhaltung, so dass die Dorfbewohner und ihre Gäste bis spät in die Nacht gemeinsam feierten.

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