Land darf Kurortehilfe nicht kürzen

Akteure der Berleburger Tagung Heilbäder und Kurorte in NRW formulierten gestern Appell

howe Bad Berleburg. Kurorte und Heilbäder jammern. Schon seit Jahren. Veränderte gesundheitspolitische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen wirken sich nachteilig auf die anerkannten Bäder aus. Die Haushalte der Kommunen stehen vor dem finanziellen Kollaps, diese Situation verschlechtert sich zusätzlich durch die Kürzung der Kurortehilfe nach dem Gemeindefinanzierungsgesetz um über 50 Prozent. Wenn das Land nicht dringend handelt, gehen die Kurorte bald baden.

Kein Hehl aus einem gewissen Stolz

Das wissen freilich auch der Nordrhein-Westfälische Heilbäderverband und der Städte- und Gemeindebund. Beide luden gestern zur gemeinsamen Fachtagung »Heilbäder und Kurorte in NRW – Gesundheitszentren für Wellness und Kur« nach Bad Berleburg ein. Dessen Bürgermeister Hans-Werner Braun machte gestern aus einem gewissen Stolz kein Hehl. Eine derartige Veranstaltung in Bad Berleburg, das sei schon etwas Tolles, freute sich der Verwaltungschef.

60 Fachleute aus 30 Kommunen angereist

Gut 60 Akteure aus 30 Kommunen des Landes NRW reisten nach Bad Berleburg, im örtlichen Bürgerhaus am Markt fand gestern die Fachtagung statt. »Die Verhandlungen mit der Landesregierung zum Gemeindefinanzierungsgesetz beginnen«, erläuterte Dr. Bernd Jürgen Schneider, Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes NRW. Er hoffe, dass alle Beteiligten der Fachtagung mit einem Appell an die Landesregierung Bad Berleburg verließen, nämlich mit der Aufforderung, die Kurortehilfe nicht zu kürzen. Die Situation von Kurorten und Heilbädern sei denkbar schlecht: Einnahmen würden einbrechen, Steuereinnahmen seien rückläufig, dagegen stiegen die Ausgaben rapide.

Odebornstadt erhält nur noch 303000 E

Am konkreten Beispiel Bad Berleburg machte Hans-Werner Braun fest: »Wir erhalten statt 652000 e nur noch 303000 e, müssen aber die gleichen Leistungen bringen.« Das heimische Klinikunternehmen WKA ziehe sich in bestimmten Bereichen zunehmend zurück, die öffentliche Hand müsse nun einspringen. Bernd Hamann, Geschäftsführer des Nordrhein-Westfälischen Heilbäderverbandes, verriet erste Lösungsansätze für die Problematik. Was den Bereich Wellness betreffe, dürfe ein Kurort seine Kernkompetenz nicht verlassen.

Produkt »Wellness« verwässert

Aus der Angelegenheit dürfe kein Bauchladen werden. Prof. Dr. Martin Lohmann vom Institut für Tourismus- und Bäderforschung in Nordeuropa GmbH konkretisierte, im Bereich Wellness sei der Angebotsumfang inzwischen größer als die Nachfrage. Ärgerliche Folge: Immer mehr Anbieter würden auf den Zug aufspringen, das Produkt verwässere. Will heißen: Ein Kurort muss sich auf sein eigenes Thema konzentrieren. Dazu erläuterte Eilert Freese, Geschäftsführer der Gesundheitsagentur NRW, solche Themen würden sich auf das beziehen, was in einem Kurort angeboten werde: Heilbad, Diagnose- und Therapiezentrum, Wellness oder etwa Tagung und Gesundheit. Wellness, das wollte Bernd Hamann klargestellt wissen, sei kein Allheilmittel, um die Talfahrt im Gesundheitswesen zu stoppen. »Eine stabile Gesetzgebung brauchen wir«, forderte er.

Kooperation als ein Lösungsansatz

In vielen Kurorten nehme die Reha einen großen Stellenwert ein. Hier müssten Standortsicherungen gefordert werden. Eine Lösungsmöglichkeit sei auch das Stichwort »Kooperation« der Partner. Nutzung von Marktchancen – was im ersten Moment schwammig klingt, brachte Matthias Heß, Geschäftsführer des Bad Berleburger Touristikvereins, auf den Punkt: Bad Berleburg und die hiesige Region habe die Kernkompetenz Wandern.

Nur durch die private Hand

Das müsse ausgebaut und auf den Gesundheitssektor übertragen werden. Ein anderes Beispiel sei der Bereich Tagung und Wellness. Hier habe etwa das Feudinger Landhotel Dörr die Zeichen der Zeit erkannt. Prof. Dr. Martin Lohmann konstatierte in diesem Zusammenhang, Wellness könne nach diesem Vorbild auch nur durch Einrichtungen der privaten Hand entstehen.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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