Umweltministerin kontaktiert
Latrop sieht Vertrauensmissbrauch

Die Sauerländer Nachbarn aus Latrop machen kein großes Geheimnis daraus, was sie vom Wittgensteiner Wisent-Projekt halten. Ulrich Lutter (3. v. l.), Vorsitzender der Dorfgemeinschaft, hat dies aktuell in einem weiteren Schreiben an NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser zu Papier gebracht (Archivbild).
  • Die Sauerländer Nachbarn aus Latrop machen kein großes Geheimnis daraus, was sie vom Wittgensteiner Wisent-Projekt halten. Ulrich Lutter (3. v. l.), Vorsitzender der Dorfgemeinschaft, hat dies aktuell in einem weiteren Schreiben an NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser zu Papier gebracht (Archivbild).
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  • hochgeladen von Klaus-Jürgen Menn (Redakteur)

sz/vö Latrop. Die Dorfgemeinschaft Latrop meldet sich zu Wort – und zwar nicht irgendwo, sondern in einem weiteren Schreiben an Nordrhein-Westfalens Umweltministerin Ursula Heinen-Esser. Adressaten des von Ulrich Lutter, dem Vorsitzenden der Dorfgemeinschaft Latrop, unterzeichneten Schreibens sind außerdem Dr. Karl Schneider, Landrat des Hochsauerlandkreises, und der neue Schmallenberger Bürgermeister Burkhard König. Das Thema liegt auf der Hand: Es geht – einmal mehr – um die Wisente und „die unendliche Geschichte von nicht eingehaltenen Zusagen und halben Wahrheiten“, wie es Ulrich Lutter in sehr deutlichen Worten formuliert.

25 statt 15 Wisente

Die Latroper nehmen Bezug auf den Besuch der Ministerin in Schmallenberg Ende Februar 2020 – unmittelbar vor der Corona-Krise. Nach der Veranstaltung in der Stadthalle und dem erfolgten Austausch von Argumenten seien Lösungen für den Konflikt von allen Seiten gesucht worden, erinnert Ulrich Lutter. Beim Abendessen in Latrop habe Hubert Kaiser aus dem Ministerium den – mit der Bad Berleburger Seite bereits abgestimmten – Kompromissvorschlag, das Gatter deutlich zu verkleinern und auch analog die Anzahl an Tieren auf maximal 15 zu begrenzen vorgestellt. Weiterhin beinhaltete der Kompromiss, so die Darstellung der Latroper, dass ausschließlich weibliche Kühe in dem Gatter leben würden, „um die Sicherheit für die Wanderer auf den durch das Gatter führenden und für die Region lebenswichtigen Wanderwegen auch in Begleitung von Kindern und Hunden zu gewährleisten“.
Der Landesbetrieb Wald und Holz habe zu einer Informations- und Erörterungsveranstaltung am 11. Dezember in das Forstamt Oberes Sauerland eingeladen. Vertreter des Trägervereins, des Verkehrsvereins Schmallenberger Sauerland, des Rothaarsteigvereins, der Dorfgemeinschaft Latrop und der SGV Abteilung Latrop sowie Mitarbeiter des Landesbetriebes Wald und Holz seien zugegen gewesen. „Die Diskussion wurde gut geführt, die Interessenvertreter hatten ausreichend Gelegenheit, ihre Standpunkte darzustellen. Dabei wurden wir dann quasi, so nebenbei mal eben, darüber informiert, dass in dem verkleinerten Gatter 25 Wisente leben sollen. Weiterhin wurde in einem Nebensatz erklärt, dass auch Bullenkälber in dem Gehege leben werden, die in der Eingatterungsphase geschlechtsreif werden.“

Zusagen nicht eingehalten

Das habe zur Folge, kritisiert Ulrich Lutter, dass der Trägerverein für die Setzmonate von April bis Juni eine komplette Sperrung der Wanderwege vorschlage. Die Nutzung, der für die Latroper Touristiker außerhalb des Rothaarsteigs gelegenen, sehr wichtigen Wanderwege, zum Beispiel von Latrop zur Hängebrücke bei Kühhude oder den Weg durch die Schiefe Wand, seien in den Planungen bislang überhaupt nicht berücksichtigt. Völlig neu sei auch die Information, dass der Zaun nun elektrifiziert geplant sei. Ulrich Lutter: „Uns wurde immer zugesichert, dass ein ca. zwei Meter hoher Wildzaun ohne Strom gebaut wird. Sehr geehrte Frau Ministerin, wir haben Ihnen mitgeteilt, dass wir Ihre Entscheidung auf Grundlage des Kompromissvorschlages, den Herr Kaiser uns unterbreitet hat, akzeptieren. Nicht akzeptieren werden wir diese extremen Änderungen der Grundlage des Kompromisses hinter unserem Rücken. Ich nenne das einen groben Vertrauensmissbrauch.“
Der Trägerverein habe seit seiner Gründung immer mit der Wahrheit taktiert und nur die Informationen weitergegeben, die in Latrop schon bekannt gewesen seien. Nie habe sich der Verein an seine Zusagen gehalten. Die Latroper erinnern „da gerne an den Zaun, der die Wisente auf der Berleburger Seite halten sollte, als das Projekt startete“. Wenn es also tatsächlich im Interesse des Umweltministeriums sei, dass der Konflikt befriedet werde, müssten Zusagen eingehalten und Vertrauen aufgebaut werden. Ansonsten sehe die Dorfgemeinschaft Latrop anstatt einer Befriedung eher die Gefahr, dass der Streit eskaliere. Denn: „Latrop steht zu dem Kompromiss, das 15 weibliche Tiere für drei Jahre in einem ca. 500 Hektar großen Gatter in der Nähe unseres Ortes gehalten werden, bei freier Betretung der Wanderwege über 365 Tage im Jahr, sowohl mit Kindern als auch mit Hunden. Einem Kompromiss zum Kompromiss werden wir indes nicht zustimmen. Eine Ein- oder Beschränkung der Wandermöglichkeit im Latroptal darf es für unsere Gäste nicht geben. Die Hoteliers und Gastronomen können auf keinen Gast, Wanderer und Tagestouristen nach diesen unabsehbaren Folgen des Lockdowns für ihre Unternehmen verzichten und unsere Fremdenverkehrsbetriebe dürfen keinen wirtschaftlichen Schaden nehmen, nur weil der Trägerverein in Bad Berleburg nicht in der Lage ist, sein Projekt auf der Wittgensteiner Seite des Rothaargebirges durchzuführen. Hier ist die Kompromissbereitschaft des Trägervereins gefragt.“
Das Wisent-Projekt sei von Latroper Seite nie unterstützt worden „und wir wollen die Wisente auch nicht auf unserer Seite haben. Eine echte Befriedung ist nur möglich, wenn sichergestellt wird, dass die Wisente auf der Wittgensteiner Seite bleiben, unsere Wälder nicht weiter zerstören und unsere Gäste sich auf den ausgezeichneten Wanderwegen im Latroptal sicher fühlen“.

Autor:

Martin Völkel (Redakteur) aus Bad Berleburg

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