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Dorfgemeinschaft schreibt an NRW-Umweltministerin
Latrop lehnt Wisente vehement ab

Die Wisente im Rothaargebirge sind Gegenstand eines Schreibens der Dorfgemeinschaft Latrop an NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser.
  • Die Wisente im Rothaargebirge sind Gegenstand eines Schreibens der Dorfgemeinschaft Latrop an NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser.
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  • hochgeladen von Pascal Mlyniec (Redakteur)

vö Latrop/Bad Berleburg. Zehn Tage vor der nächsten Verhandlung um die freilebenden Wisente im Rothaargebirge vor dem Oberlandesgericht (OLG) Hamm gehen die Dorfgemeinschaft und der Verkehrsverein Latrop erneut in die Offensive: In einem Schreiben an NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser fordern die Latroper unter Federführung des 1. Vorsitzenden Ulrich Lutter Garantien ein. Garantien dafür, dass es nicht zu Sperrungen von Wanderwegen im Bereich Latrop kommt und dafür, dass das geplante Übergangsgatter für die freilebenden Wisente nicht länger als drei Jahre Bestand hat.

Latrop/Bad Berleburg. Zehn Tage vor der nächsten Verhandlung um die freilebenden Wisente im Rothaargebirge vor dem Oberlandesgericht (OLG) Hamm gehen die Dorfgemeinschaft und der Verkehrsverein Latrop erneut in die Offensive: In einem Schreiben an NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser fordern die Latroper unter Federführung des 1. Vorsitzenden Ulrich Lutter Garantien ein. Garantien dafür, dass es nicht zu Sperrungen von Wanderwegen im Bereich Latrop kommt und dafür, dass das geplante Übergangsgatter für die freilebenden Wisente nicht länger als drei Jahre Bestand hat.

Für die Dorfgemeinschaft und den Verkehrsverein Latrop sei es überhaupt nicht hinnehmbar, „dass ausgezeichnete Wanderwege rund um Latrop nicht mehr ganzjährig ohne Einschränkungen Wanderern mit Kindern, Wanderern mit Hunden oder auch Mountainbikern zur Verfügung stehen“. Nach Informationen der Latroper werde aber genau dies offensichtlich gerade geplant, zumindest werde es diskutiert. „Es kann und darf nicht sein, dass die Gründer des Wisent-Projekts die Wisente plötzlich elegant loswerden wollen und wir in Latrop mit erheblichen Einschränkungen in Zukunft leben müssen bzw. Tourismus nicht mehr wie gewohnt stattfinden kann“, heißt es in dem der SZ vorliegenden Schreiben.

Will das Fürstenhaus die Wisente loswerden?

An dieser Stelle gebe es keine Kompromissmöglichkeiten und die Latroper würden auch eine rechtliche Auseinandersetzung nicht scheuen. Versichert worden sei, dass das Gatter für eine Übergangszeit von maximal drei Jahren bestehe. Daran habe man erhebliche Zweifel, vielmehr glaubten die Menschen in Latrop – auch durch entsprechende Informationen und Gerüchte aus Wittgenstein –, dass das Fürstenhaus in Bad Berleburg das Wisent-Projekt, mindestens auf Grund und Boden des Fürstenhauses, nicht weiter unterstützen werde.

„Dies wird derzeit noch nicht offen bekundet, aber wir alle werden genau dies in den nächsten drei bis fünf Jahren erleben. Damit sind das Fürstenhaus und der Wisentverein das Problem los.“ Und damit habe das Land NRW plötzlich die Verantwortung für die Wisente. Abgeschossen werden dürften die Tiere auch nicht und dann blieben sie in Latrop. Durch Informationen von Berleburger Seite seien die Latroper zusätzlich sensibilisiert: „Wenn stimmt, dass das Fürstenhaus auch Windkraftanlagen auf dem Rothaarsteig plant, wird klar, warum wir glauben, dass das Fürstenhaus die Wisente loswerden will – natürlich ohne dies offen zuzugeben.“

Windenergie und Naturschutzprojekt nicht vereinbar

Windenergie erzeugen in einem Gebiet, in dem ein Naturschutz-Projekt stattfinde, das passe natürlich nicht zusammen. Die Vorwürfe werde er im Detail nicht kommentieren, erklärte Dr. Michael Emmrich, Pressesprecher des Wisent-Projektes, am Montag auf Anfrage. Der Wisent-Trägerverein habe dem politischen Vorstoß für ein Übergangsgatter im Latroptal auch deshalb als Kompromiss zugestimmt, weil dies ein zielführender Weg sei, um ein Ergebnis zu finden, mit dem alle Seiten leben könnten. Das Gatter sei zum einen befristet auf einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren, zum anderen werde ja ein ergebnisoffenes Gutachten erarbeitet.

Klage wird am 27. Mai verhandelt

Unabhängig davon hat das fürstliche Haus dem Wisent-Trägerverein nach gesicherten SZ-Informationen klar signalisiert, dass man auch in Zukunft hinter dem Projekt stehe. Dass es auch in Bad Berleburg Überlegungen hinsichtlich der Nutzung von Windenergie geben dürfte, kann angesichts der dramatischen Situation mit erheblichen wirtschaftlichen Einbußen in den Wäldern niemanden ernsthaft überraschen.

Am Donnerstag, 27. Mai, verhandelt das OLG Hamm die Klagen der beiden Oberkirchener Waldbauern Georg Feldmann-Schütte und Hubertus Dohle gegen den Wisent-Trägerverein. Beide wollen juristisch durchsetzen, dass die Wisente ihre Wälder nicht mehr betreten dürfen. 2017 war das Verfahren zuletzt in Hamm und wurde zwischenzeitlich von der nächsthöheren Instanz – dem Bundesgerichtshof (BGH) – genau dorthin zurückverwiesen.

Autor:

Martin Völkel (Redakteur) aus Bad Berleburg

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