Langsamer fahren und mehr Dorfgemeinschaft

Waren zur Bürgerversammlung gekommen, um mit den Einwohnern wichtige Dinge zu besprechen: Polizeihauptkommissar Bernd Dickel, Birkefehls Ortsvorsteher Klaus Krüger, Ortsvorsteherin Anke Fuchs und Stadtratsmitglied Bernd Pöppel (v. l.). Foto: akm
  • Waren zur Bürgerversammlung gekommen, um mit den Einwohnern wichtige Dinge zu besprechen: Polizeihauptkommissar Bernd Dickel, Birkefehls Ortsvorsteher Klaus Krüger, Ortsvorsteherin Anke Fuchs und Stadtratsmitglied Bernd Pöppel (v. l.). Foto: akm
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akm Sassenhausen. Viele Dörfer in Wittgenstein kämpfen mit dem selben Problem: Zu hohe Verkehrsaufkommen und ständiges Zu-Schnell-Fahren. Durchgangsortschaften mit breit ausgebauten Straßen wie Schameder, Balde oder Weidenhausen verleiten sowohl ortsfremde als auch einheimische Autofahrer oft zur Geschwindigkeitsüberschreitung. Und das wirkt sich nicht nur negativ auf die Lärmbelästigung und die Umwelt aus, sondern auch auf die Unfallrate. Genau mit diesem Problem sehen sich mittlerweile auch die Sassenhäuser konfrontiert.

Ortsvorsteherin Anke Fuchs hatte deshalb am Freitag zu einer Bürgerversammlung ins Lokal „Schöne Aussicht“ eingeladen. Gemeinsam mit den Anwohnern und dem Dienststellenleiter der Polizeistation Bad Berleburg, Polizeihauptkommissar Bernd Dickel, wollte sie Maßnahmen zur Geschwindigkeitsreduzierung diskutieren. Die Probleme dabei entstehen auf der Hauptstraße durchs Dorf. Gerade im oberen Bereich von Laasphe kommend sei rasantes Fahren an der Tagesordnung, so die Ortsvorsteherin. Die Autofahrer würden nur kurz vor der Kurve abbremsen, um danach sofort wieder zu beschleunigen. Verkehrsberuhigende Kunstobjekte am Ortseingang sowie selbstgebastelte Püppchen mit der Warnung vor spielenden Kindern hätten nichts genützt. „Wir wollen ja gar nicht, dass die Leute mit 30 durch Sassenhausen fahren, wir wollen nur, dass sie sich an die 50 halten“, sagte Fuchs.

Bernd Dickel zeigte Verständnis für die besorgten Bürger. Doch gleichzeitig erklärte er, dass ein Antrag auf geschwindigkeitsreduzierende Maßnahmen nicht einfach durchzusetzen sei. „Verkehrsbehördliche Anordnungen sind an gewisse Bedingungen gebunden, zum Beispiel an das Unfall- und Geschwindigkeitsbild“, so der Polizeihauptkommissar. Nachforschungen hätten ergeben, dass in den vergangenen drei Jahren sieben Unfälle auf der besagten Straße passiert seien: drei Wildunfälle, zwei Unfälle mit Sachschaden, sowie ein Unfall mit einem Leichtverletzten und einer mit einem Schwerverletzten. Doch die drei Wildunfälle, der Unfall mit der leichtverletzten Person und einer der Unfälle mit Sachschaden seien außerhalb der Ortschaft passiert. Gründe für die Unfälle seien auch nicht Geschwindigkeitsüberschreitungen gewesen, sondern Fahrfehler und Winterglätte. Nachweisliche Geschwindigkeitsüberschreitungen habe es keine gegeben.

Auf die Frage, warum die Polizei die Geschwindigkeit nicht öfter messe, um eventuelle Verkehrssünder abzuschrecken, führte Dickel mehrere Gründe an. So führe der Mangel an Personal zu immer mehr Reduzierungen des sogenannten Kontrolldrucks. Zum anderen gebe es in Wittgenstein weitaus unsicherere Stellen, wo das Messen der Geschwindigkeit sinnvoller sei. Auch die Hoffnung auf einen Zebrastreifen, der eine ebenso geschwindigkeitsmindernde Wirkung hätte, schwand nach dem Vortrag des Polizeihauptkommissars. „Einen Zebrastreifen durchzusetzen ist noch schwieriger als die Geschwindigkeitsreduzierung.“

Das war natürlich nicht das Ergebnis, das die Bürger erhofft hatten. Dickel sicherte den Sassenhäusern aber zu, in Zukunft verstärkt Messungen auf der Eder-Lahn-Straße vorzunehmen, um die Situation noch mal zu erheben. „Wir werden drei- bis viermal messen, auch morgens, wenn die Kinder zur Schule gehen.“ Des Weiteren versprach der Polizist, sich um ein mobiles Geschwindigkeitsmessgerät zu bemühen, welches den Autofahrern nicht nur anzeigt, wie viele Stundenkilometer sie fahren, sondern auch die Anzahl an Geschwindigkeitsübertritten speichert. „Sollte sich nach den Messungen irgendetwas an den Ergebnissen geändert haben, werden wir natürlich die notwendigen Schritte einleiten“, so Dickel.Aber die Maßnahmen zur Geschwindigkeitsreduzierung waren nicht das einzige Thema an diesem Abend. Auch über den Vorschlag, einen Dorfgemeinschaftsverein zu gründen, um die Dorfgemeinde wieder enger zusammenzuführen und unnötige Konkurrenz zwischen den Vereinen zu vermeiden, wurde nachgedacht. Hierzu erklärte Klaus Krüger, Ortsvorsteher von Birkefehl, was die Vorteile eines solchen Vereins sind. „Die Kassen unserer Kommunen sind leer, darum müssen wir Eigeninitiative zeigen, um die Lebensqualität so gut zu gestalten, wie es ohne große Mittel möglich ist“, sagte Krüger. Der Dorfgemeinschaftsverein führe alle Vereine zusammen und sei außerdem für weitere Mitglieder, die in keinem Verein sind, offen. Der Verein sei verantwortlich für Pflege und Gestaltung des örtlichen Landschaftsbildes sowie für Pflege und Förderung traditioneller Feste und des dörfliches Miteinanders. Krüger und Fuchs betonten die Wichtigkeit der starken Dorfgemeinschaft: „Man muss gemeinnützig werden und gemeinsam hinter einen Dorf stehen. Dafür benötigt man die gesamte Dorfgemeinde. Wenn jeder sein eigenes Süppchen kocht, kommt man nicht weit.“Fuchs bat die Sassenhäuser, über die Gründung eines solchen Vereins nachzudenken. Ein Termin zur Besprechung dieses Themas steht noch nicht fest. Ebenso dachte man über einige Veränderungen die bestehenden Vereine betreffend nach. So soll das Feuerwehrhaus für die stets wachsende Feuerwehr im nächsten Jahr renoviert werden und das Maibaum-Aufstellen mit einem kleinen Fest zugunsten der Dorfjugend verbunden werden. Stadtratsmitglied Bernd Pöppel sicherte den Bürgern darüber hinaus seine stetige Unterstützung zu. Inwieweit die Hilfe bei der Durchsetzung der geschwindigkeitsmindernden Maßnahmen Erfolg hat, bleibt allerdings abzuwarten.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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